Blauwasser-BlogAbenteuer Afrika: unterwegs auf dem Gambia River, Teil II

Martin Finkbeiner

 · 22.04.2019

Blauwasser-Blog: Abenteuer Afrika: unterwegs auf dem Gambia River, Teil IIFoto: M. Finkbeiner

Krokodile, Flusspferde, Schimpansen, Paviane: Friederike und Martin Finkbeiner sind mit ihrer "Aracanga" weiter auf spannender Flussfahrt. Ihr aktueller Bericht

Über zwei Monate sind wir jetzt in Gambia auf dem gleichnamigen Fluss unterwegs und haben in der ganzen Zeit kein anderes Segelboot getroffen. Der Abstecher nach Afrika ist für uns etwas ganz Besonderes. Wir leben hautnah mit der Natur und lernen Orte kennen, die kaum von anderen Seglern oder Touristen besucht werden. Obwohl wir in einem Land unterwegs sind, das zu den ärmsten der Welt zählt, haben wir seit Monaten unser Boot nicht mehr abgeschlossen.

Gambia ist ein kleines Paradies für Fahrtensegler, deren Drang nach Abenteuer groß ist.

400 Kilometer tuckern wir den Gambia River ins Landesinnere, von Banjul an der Küste bis kurz vor Basse weit im Landesinneren. Die Reise auf dem Fluss ist von Extremen geprägt: Entweder liegen wir allein inmitten der schönsten Natur vor Anker und genießen die Ruhe, die Tier- und Pflanzenwelt um uns herum. Oder aber wir werden in den Dörfern und Ortschaften am Fluss von riesigen Kinderscharen begleitet.

Kindertagesstätte "Aracanga"

Jareng Badala liegt an einem schmalen Seitenarm des Gambia River, in den wir auf gut Glück fahren. Wir haben keine Wassertiefen für den Flussarm und verlassen uns auf die Aussage eines Fischers, dass er tief genug sei. Es lohnt sich. Das Dorf ist mit seinen traditionellen palmgedeckten Lehmhäusern nicht nur der schönste Ort bisher, sondern bereitet uns wegen seiner Abgeschiedenheit auch einen unvergesslichen Empfang.

Begrüßungskomitee
Foto: M. Finkbeiner

Sobald wir mit unserem Beiboot zwischen den vielen Einbäumen der Fischer anlanden, werden wir auch schon von einer Schar Kinder entdeckt, die laut "Toubab" schreien, wie wir hier genannt werden. Sie nehmen uns an die Hand, an jeden Finger eines, und wer keinen Finger mehr bekommt, nimmt einfach das nächste Kind an die Hand, hält uns am T-Shirt fest oder steckt kurzerhand seine Hand in unsere Hosentasche. Vom Landeplatz am Fluss sind es etwa 200 Meter bis zum Dorf, die wir von immer mehr lachenden Kindern begleitet werden, die uns nach unseren Namen fragen, sich um unsere Finger raufen und einheimische Lieder singen.

Wonach wir von allen Kindern gefragt werden, sind leere Plastikflaschen, in denen sie Trinkwasser abfüllen können. Davon haben wir ein paar an Bord, und wir freuen uns über diese Art von Recycling.

Am nächsten Tag warten die Kinder nicht erst auf unseren Besuch an Land. Schon in der Früh steigen sie in ihre Kanus und kommen zu uns herausgepaddelt. Binnen kürzester Zeit sitzt das ganze Cockpit voller Jungs und Mädchen, die mit großem Interesse unser Boot bestaunen und sich freuen, als wir unsere Reserven an Keksen auspacken und verteilen. Und natürlich möchte auch jeder einmal einen Blick unter Deck werfen und sehen, wie wir so leben. Für großes Staunen sorgen die Fußpumpen in der Pantry, mit denen wir Wasser aus dem Tank oder von außenbords in die Spüle pumpen können. Aber das Highlight sind Fernglas und Funkgeräte. Jeder möchte einmal unser Buddyboat "Streuner" am Funk anrufen oder sich zwischen Handfunke an Deck und Funkgerät in der Kajüte unterhalten.

So spannend es für die Kinder ist, sich unser Zuhause anzusehen, so spannend sind für uns die Besuche im Dorf.

Drei Tage bleiben wir auf der Hinfahrt, auf dem Weg zurück zur Küste noch einmal drei Tage, und jeden Tag ist das Boot voller Kids. Ihnen ist kein Aufwand zu groß, um uns zu besuchen, und so kommt der Kleinste von allen allein im größten Kanu angepaddelt, das er gegen die Strömung kaum vorwärtsbewegen kann. Sein Paddel ist lediglich ein Palmstängel, andere Kinder nutzen ihre Flipflops oder die Hände zum Paddeln.

Richtige Paddel sind wie so viele andere Dinge Mangelware hier, und vieles, was wir entbehren können, schenken wir her. Einige Taschenmesser, Stifte, Bücher und Fußbälle haben in den letzten Wochen die Besitzer gewechselt. Zu kaufen gibt es hier neben Grundprodukten kaum etwas. Wir haben zwar noch ein paar letzte Restbestände an Leckereien an Bord, aber man passt sich ganz automatisch den lokalen Gewohnheiten an. Wir leben relativ einfach und essen das, was die Einheimischen auch essen, in erster Linie Reis mit Fisch. Lediglich für unsere kleinen Besucher machen wir Ausnahmen und backen Kuchen, der zunächst skeptisch beäugt, dann aber mit großem Appetit verschlungen wird.

Affen und Nilpferde

Nach den wunderschönen, aber auch anstrengenden Besuchen in den Dörfern entlang des Flusses steht uns meist der Sinn nach Abgeschiedenheit und Natur, die man hier in Hülle und Fülle findet. Gambia ist neben seinen langen goldenen Stränden auch für seine Flora und Fauna entlang des Flusses bekannt. Wir erhalten einen richtigen Eindruck von undurchdringbarem Dschungel, ohne Machete gibt es kein Durchkommen.

Je weiter wir den Fluss ins Landesinnere befahren, desto weniger Mangroven sehen wir an den Ufern, dafür alle möglichen Arten von Palmen und mächtige Bäume, Mango, Kapok, Baobab, Cashew und viele mehr. Es ist ein Galeriewald, wie er sich oft entlang großer tropischer Flüsse findet. Immer wieder machen wir Affen in den Bäumen aus und unzählige verschiedene Arten von Vögeln in allen Größen und Farben, von kleinen türkisenen Eisvögeln bis hin zu mächtigen Adlern, Geiern, Reihern und Pelikanen.

Begegnung mit einem Flusspferd 
Foto: M. Finkbeiner

Wer sich mit dem Gambia River befasst, wird immer wieder über den Namen Baboon Islands stolpern. Die Inselgruppe im Fluss ist ein Nationalpark, der nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Auf den Inseln werden Schimpansen ausgewildert, die illegal in Gefangenschaft geraten waren. Schimpansen sind vor etwa hundert Jahren in Gambia ausgestorben, und hier wird seit den 1970er-Jahren erfolgreich versucht, die Tiere wieder anzusiedeln. Den Namen Baboon Islands haben die Inseln allerdings von den Pavianen, die hier sehr zahlreich leben.

Das Highlight für uns sind aber ganz andere Tiere, die wir hier zum ersten Mal zu Gesicht bekommen: Flusspferde. Etwa hundert Meter von der "Aracanga" entfernt drehen sie gemächlich ihre Runden, tauchen für ein paar Minuten ab und dann prustend wieder auf, dabei geben sie beeindruckende, bellend-brüllende Laute von sich.

Aus sicherer Entfernung sind sie schön anzusehen, aber man sollte ihnen nicht zu nahe kommen. Sie gelten als die gefährlichsten Tiere am Fluss. Selbst die Kinder aus dem Dorf warnen uns, nicht zu nahe hin zu paddeln: "They will kill you!" Gebannt sitzen wir mit unseren Ferngläsern an Deck und beobachten die Ungetüme, die schwerer als unser Boot werden können.

The Cable

Der Fluss wird, je weiter wir landeinwärts fahren, zusehends schmaler und auch flacher, immer wieder zeigt das Echolot nur noch gute drei Meter Wassertiefe an. Und je weiter wir nach Osten fahren, desto ungewöhnlicher ist der Anblick eines Segelbootes. Bei Janjanboureg führt eine Stromleitung über den Fluss, die das ganze Land als "The Cable" kennt und für die meisten der wenigen Segelboote, die den Fluss befahren, den Wendepunkt markiert. Die Stromleitung versorgt die Insel MacCarthy (gesprochen: Makati) und die darauf befindliche frühere Hauptstadt Gambias Janjanboureg mit Elektrizität. Große Ortschaften und Städte sind an das Stromnetz angebunden, ein Großteil der Dörfer und kleineren Ortschaften haben allerdings keinen Strom.

Für uns ist die Stromleitung über den Fluss häufiges Gesprächsthema, denn niemand kann uns sagen, ob unser Boot drunter durchpasst. Die "Aracanga" ist etwas über elf Meter hoch, und wenn wir die Leute fragen, lautet die Antwort meistens: "Yes, yes, no problem. But maybe you wait for low tide." Der Tidenunterschied beträgt hier einen knappen Meter. Am Ende bleibt uns nur eines übrig: ausprobieren. Wir liegen eine Nacht vor Anker bei MacCarthy, verlängern unser Visum, füllen die Wassertanks auf und wagen dann den Versuch.

Die Stromleitung hat an beiden Ufern hohe Masten und hängt über der Flussmitte weit durch. Wir fahren nahe am Nordufer voraus, die Freunde von der "Streuner" folgen uns mit einigem Abstand. So können sie uns aus der Entfernung sagen, ob sie die Stromleitung über unserem Masttopp sehen oder ob wir abdrehen müssen. Vom eigenen Boot aus ist es unmöglich, die Höhe abzuschätzen.

Wir sind entsprechend aufgeregt. Per Funk kommt aber bald die Ansage: "Kein Problem, ihr habt mindestens drei Meter Luft nach oben." Kurz darauf sind wir durch, und ein neues Abenteuer beginnt. Von nun an ist das Kartenmaterial deutlich ungenauer, oft fehlen für mehrere Seemeilen die Tiefenangaben, und Felsen und Untiefen sind in verschiedenen Karten an unterschiedlichen Stellen eingezeichnet. Die Fahrt führt uns entlang einer karger werdenden Landschaft und den typisch afrikanischen roten Felsen.

Hier oben im Fluss ist das Wasser deutlich klarer, es gibt Wasserschildkröten und die seltenen Seekühe, von denen wir eine zu Gesicht bekommen. Auch können wir immer wieder bis zu dreieinhalb Meter große Krokodile vom Boot aus beobachten. Nachts kann man die Tiere sehen, wenn man mit einer starken Taschenlampe das Ufer ableuchtet, die Augen der Krokodile reflektieren gelb oder rot zurück, und bei einem abendlichen Angelausflug mit dem Beiboot schwimmt ein großes Krokodil seelenruhig etwa zehn Meter neben unserem Dingi her.

Menschen werden normalerweise nicht von den Tieren angegriffen, und vor dem Beiboot mit Außenborder haben sie Angst. Trotzdem sind wir auch bei den extremen Temperaturen von 45 Grad und mehr sehr vorsichtig, ins Wasser zu gehen.

Neben den vielen, spannenden und schönen Begegnungen mit Tieren gibt es allerdings auch wahre Plagegeister: die Tsetsefliegen und andere Moskitos. Sie sind glücklicherweise tagaktiv. Nachts haben wir unsere Ruhe, trotzdem sind wir froh über unsere Mückengitter über Niedergang, Luke und Koje.

400 Kilometer im Landesinneren

Wir werfen Anker vor Diabugo Tenda, einer kleinen Ortschaft über 400 Kilometer im Landesinneren. Das Dorf besteht aus nur zwei Großfamilien, von denen allerdings der Großteil einer Familie nach Banjul umgesiedelt ist. Unser Gastgeber Lamin führt uns herum, und im Dorf begegnen wir einem alten Mann, den er uns als seinen Vater vorstellt. Wir unterhalten uns kurz mit dem Mann, und etwas später stoßen wir auf eine Gruppe Männer, die im Schatten eines Mangobaumes sitzt. Einer der Männer steht gleich auf, begrüßt mich und stellt sich ebenfalls als der Vater von Lamin vor.

Vater, Bruder, Schwester, Onkel oder Tante – solche Bezeichnungen werden hier nicht so eng ausgelegt. Familie bedeutet nicht Mama, Papa, Kind, sondern meint eine Großfamilie von mehreren Generationen. Der Einfachheit halber werden alle Gleichaltrigen als "brother" oder "sister" bezeichnet. Zu Lamins Großfamilie zählen etwa 20 Erwachsene und mindestens 30 Kinder.

Die "Aracanga" auf dem Gambia – Impressionen
Foto: M. Finkbeiner

Sie betreibt die örtliche Fährverbindung über den Fluss und eine kleine Gold- und Silberschmiede. Diese besteht aus einer Feuerstelle mit einem in den Lehmboden "betonierten" Blasebalg, zwei Ambossen, zwei Hämmern und sehr wenigen, alten Zangen. Hergestellt wird in erster Linie der traditionelle Schmuck der "Fula", einer Kulturgruppe, die wir am Fluss häufig antreffen. Mit dem Blasebalg, der von einer alten Fahrradfelge und einem Keilriemen aus zusammengeknoteten Gummiresten betrieben wird, gibt es allerdings ein Problem: Die Achse springt dauernd aus ihrer Führung, und für eine Reparatur fehlen die einfachsten Werkzeuge, die wir glücklicherweise an Bord haben. Eine halbe Stunde später läuft der Blasebalg wieder rund, so können wir uns für die große Hilfsbereitschaft zumindest ein wenig bedanken.

Die Gastfreundschaft geht so weit, dass es uns schon fast unangenehm ist. Wir bekommen sogar morgens frisches Tabalabba, das einheimische Brot, sowie Orangen und Eier ans Boot geliefert.

Für die Kinder und Jugendlichen sind wir "Toubab" auch hier die große Attraktion. Den ganzen Tag über sitzen kleine Gruppen Halbwüchsiger am Ufer und beobachten uns. Es ist ein bisschen wie im Zoo, nur andersherum. Stühle und Sitzgelegenheiten werden am Fluss zurechtgerückt, und sobald sich einer von uns bewegt, gibt es große Aufregung auf den Rängen, und weitere Zuschauer kommen herbeigeeilt.

An Land werden wir, wie in den anderen Dörfern auch, von den Kindern in Beschlag genommen, die allerdings hier etwas zurückhaltender sind, da einige von ihnen vermutlich noch nie einen "Toubab" gesehen haben. Wir verbringen eine wundervolle Zeit in dem kleinen Dorf, entsprechend schwer fällt uns der Abschied, zu dem fast das ganze Dorf winkend am Ufer steht.

Es ist extrem heiß, jeden Tag gut über 45 Grad, und die Fischernetze und -reusen der Einheimischen bilden mitunter ein Labyrinth, das die Navigation oft sehr schwierig gestaltet. Teilweise sind Netze über den mittlerweile relativ schmalen Fluss gespannt, und wir können nie sagen, wie tief sie unter der Oberfläche treiben. Mit unserem Tiefgang von 1,7 Metern wird es zudem immer schwieriger, den Fluss zu befahren. Wir wissen zwar ungefähr, wo es Felsen und Untiefen gibt, allerdings werden die schmalen Durchfahrten oft durch Fischernetze erschwert. Diabugo Tenda ist daher der Wendepunkt unserer Flussreise.

Kurs Küste

Flussabwärts sind wir deutlich schneller unterwegs; zusätzlich zum Tidestrom schiebt uns die Strömung des Flusses kräftig gen Westen. Vorbei an Horden von Pavianen, die am Ufer in den Mangobäumen sitzen und die reifenden Früchte klauen, fahren wir entlang unseren alten Tracks und sind somit vor Felsen und Untiefen sicher. An einem uns wegen seiner Flusspferde gut in Erinnerung gebliebenen Flussabschnitt werfen wir Anker und hoffen, die Tiere auch dieses Mal auf der ausladenden Sandbank am Nordufer beobachten zu können.

Gegen fünf Uhr morgens wachen wir auf, da wir Stimmen nah am Boot hören. Zwei Fischer in ihren Einbaumkanus diskutieren leise, während sie ihre Netze einholen. Nach ein paar Minuten stellen wir mit Schrecken fest, dass sich unser Boot in ihren Netzen verfangen hat. Gemeinsam mit den beiden Männern versuchen wir vom Dingi aus, das Boot zu befreien und die Netze unbeschadet zu bergen, aber das Gewühl an Leinen und Maschen ist so dicht, dass wir die "Aracanga" nur noch mithilfe von Messern freischneiden können. Mindestens eines der drei Netze muss dran glauben.

Wir passen beim Ankern immer gut auf, dass sich keine Fischernetze in der Nähe befinden. Jetzt um fünf Uhr in der Früh erfahren wir, dass manche Netze mit der Strömung treiben und sich teilweise frei im Fluss bewegen. Normalerweise werden sie immer von einem oder zwei Kanus begleitet, damit sie sich nirgends verhängen, aber die Fischer sind im Laufe der Nacht eingeschlafen und haben die Netze aus den Augen verloren.

Trotzdem bieten wir den beiden Pechvögeln an, für den entstandenen Schaden aufzukommen und zahlen ihnen das beschädigte Netz. Zusätzlich geben wir beiden je ein Taschenmesser und bekommen von ihnen zwei Fische geschenkt. Nachdem die Netze geborgen und die "Aracanga" befreit ist, trinken wir noch einen gemeinsamen Kaffee im Morgengrauen, dann lichten wir den Anker und fahren weiter.

Ein Brunnen für die Schule

Für den nächsten Tag ist volles Programm angesagt. Wir ankern vor dem Dorf Bombale, wo wir schon ein paar Wochen zuvor waren und dessen Schule wir beim Brunnenbau unterstützen möchten. An Land werden wir wieder von vielen Kindern begrüßt, die sich alle noch an unsere Namen erinnern und uns zur Schule begleiten. Dort treffen wir Momodou, den Direktor, und teilen ihm mit, dass wir etwa 1000 Euro an Spendengeldern für seinen Brunnen gesammelt haben. Viel Geld, aber leider noch nicht genug.

Nach langen Verhandlungen mit dem Brunnenbauer und ein paar Zugeständnissen beiderseits kommen wir auf einen Preis von knapp 2000 Euro, was weniger als die Hälfte des ursprünglichen Angebots ist. Dafür wird der defekte, handbetriebene Brunnen aufwendig gereinigt, saniert und mit einer elektrischen Pumpe, einem 2000 Liter fassenden Vorratstank auf einem Sockel, Filtern sowie allen nötigen Kabeln, Rohren, Schläuchen und zwei Zapfstellen ausgestattet.

Somit wird das Wasser aus dem Brunnen trinkbar sein und muss für die über 200 Schüler nicht mehr mühsam aus dem Dorf geholt werden. Außerdem kann die Schule einen Gemüsegarten anlegen und somit für gesundes Essen sorgen.

  Friederike FinkbeinerFoto: M. Finkbeiner
Friederike Finkbeiner

Seit wir in Gambia unterwegs sind werden wir immer wieder nach Unterstützung gefragt und sehen viele gut gemeinte Projekte, die leider nicht gepflegt werden und mit der Zeit verfallen. Der Direktor der Schule in Bobmale ist ein kluger und weitsichtiger Mensch, der bei uns einen guten und vernünftigen Eindruck hinterlassen hat. Er zeigt uns Bilder der Schule aus den letzten Jahren: Hier hat sich viel getan. Sein Ziel ist, die Schule zu einem Ort zu machen, den die Kinder gern besuchen, und wir sind überzeugt, dass das Geld hier sinnvoll und langfristig gut angelegt ist. Wer Interesse hat, den Brunnenbau und die Kinder von Bombale zu unterstützen, der kann das gern über unsere Kaffeekasse mit dem Betreff "Bombale" machen.

Zusätzlich zur Unterstützung beim Brunnenbau schenken wir der Schule einen Fußball. Es gibt einen Bolzplatz, aber eben keinen Ball. Mit großem Tamtam wird der Ball den Schülern präsentiert, und der Sportlehrer beginnt gleich voller Eifer mit dem Training. Jetzt kann er mit den Schülern endlich zum ersten Mal bei der Bezirksmeisterschaft der Schulen teilnehmen.

Zurück ans Meer

Von Bombale aus fahren wir in den uns schon bekannten Jurong Creek. Diesmal jedoch motoren wir deutlich weiter den Creek hinein und finden einen ruhigen Ankerplatz ein paar Meilen im Inneren des Seitenarms. Wir packen die Hängematte ins Dingi und spannen diese zwischen den Mangroven auf, wo es im Schatten angenehm "kühl", sprich unter 40 Grad, ist.

Vom Juron Creek geht es via Tendeba weiter flussabwärts Richtung Banjul. Eine Nacht ankern wir am Ufer und werden Zeuge, wie ein Krokodil einen Pelikan reißt. Lautes Geschrei und Geplatsche lässt uns aus dem Schlaf hochschrecken, und mit dem Suchscheinwerfer können wir die Szene, die sich etwa 30 Meter neben der "Aracanga" abspielt, gut beobachten.

Am nächsten Tag soll es früh weitergehen. Um sieben Uhr starten wir die Maschine. Bei der routinemäßigen Kontrolle des Kühlwassers stellen wir fest, dass der Motor keine Kühlung erhält und starten die Fehlersuche. Der Filter ist sauber, der Impeller sieht top aus. Also pusten wir einmal alle Schläuche durch, bauen alles wieder zusammen und versuchen es noch einmal. Wieder kein Kühlwasser.

  Martin FinkbeinerFoto: M. Finkbeiner
Martin Finkbeiner

Etwas ratlos bauen wir die Kühlwasserpumpe wieder aus – wir müssen blöderweise die ganze Pumpe ausbauen, um den Impeller zu wechseln, da diese recht eng zwischen Motor und Getriebe sitzt –, inspizieren alles noch einmal und stellen fest, dass die Madenschraube, die den Impeller hält, abgeschoren ist. Wir bauen gleich einen neuen Impeller ein, und zwei Stunden später als geplant sind wir wieder unterwegs mit dem Ziel James Island, dem letzten Stopp vor Banjul. Dort bekommen wir wieder einen ersten Eindruck vom Atlantik, den wir knapp zwei Monate lang nicht gesehen haben. Es riecht nach Meer, und ein leichter Schwell lässt unsere "Aracanga" sanft schaukeln. Wie schön!

Weitere Infos, Bilder und Artikel zur Reise der „Aracanga“ unter Ahoi.blog.

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