Der Tag ist grau. Durch den Winddreher gibt es eine kurze, steile See. Das Schiff muss arbeiten, fliegende Gischt hält das Vorschiff bis zum Großmast nass. Der begehrteste Platz in der ersten Tageshälfte: die Sitzbank entlang des Salons in Luv, wie auf der Kante.
Alle Mahlzeiten finden aber nach Plan statt, eine akrobatische Höchstleistung des Serviceteams. Weit achtern kämpft sich taumelnd eine Katamaranfähre durch, da will man nicht an Bord sein. Um 22 Uhr fällt der Anker auf der Reede von Sal Rei im Westen Boa Vistas, zur Sicherheit etwas weiter draußen. Der Chief Mate schließt das Logbuch.
Boa Vista – Schöne Aussicht – macht ihrem Namen erst mal keine Ehre. Dunstiger könnte es kaum sein: Die Boma Seca bringt den Sand der Sahara und überzieht alles mit einem blassen Schleier. Der Wind hat Boa Vista zur Wüsteninsel gemacht. Zwei Dutzend Yachten ankern in der Bucht von Sal Rei, dem Hauptort, darunter viele Katamarane, viele Franzosen.
Wir liegen weiter draußen, eine knappe Seemeile vor dem Ort. An der Pier zwischen den ankernden Fischerbooten landen die Dingis an. Oben ein Café, eine Souvenirbude mit Tüchern, Trikots und getöpferten Schildkröten. Wie sehr Boa Vista Wüsteninsel ist, sehen wir beim Landausflug, diesmal mit Pick-ups, unverwüstlichen Toyotas.
Auf der Ladefläche geht es quer durch Sal Rei. Palmen, flache, quaderförmige Häuser, deutlich afrikanischer als Mindelo. Bars und Supermärkte, Straßen im Rastermuster. Diesel gibt es für einen Euro bei Shell, allerdings bei einem Jahreseinkommen von 5.000 Dollar. Es wird trotzdem viel gebaut: „Invest in Boa Vista! New Project coming soon!“ Der einzige Fünf-Sterne-Bus im Ort ist von TUI, auch die beiden größten Hotels und beide Ferienflieger auf dem Flugfeld.
Was geht noch? Kaffee von der Insel Fogo werde auf Boa Vista geröstet und der Zement für die Hotelneubauten werde hier hergestellt, erzählt unser lokaler Guide und setzt die Skibrille auf – denn jetzt geht es in die Viana. Angeblich ist die Wüste die kleinste der Welt, neun Quadratkilometer groß. Entstanden, nachdem im 19. Jahrhundert die Tamarindenbüsche im Inselinneren für die Feuer der Ziegeleien geopfert wurden. Der Sand kam aus Afrika herüber und blieb liegen. Der Ausblick: eindrucksvoll.
Wir fahren über Land in die Berge nach Povoação Velha, einem Fischerdorf, gut versteckt im Landesinneren, wegen der vorbeisegelnden Piraten früher. Von der kleinen Kirche mit dem Sarg zum Ausleihen schlendern wir ins Dorf. „Hello, welcome! Where are you from?“, begrüßen uns die Männer. „No stress!“ Die einzige Frau schmeißt die Bar Zazi, die einzige am Platz. Flaschen kommen auf den Tisch. Es gibt Cola und Strela, das Bier von Cabo Verde.
Zurück in Richtung Küste, nach neuem Teer und Kopfsteinpflaster, Piste und Wüstensand, haben die Toyotas jetzt Dünen unter den Reifen. Die Praia da Varandinha soll einer der schönsten Strände überhaupt sein. Imposant ist er. Türkises Meer, anrollende Brandung und feiner weißer Strand, so weit das Auge reicht.
Zum Abschluss steuern wir die Beachbar Pérola d’Chaves an. Wehende Vorhänge und Palmen, Bikinis und Badeshorts in den Liegestühlen, gestreichelt von Loungemusik, so sanft wie der Wind. „No stress!“, da war es wieder, das beinahe offizielle Motto der Kapverden. Wir werden es in den nächsten Tagen noch öfter hören.

Ressortleiter Reise
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.