RekordfahrtAlbin Vega segelt nonstop rund Amerika

Johannes Erdmann

 · 05.01.2012

Rekordfahrt: Albin Vega segelt nonstop rund AmerikaFoto: solotheamericas.org

Mehr als 18.000 Seemeilen liegen bereits im Kielwasser des 32-jährigen Amerikaners Matt Rutherford. Gestern passierte er Kap Hoorn

  Rutherfords Vega im Southern OceanFoto: solotheamericas.org
Rutherfords Vega im Southern Ocean

Es wirkt fast wie Seemannsgarn, ist aber allem Anschein nach wahr: Der Amerikaner Matt Rutherfort segelt auf seiner acht Meter langen Albin Vega nonstop um den amerikanischen Kontinent. Mit seinen 32 Jahren hat er bereits einige lange Seereisen im Kielwasser, segelte zuletzt mit seiner Pearson 32 in den Jahren 2008 bis 2010 einhand nach Europa und zurück. Auch das Boot, ein schwedischer Albin-Vega-Langkieler, hat seine Seetüchtigkeit in vielen beeindruckenden Reisen bewiesen. Das aktuelle Abenteuer stellt jedoch alles bisher Dagewesene in den Schatten.

  Matt RutherfordFoto: solotheamericas.org
Matt Rutherford

Am 13. Juni setzte Rutherfort im amerikanischen Annapolis die Segel und ging auf Kurs Nord. Bereits im Juli erreichte er das Nordpolarmeer und segelte durch die Nordwestpassage in den Pazifik. Ab Alaska konnte er Kurs Süd anlegen und rundete nun gestern nach insgesamt 18.341 Seemeilen das berühmt-berüchtigte Kap Hoorn. "208 Tage sind eine lange Zeit, wenn man auf solch einem kleinen, 27 Fuß langen Boot eingesperrt ist. Ich kann hier drinnen nicht mal aufrecht stehen, ohne mir den Kopf zu stoßen", schrieb er gestern in seinem Blog. "Als ich Annapolis verlassen habe, rechnete ich mit der Ankunft am Kap Hoorn um den 16. Januar", erklärt er weiter, "damit bin ich elf Tage vor dem Zeitplan."

Nach etwa 2.000 Meilen im Southern Ocean erlebte Rutherford das Kap sogar bei angenehmem Wetter: "Ich hätte mir keine besseren Verhältnisse wünschen können", schreibt er. "Der Wind wehte mit 20 Knoten aus Südwest, der Himmel war zwar bedeckt, doch immer wieder kamen kleinen blaue Flecken und sogar die Sonne durch die Wolken." Um das gefährliche Seegebiet möglichst schnell zu verlassen, verlangt er seinem Schiff alles ab: "Normalerweise jage ich das Boot nicht so, aber dies ist keine Gegend, um abzuhängen. In den letzten 24 Stunden habe ich 135 Seemeilen zurückgelegt."

  Mit solch einer gewöhnlichen Albin Vega ist Rutherford unterwegsFoto: YACHT-ARCHIV
Mit solch einer gewöhnlichen Albin Vega ist Rutherford unterwegs

Es ist wirklich erstaunlich, welche Leistung der junge Mann aus Baltimore mit seinem mehr als 40 Jahre alten Schiff vollbringt. Mit der Reise möchte er – selbstverständlich neben der persönlichen Leistung und dem Erlebnis – auf den Verein CRAB ("Chesapeake Region Accessible Boating") aufmerksam machen und für ihn Geld sammeln. Rutherford ist selbst ehrenamtliches Mitglied in dieser Institition, die mit behinderten Menschen segeln geht. CRAB hat ihm auch das Boot für das Abenteuer zur Verfügung gestellt und bei den Vorbereitungen unterstützt.

  Die geplante RouteFoto: solotheamericas.org
Die geplante Route

Größtes Problem in dieser kalten Region ist die fehlende Sprayhood. Sie war bereits in der Beringsee beschädigt worden und lässt sich nicht mehr reparieren. "Es ist lustig, wenn ich daran denke, dass ich Kap Hoorn ohne Spitzschutz runde", schreibt er weiter, "Aber das macht nicht, ich habe eine Paintball-Maske und einen Überlebensanzug. Damit sehe ich aus wie ein Schwerwetter-Ninja."

Vom Kap wird ihn der weitere Kurs vorbei an den Falklandinseln nach Norden führen, dann kurz nach der Hurrikansaison entlang der Karibik und zurück nach Annapolis, wo er vermutlich im März oder April eintreffen wird.

  Rutherford im Nebel der ArktisFoto: solotheamericas.org
Rutherford im Nebel der Arktis

Die Reise kann auf seiner Website www.solotheamericas.org verfolgt werden.

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