Jill Grigoleit
· 30.07.2026
Die Bilder aus Südfrankreich und Spanien sind dramatisch: Tausende Feuerwehrleute kämpfen gegen ausgedehnte Waldbrände, unterstützt von Löschflugzeugen und Hubschraubern. Wer im Mittelmeer unterwegs ist, sollte deshalb wissen, wie diese Einsätze ablaufen und wie man sich als Skipper richtig verhält.
Die bekanntesten Löschflugzeuge Europas sind die gelb-roten Canadair-Maschinen, offiziell vom Typ CL-415 beziehungsweise deren Nachfolger DHC-515. Sie können mehrere Tausend Liter Wasser aufnehmen, ohne landen zu müssen. Beim sogenannten “Scooping” gleiten die Maschinen mit hoher Geschwindigkeit über die Wasseroberfläche, tauchen ihre Füllrohre ins Wasser und nehmen innerhalb von nur etwa zwölf Sekunden rund sechs Tonnen Wasser auf.
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Für diesen Vorgang benötigen die Flugzeuge mehrere hundert Meter freie Wasserfläche. Während der Wasseraufnahme können sie nur eingeschränkt ausweichen. Die Crew muss Wind, Wellen, Sicht, Hindernisse und Verkehr auf dem Wasser einkalkulieren. Gleichzeitig wird das Flugzeug direkt nach der Aufnahme um mehrere Tonnen schwerer und dadurch träger. Schon deshalb brauchen die Crews freie, berechenbare Wasserflächen. Ein plötzlich den Kurs kreuzendes Boot stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar – sowohl für die Bootsbesatzung als auch für die Einsatzkräfte.
Für die Wasseraufnahme suchen sich die Piloten möglichst ruhige Wasserflächen mit wenig Seegang. Deshalb werden häufig geschützte Buchten oder küstennahe Bereiche genutzt – also genau jene Reviere, die auch bei Seglern und Motorbootfahrern beliebt sind. Die ideale Schöpfachse für Löschflugzeuge ist etwa 2.000 Meter lang, 100 Meter breit und mindestens zwei Meter tief – und sie ist nicht abgesperrt oder anderweitig gekennzeichnet. Auch wichtig zu wissen: Das Scooping erzeugt mitunter starken Sog und Wellen.
Gerade während größerer Waldbrände können die Flugzeuge im Pendelverkehr unterwegs sein: Wasser aufnehmen, zum Brandherd fliegen, Löschwasser abwerfen und unmittelbar zum nächsten Anflug zurückkehren. Entsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit, einem Löschflugzeug mehrfach zu begegnen.
Nicht jeder Tiefflug bedeutet unmittelbar eine Wasseraufnahme. Oft kündigt sich das Manöver an. Vor dem eigentlichen Schöpfmanöver fliegt die Crew zunächst einen Erkundungskreis über dem Gewässer. Danach folgt meist ein Tiefpass entlang der geplanten Aufnahmeachse, um die Lage zu prüfen und zugleich anderen Verkehrsteilnehmern das Manöver zu signalisieren. Erst danach kommt die Maschine auf derselben Achse zurück und nimmt Wasser auf. Heißt in der Praxis: Wenn ein Löschflugzeug wiederholt tief und geradlinig über dieselbe Wasserfläche anfliegt, ist das wahrscheinlich die Vorbereitung zur Wasseraufnahme. Spätestens dann sollten Skipper damit rechnen, dass die Wasserfläche in wenigen Augenblicken für den Löschflug benötigt wird.
Wer in hitze- und brandgefährdeten Revieren unterwegs ist, sollte die Lage schon vor dem Ablegen mitdenken. SeaHelp empfiehlt im Zweifel, örtliche Feuerwehr oder zuständige Stellen zu kontaktieren, um betroffene Gebiete zu identifizieren und zu meiden. Gerade bei Küstentörns, Ankerstopps in bewaldeten Buchten oder Fahrten nahe Nationalparks und Inselhängen ist das sinnvoll.
Sobald ein Löschflugzeug zur Wasseraufnahme ansetzt, gilt vor allem eines: den Bereich sofort verlassen. Empfohlen wird ein Abstand von mindestens 500 Metern zur Schöpfachse. Idealerweise halten sich Wassersportler jedoch komplett von den Einsatzgebieten fern. Falls man doch zur falschen Zeit am falschen Ort ist: Geschwindigkeit reduzieren und berechenbar manövrieren. Und natürlich die Anweisungen von Feuerwehr, Küstenwache oder Behördenbooten unbedingt befolgen. Und: Ein Löschflugzeug kommt selten nur einmal, für die Brandbekämpfung sind meist mehrere Überflüge nötig. Daher sollte die Wasserfläche auch nach dem Schöpfvorgang freigehalten werden.
Unglaublich aber wahr: Nach vereinzelten “Wettrennen auf dem Wasser” sah sich das Umweltministerium der Balearen 2024 gezwungen, eine Kampagne zu starten um auf die Gefahren hinzuweisen. Unter dem Motto ,„Si me ves en el mar, quédate lejos“ (Wenn du mich im Meer siehst, halte dich fern) bat sie Wassersportler um Rücksicht und Mithilfe.
Während großer Waldbrände arbeiten die Crews oft im Minutentakt. Jeder abgebrochene Anflug kostet wertvolle Zeit im Löscheinsatz. Muss ein Pilot den Anflug wegen eines Bootes abbrechen, ist dies nicht nur äußert gefährlich, es verzögert sich auch die Wasseraufnahme. Der gesamte Löschrhythmus gerät ins Stocken – mit Folgen für die Brandbekämpfung am Boden. Wer Platz macht, bringt sich daher nicht nur selbst außer Gefahr, sondern hilft möglicherweise dabei, Leben zu retten.
Für Wassersportler gilt deshalb dieselbe Regel wie gegenüber Seenotrettung, Polizei oder Feuerwehr auf dem Wasser: Einsatzfahrzeuge haben immer Vorrang. Wer frühzeitig erkennt, was die Besatzung vorhat, hält ausreichend Abstand und ermöglicht einen sicheren Einsatz.

Redakteurin Reise
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