Warnung vor invasiven ArtenKugelfisch und Feuerfisch im Mittelmeer

Warnung vor invasiven Arten: Kugelfisch und Feuerfisch im MittelmeerFoto: T-Boeck
Extrem giftig und öfter auch am Haken von Segel-Crews: der Kugelfisch
Der hochgiftige Kugelfisch breitet sich im Mittelmeer immer weiter aus. Über den Suezkanal aus dem Roten Meer eingewandert, ist er längst nicht mehr die einzige invasive Art, die Sorgen macht: Auch der Feuerfisch mit seinen giftigen Stacheln ist in großen Teilen des Mittelmeers auf dem Vormarsch. Worauf Wassersportler und Angler jetzt achten sollten.

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Bereits vor einem Jahr berichteten wir, dass sich der Hasenkopf-Kugelfisch nun auch in der Adria ausbreitet, nachdem er zuvor in der Türkei und Griechenland zur Plage geworden war, wo er im Jahr 2003 zuerst gesichtet wurde. Lange hieß es, die Adria sei im Winter zu kalt für die Spezies. Aktuelle Nachweise zeigen jedoch, dass die Art inzwischen auch die nördliche Adria erreicht hat. Auch vor den Küsten Italiens und Spaniens wurde der Fisch bereits entdeckt.

Neben dem Kugelfisch breitet sich der Feuerfisch massiv im Mittelmeer aus. Dabei handelt es sich vor allem um den Rot- beziehungsweise Teufelsfeuerfisch (Pterois miles). Der erste Nachweis im Mittelmeer stammt laut IUCN aus dem Jahr 1991 aus der Haifa-Bucht in Israel, seit 2012 häufen sich die Funde vor dem Libanon, Zypern, Türkei und Griechenland. Inzwischen häufen sich auch Berichte aus Sizilien und Tunesien.

​Invasive Arten auf dem Vormarsch

Der Hasenkopf-Kugelfisch wird bis zu 70 Zentimeter groß und mehrere Kilogramm schwer. Über den Suezkanal aus dem Roten Meer beziehungsweise dem Indo-Pazifik ins Mittelmeer eingewandert, hat er dort kaum natürliche Feinde. Das führt zu einer ungehemmten Vermehrung. Das Problem für die Fischer dabei: Das Tier frisst gern ihren Fang direkt aus den Netzen heraus, und da es vier riesige, sehr kräftige Zähne hat, durchbeißt es sogar die Maschen. Das bestätigten auch griechische Fischer der YACHT bei einem Törn im Dodekanes. Die Fische würden sich schnell verbreiten und seien mittlerweile auch in küstennahem, flachem Gewässer anzutreffen. Die Exemplare, die sie fangen, würden immer größer. Hängt ein solcher Fang dann in den Netzen, werfen die Fischer ihn entweder tot ins Meer zurück oder einfach an Land. Erstaunlicherweise beobachten sie, dass weder Katzen noch Möwen noch Krebse an die Kadaver gehen: Zwei ansehnliche Exemplare von etwa 30 bis 40 Zentimetern lagen stundenlang unangetastet auf der Pier. Bei ungiftigen Fischen lassen die Katzen rund um die Fischerboote dagegen meist nicht lange auf sich warten, denn die Fischer werfen ihnen regelmäßig Fangreste zu.

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Auch der Feuerfisch gilt als besonders invasiv. Er toleriert unterschiedliche Temperaturen, Salzgehalte und Tiefen. Zudem wurde er im Mittelmeer in Wassertiefen von 0 bis 80 Metern nachgewiesen und besiedelt dort verschiedenste Lebensräume, darunter Felsgründe, Wracks, Seegraswiesen und künstliche Strukturen. Weibchen können mehrfach pro Jahr laichen; ihre Eimassen treiben lange im Meer. Die Mischung aus Anpassungsfähigkeit, rascher Fortpflanzung und großer ökologischer Bandbreite macht die Art so erfolgreich. Für heimische Arten ist das problematisch, weil Feuerfische räuberische Jäger sind: Jungtiere fressen vor allem Wirbellose, größere Exemplare zunehmend Fische. So kann die der Feuerfisch den Nachwuchs heimischer Fischarten unter Druck setzen und mit einheimischen Räubern konkurrieren.

Was Kugel- und Feuerfisch gefährlich macht

Das Tückische am Kugelfisch für den Menschen ist, dass er die Kugelform an der Luft nicht annehmen kann, so identifizieren ihn nur wenige Laien, die etwa während des Segelns vom Boot aus angeln. In Griechenland warnen in vielen Hafenämtern mittlerweile Info-Poster vor dem Tier, meist vor dem sogenannten Hasenkopf-Kugelfisch. Das Tier produziert ein hochgiftiges Neurotoxin, das auch durch die Erwärmung beim Kochen oder Braten nicht zerfällt und zu Atemstillstand führen kann. Für Menschen ist der Fisch vor allem beim Verzehr gefährlich. Zudem kann er mit seinen kräftigen Kiefern und Zähnen schwere Verletzungen verursachen. Crews, die von Bord aus angeln, sollten deshalb vorsichtig sein und Fische im Zweifel nicht mit bloßen Händen vom Haken nehmen.

Anders als der Kugelfisch ist der Feuerfisch nicht wegen seines Fleisches gefährlich, sondern wegen seiner giftigen Stacheln. Pterois miles besitzt 18 giftige Stacheln. Ein Stich ist in der Regel nicht tödlich, kann aber sehr schmerzhaft sein und Taubheitsgefühle, Schwellungen sowie vorübergehende Lähmungserscheinungen auslösen. Wer beim Tauchen, Schnorcheln, Angeln oder Hantieren mit Fanggeräten mit einem Feuerfisch in Kontakt kommt, sollte deshalb ebenfalls äußerst vorsichtig sein. Als Erste Hilfe gilt: die betroffene Stelle in heißes Wasser halten und anschließend ärztliche Hilfe suchen.

Der Feuerfisch breitet sich massiv im Mittelmeer aus.Foto: iStock / VSpillerDer Feuerfisch breitet sich massiv im Mittelmeer aus.

Zwei Fische, die man erkennen sollte

Relativ leicht zu erkennen ist der Kugelfisch an der Schnauze: Sie ist fast kastig, und er hat vier massive Schneidezähne. Dazu sind an der Unterseite seltsam große, schlaffe Hautfalten, die letztlich im Wasser dazu dienen, mit selbigem gefüllt die Kugel zu erzeugen, die Feinde entweder abwehren oder verhindern soll, dass er geschluckt wird. Fressfeinde sind aber nur große Kraken und einige Haiarten.

Der Feuerfisch ist durch seine braun-weiße, zebraartige Zeichnung und die langen, fächerartig abgespreizten Flossen meist gut zu erkennen. Auffällig sind auch seine langen Rückenstacheln. So spektakulär der Fisch aussieht: Taucher und Schnorchler sollten Abstand halten und ihn keinesfalls berühren.

Kugelfisch Aushang auf der Insel ParosKugelfisch Aushang auf der Insel Paros

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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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