Text: Birgit Hackl
Von Vanuatu aus kamen wir nach Kavieng an der Nordspitze von New Ireland, einer netten kleinen Stadt mit einem tollen Gemüsemarkt und überraschend gut sortierten Supermärkten. Eine anhaltende Flaute machte unserem Plan, weiter westwärts bis zu den Hermits zu segeln, einen Strich durch die Rechnung.
Stattdessen erkundeten wir die vielen Inseln rund um die Spitze von New Ireland und um New Hanover, kreuzten hinauf zur abgelegenen St.-Matthias- Gruppe und hüpften dann mit Wetterfenstern retour zur Tanga-Gruppe. Nach einem Abstecher zu den Salomonen kehrten wir zu den äußeren Inseln zurück, zuerst nach Mussau.
„Hello, good afternoon!“, dann ein zaghaftes Klopfen am Rumpf. Ich stecke den Kopf aus dem Niedergang und schaue in vier lachende Kindergesichter. Die Mädchen, die Jüngste ist wohl noch keine zehn und die Älteste vielleicht fünfzehn, sind mit ihrem Segelkanu vom Dorf auf der anderen Seite der Lagune zu unserem Ankerplatz beim Pass gesegelt. Da kann ich sie kaum wieder wegschicken.
Und schon klettern sie mit Körben beladen die Badeleiter herauf. Ich stehe mit dem Duschschlauch bereit, denn wir versuchen „Pitufa“ trotz der vielen Besucher halbwegs salz- und sandfrei zu halten. Ich bedanke mich artig für die Melonen, grünen Bohnen und Auberginen, obwohl wir schon Berge unter Deck liegen haben. Lieber koche ich den Überschuss als Konserven ein, als die Mädels zu enttäuschen.
„What can I give you for the veg?“ Die Mädchen kichern, beraten sich kurz in ihrer Sprache, und dann platzt die Mutigste der vier heraus: „Lipstick and perfume!“ Klar, solche Luxusgüter sind hier natürlich nirgends erhältlich. Lippenstift finde ich in unserer Wühlkiste, statt Parfum packe ich ein paar Packungen parfümierte Seife ein und lege noch zwei Packungen Reis und Zucker dazu.
Noch schnell eine Tour über Deck und Cockpit, und dann klettern die vier wieder zurück in ihr Kanu, stellen flugs den Mast auf, rollen ihr Segel aus zusammengenähten Regenschirmen aus und düsen los. Das nächste Kanu ist schon unterwegs – Kurs „Pitufa“. Seufzend warte ich auf die nächsten Besucher, mein Nähmaschinenprojekt wird heute wohl nicht mehr fertig.
Wir hatten gelesen, es sei unerlässlich, gleich nach dem Ankern den Chief jeder Insel aufzusuchen, um Geschenke zu bringen, um Erlaubnis zum Verweilen zu bitten und, noch wichtiger, unter seinen Schutz zu treten, falls uns jemand ausrauben oder Ankergebühren verlangen sollte.
Dies mag bei Ankerplätzen auf dem Festland so sein. Auf vielen der kleinen Inseln wurden wir einfach zu den „Chairmen“ (ähnlich einem Bürgermeister) geschickt, wo wir sehr informell empfangen wurden, ohne dass obligatorische Geschenke erwartet wurden – natürlich brachten wir trotzdem Kleinigkeiten mit.
Wo immer wir ankerten, paddelten ohnehin bald Kanus auf uns zu: erst neugierige Kinder, dann der Rest des Dorfs. Der erste Tag war meist der geschäftigste, da alle begierig darauf waren, die Fremden kennenzulernen und ihr schwimmendes Heim zu bestaunen. Manchmal umkreisten uns zehn Kanus und wir konnten weder arbeiten noch ausruhen, da wir einer Gruppe nach der anderen eine Führung gaben.
Ich kann mir vorstellen, dass Crews, die schnell von Ankerplatz zu Ankerplatz segeln, dieses Ansturms bald überdrüssig werden. Der Trick besteht darin, länger an einem Ort zu bleiben: Sobald die anfängliche Aufregung abgeklungen ist, kehrt das Leben zur Normalität zurück und es gibt nur noch gelegentlichen Besuch.
Man kann den Inselbewohnern ihre Begeisterung beim Anblick eines Segelboots wirklich nicht verdenken: Auf den meisten Inseln waren wir das erste Boot seit 10 oder sogar 15 Jahren! „Früher kamen Yachten hierher, aber jetzt nicht mehr …“
Anscheinend hält Papua-Neuguineas Ruf als gefährliches Land sie fern, oder vielleicht sind die modernen Segler weniger abenteuerlustig und halten sich eher an Routen, die auf Facebook und NoForeignLand empfohlen werden.
Schade eigentlich, denn die Bewohner würden sich über mehr Besucher freuen, „to tell stories“ (das bedeutet im Slang von PNG tratschen), aber auch um zu tauschen. Vielerorts bleiben die Versorgungsschiffe, die früher sporadisch vorbeikamen, mittlerweile ganz aus, und die Menschen bieten Seglern Obst und Gemüse zum Tauschen an.
Gebrauchte Kleidung, Schulmaterial, Sonnenbrillen, Lesebrillen, Grundnahrungsmittel wie Reis, Zucker und Instantnudeln und sogar Haushaltsgeräte wie Bratpfannen und Handtücher sind sehr gefragt, und wir mussten unsere Geschenkekiste in den Städten entlang der Route mehrmals auffüllen. Spinnakermaterial für Segelkanus wäre ebenfalls ein ideales Geschenk.
Wir würden Crews in unserem Kielwasser aber bitten, keine Schnorchelausrüstung oder gar Harpunen zu verschenken – die durch Korallenbleiche angeschlagenen Riffe benötigen Pflanzenfresser wie Papagei- und Doktorfische, um das Algenwachstum einzudämmen, und genau diese Arten werden mit Harpunen am meisten dezimiert. Besser ist es, Haken und Angelschnur auszugeben, denn damit fangen die Einheimischen weniger wichtige Arten wie Schnapper oder Stachelmakrelen.
Teil 3 der Reportage folgt bald.

Ressortleiter Reise
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