Besondere LeuchttürmeFlannan Isles - das Rätsel der verschwundenen Männer

Christian Tiedt

 · 10.08.2026

Besondere Leuchttürme: Flannan Isles - das Rätsel der verschwundenen MännerFoto: Luke Johnson, Northern Lighthouse Board
Flannan Isles Lighthouse auf Eilean Mòr, der mit 600 Metern Länge und 400 Metern Breite größten Insel des Archipels.
​Besondere Leuchttürme: Isolierter kann ein Leuchtfeuer nicht sein. Weit im Nordatlantik liegen die Flannan Isles vor der Küste Schottlands. Ein verlorener Ort - und ein Ort, um verloren zu gehen.

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Es gibt diese Plätze am Ende der Welt. So entlegen, dass sie sich in der Wahrnehmung der meisten Menschen an der Grenze zum Irrealen befinden - oder schon dahinter. Selbst in der modernen Zeit. Wer sich dort hinbegibt, jenseits der Netzabdeckung, wagt den Schritt ins Nichts. Die Flannan Isles sind so ein Ort. Eine kleine Gruppe vulkanischer Felsen, belagert von der ewigen Brandung des Nordatlantiks.

Der Name eines Einsiedlers

Sie liegen rund 17 Seemeilen westlich der Insel Lewis, die zu den den Äußeren Hebriden gehört - ihrerseits in Großbritannien bereits der Inbegriff für Abgeschiedenheit und Einsamkeit. Da wundert es kaum, dass die Flannans des Namen eines Heiligen des siebten Jahrhunderts tragen, einem jener asketischen Eremiten, die Einkehr in der Abkehr suchten. Und ebenso wenig, dass sie unbewohnt blieben - bis im Dezember 1899 drei Männer auf dem gerade fertiggestellten Leuchtturm ihren Dienst begannen.

  • Name: Flannan Isles Lighthouse, Western Isles, Schottland
  • Lage: Nordatlantik
  • Position: 58°17'17"N; 7°35'18"W
  • Turmhöhe: 23 m
  • Feuerhöhe: 101 m
  • Kennung: Fl(2) W30s

Seemonster oder Monsterwelle?

Ein knappes Jahr später, im Dezember 1900, bemerkte ein nachts passierendes Schiff, dass das Feuer des Turms nicht brannte - die schwerste Verfehlung, die sich die Wärter zu Schulden kommen lassen konnten. Das aufgrund von Stürmen erst Tage später zur Kontrolle entsandte Versorgungsboot fand die Station jedoch verwaist vor. Die drei Männer, der Leuchtturmwärter und seine beiden Assistenten, waren spurlos verschwunden.

Das Rätsel befeuerte die Fantasie der Zeitgenossen. Gerüchte machten die Runde, dass das Essen noch auf dem Tisch gestanden hatte, dass die Männer geflohen waren, um ein neues Leben anderswo zu beginnen, dass eine Seemonster sie verschlungen hatte. Ein Logbuch machte die Runde - gefälscht.

Die Untersuchung der Leuchtturmbehörde kam jedoch zu einem sehr viel nüchternen, wenn auch nicht weniger dramatischen Schluss: Eine Monsterwelle musste die drei während eines Kontrollgangs am Klippenrand mit sich gerissen haben. Entsprechende Zerstörungen hatte man gefunden - 34 Meter über der Meeresoberfläche.

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Nur noch Seevögel

Bis heute zählt das Verschwinden der Besatzung der Flannan Isles zu den bekanntesten der zahlreichen tragischen und mysteriösen Geschichten, mal mehr, mal weniger verbrieft, die sich auf Leuchttürmen zugetragen haben. Auf diesem wilden Außenposten blieb es jedoch der einzige Zwischenfall. Trotz seiner Lage “am Ende der Welt” kam hier kein Mensch mehr zu schaden. 1971 wurde der Turm schließlich automatisiert. Wie seit ewigen Zeiten sind erneut Seevögel die einzigen dauerhaften Bewohner.

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Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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