Christian Tiedt
· 29.06.2026
Es gibt viele Orte entlang der Ozeane, die sich nicht sonderlich anbieten zum Bau eines Leuchtturms. Und dann es gibt jene, die so abgeschieden und unzugänglich sind, dass man bei ihnen noch nicht einmal auf die Idee käme. Selbst auf den zweiten und dritten Blick nicht. Die drei Felsnadeln von Þrídrangar - oder Thridrangar - im wilden Nordatlantik vor der Südküste Islands gehörten lange dazu.
Doch für die Erbauer von Seezeichen waren das Unmögliche und scheinbar Unerreichbare schon immer Ansporn, kein Ausschlusskriterium. Von technischen Hilfsmitteln, die heute zur Verfügung stehen, konnten sie dabei nur träumen. In mancher Hinsicht ähneln sie dabei Bergsteigern, auch praktisch – beim Bau des Leuchtturms Þrídrangaviti war Höhenangst jedenfalls keine Option.
Nahezu lotrecht erheben sich die Thrindangar aus dem Meer, rund sieben Seemeilen südlich der isländischen Küste. Knapp sechs Seemeilen westlich liegen die Vestmannaeyjar-Inseln. Dort rekrutierte der Ingenieur Árni Þórarinsson 1938 auch die Männer zum Bau seines Leuchtturms auf dem mit 36 Meter höchsten Felsen des Trios.
Hier finden Sie noch mehr besondere Leuchttürme.
Ihre Technik zum Felsklettern hatten die “Westmänner” über Generationen hinweg beim Sammeln von Vogeleiern in den Steilklippen ihrer Heimatinseln perfektioniert. Über Monate hinweg schlugen sie eine von Hand eine gewundene Route in den Fels, häufig in aufbrandender Gischt. Dieser Weg ermöglichte es schließlich, die nötigen Baumaterialien nach oben zu befördern. Ein Jahr später konnte der samt Laterne kaum vier Meter hohe Leuchtturm fertiggestellt werden - wobei seine geringe Größe in keinem Verhältnis zur Leistung seiner Erbauer stand und steht.
Noch heute gilt Þrídrangaviti als der vielleicht schwerstzugängliche Leuchtturm der Welt. Auch wenn der Gipfelsturm nicht mehr die einzige Möglichkeit ist, zu ihm zu gelangen: Seit den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts gibt es eine Landeplattform für Hubschrauber - ein Transportmittel, das beim Bau noch nicht zur Verfügung gestanden hatte. Automatisiert hatte man das Feuer mit der ungewöhnlichen Kennung des Morsebuchstabens N – eine lange und eine kurze Lichterscheinung - zweimal in der Minute, schon zuvor.
Doch selbst mit dem Hubschraubern sind der Anflug und das Absetzen von Personen nur bei perfekten Wetter möglich. Noch immer bestimmt die Natur, wann der Felsen zugänglich ist. Techniker der Küstenwache sind die einzigen Besucher - mit sehr wenigen Ausnahmen: 2020, im ersten schweren Jahr der Corona-Pandemie, wurde die isländische Rockband Kaleo eingeflogen - für ein Live-Konzert auf Þrídrangaviti: Sie spielten ihren Song Break My Baby. Isolation als Gegenmittel zur Isolation.
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Ressortleiter Reise
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