Türkisblaues Wasser, überfüllte Buchten und die Suche nach dem perfekten Ankerplatz: Auf kurzen Schlägen rund um Malta und Comino erlebt eine Familie auf ihrem Sommertörn Postkartenidylle, Massentourismus und am Ende doch noch einen versöhnlichen Sonnenuntergang. Teil 2/4: Comino und der Westen.
Frühes Aufstehen ist auf Malta selten nötig, denn die Distanzen sind immer überschaubar. Kaum sieben Meilen liegen bis zu unserem Ankerplatz auf der Nachbarinsel Comino vor uns. Doch die Bucht ist beliebt – und wer zuerst kommt, sichert sich den besten Platz.
Die Insel stellt einen ziemlichen Kontrast zu Malta dar, kleiner als Helgoland und besitzt offiziell lediglich drei ständige Bewohner. Größte Attraktionen ist die Blue Lagoon, eine Bucht mit überaus klarem Wasser über Sandgrund, die täglich von etlichen Fahrgastschiffen und Privatbooten angelaufen wird und die wir morgen auf der Weiterfahrt besuchen wollen. Der Großteil der Insel jedoch ist verlassen und karg, durchzogen von Pfaden, die es möglich machen die Insel zu Fuß zu erkunden.
Auch die Blue Lagoon, zwei Buchten weiter, ist wie erwartet überaus voll: Sechs Ausflugsschiffe liegen mit Heckleinen an den Felsen, das ganze Ufer ist gesäumt von Menschen, die gefühlt ziellos herumlaufen, um die Bucht zu erkunden. Die abgesteckte Badezone erinnert an ein Freibad. Es ist Hauptsaison. Das Wasser wird dem Namen “Blue Lagoo“ würdig, sandiger Grund und deshalb leuchtendes Blau. Aber nichts, was wir nicht auch schon in anderen Buchten erlebt hätten – und vielmehr nichts, wofür es sich lohnen würde, den Trubel in Kauf zu nehmen. Wir drehen eine Runde in der Bucht und nehmen Reißaus.
Es geht zurück aufs Festland, der nächste Stopp ist die Golden Bay Cove. Das Ufer ist gesäumt von hunderten von Sonnenschirmen, denn der Strand ist einer der beliebtesten der Insel. Das Wasser ist etwas milchig, aber der Strand trotz der vielen Menschen sehr einladend. Kindheitserinnerungen: Hier im Hotel oberhalb der Bucht haben wir damals unseren Familienurlaub verbracht.
In der Bucht Għajn Tuffieħa, eine halbe Seemeile weiter, gibt es einen ähnlich langen Sandstrand, aber ohne Badezone, auf dem laut App Navily das Anlanden kein Problem wäre. Dort am Strand habe ich damals schon sehnsüchtig auf die ankernden Langfahrtyachten geschielt – aber offenbar nicht darauf geachtet, wie erbärmlich sie hier vor Anker rollen! Die Bucht ist sehr ungeschützt, „Mono“ liegt mittendrin und holt in der Dünung von 20 Grad zu 20 Grad auf jeder Seite über. Also ist auch hier für uns nichts zu holen – stattdessen geht es weiter.
Erst in der halbmondförmigen Bucht Ġnejna haben wir Erfolg und werfen den Haken außerhalb des Muringfelds in vier Meter tiefem, kristallklarem Wasser auf Sandgrund. Ein riesiger und geradezu dramatisch schöner, 80 Meter hoher und sehr steiler Hügel erhebt sich nördlich der Bucht und wird in der Abendsonne malerisch angeleuchtet. Durch Regengüsse ist er abgerutscht, wobei sich die sanft geschwungenen, aber steilen Hänge gebildet haben.
Diese Bucht mit Strand und Restaurant scheint eher den Einheimischen zu gehören. In den Fels geschlagene Verschläge verstärken den Eindruck. Sie stammen aus der Zeit, als Fischer hier ihre Boote und Ausrüstung direkt am Wasser unterbringen mussten. Viele sind einfache Höhlen mit Türen, manche erweitert und ausgemauert, teils mit provisorischen Veranden. Trotz der vielen besuchten Orte und der vielen gescheiterten Versuchen einen geeigneten Platz für die Nacht zu finden, haben wir heute lediglich 16 Seemeilen geloggt. Es sind wirklich kurze Distanzen hier.
Im Dingi setzen wir über und fahren in ein kleines in den Fels geschlagenes Hafenbecken ein. Auf der einen Seite ist der Fels glatt wie eine Kaimauer und macht ein Anlanden möglich. Doch ausgerechnet hier stehen Schilder: „Achtung, nur zum Be- und Entladen anlegen“. Einer muss also beim Boot bleiben. Da die Sonne ohnehin schon tief am Himmel steht, bestellen wir kurzerhand im Restaurant Pizza zum Mitnehmen. Auf dem Trampolin am Bug beobachten wir den Sonnenuntergang, der sich direkt voraus abspielt. Wir sind versöhnt mit Tag, die Atmosphäre ist wunderschön.

Redakteurin Reise
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