Wie schon zu Zeiten ihrer portugiesischen Entdecker, ist Sokotra zunächst nur ein dunkler Streifen zwischen Himmel und Meer. Bei der Annäherung steigen schroffe Berge auf, später schneeweiße Dünen, geformt von den Winden des Sommermonsuns, und zuletzt eine Küstenlinie mit türkisfarbenen Buchten. Dann sieht man die Drachenblutbäume. Ihre Kronen ragen wie grüne Regenschirme über den Fels. Fantastische Formen, wohin man blickt. Eine Insel, die nicht von dieser Welt zu sein scheint.
Der Drachenblutbaum verdankt seinen Namen dem roten Harz, das aus seiner Rinde austritt. Neben ihm wachsen Wüstenrosen mit aufgetriebenen Stämmen und Gurkenbäume, die Wasser speichern. Die seltsamen Silhouetten sind keine Laune der Natur: Sie helfen Pflanzen, auf einer Insel mit langen Trockenzeiten zu bestehen. Weil Sokotra über lange Zeit vom Festland getrennt war, entwickelten sich hier Arten, die es anderswo nicht gibt.
Daher stammt auch der zweite Name: „das Galápagos des Indischen Ozeans“. Bei Flora und Fauna sind laut UNESCO rund 700 endemisch, also nur dort heimisch, vom Sokotra-Granatapfel bis zur Blauen Vogelspinne. Auch die Meereswelt gehört zu diesem außergewöhnlichen Lebensraum.
Seit 2008 steht der Sokotra-Archipel auf der Liste des UNESCO-Weltnaturerbes. Die Auszeichnung gilt nicht nur den berühmten Bäumen der Hauptinsel, sondern dem Zusammenspiel von Inseln, Küsten und Meer. Gerade das macht Sokotra so schwer zu fassen: Was wie ein fremder Planet aussieht, ist ein empfindliches Stück dieser Erde.
Bilder von Sokotra wecken Fernweh. Eine Einladung zum Törn sind sie nicht. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Jemen, ausdrücklich auch nach Sokotra. Verantwortlich sind dafür in erster Linie die Aktivitäten der Huthi-Milizen an der Zufahrt zur Straße von Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres.

Ressortleiter Reise
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