TürkeiLandleinen nicht mehr an Bäume

Andreas Fritsch

 · 24.09.2008

Türkei: Landleinen nicht mehr an BäumeFoto: A. Fritsch

Die Türkei verbietet das bislang übliche Festmachen in Buchten

Für Chartersegler in der Türkei war es bislang fast ein Automatismus: Vor dem Ankern rudert ein Crewmitglied mit dem Dingi an Land, bindet einen Palstek um die nächste Kiefer, schon lag die Yacht sicher ohne Schwoikreis, was im Revier an der türkischen Küste oft die beste Lösung ist.

Denn nicht selten sind in den wunderschönen Buchten Wassertiefen von 20, 30 Meter zu verzeichnen, da das bergige Ufer direkt steil unter Wasser abfällt. Freies Ankern ist oft nahezu aussichtslos. So wird der Anker erst dicht unter Land geworfen und gegen das ansteigende Ufer in den Grund gezogen. Die Landleine fixiert das Boot dann so, dass das Eisen nicht ausbricht, weil die Yacht schwoit.

Doch nun müssen Segler die Landleine an Felsen befestigen: Schon seit diesem Sommer hat die türkische Regierung das Festmachen der Landleinen an Bäumen am Ufer verboten. Grund dafür war eine Untersuchung, die ergeben hatte, dass die Stämme stark unter den scheuernden Leinen leiden und sie daher abzusterben drohen. Das Verbot wird nach ersten Meldungen aus dem Revier stichprobenartig kontrolliert, Strafen sind bislang aber nicht verhängt worden.

Es dürfte allerdings nicht immer leicht sein, in allen Buchten einen geeigneten Stein oder Felsvorsprung zu finden, zumal scharfe Felskanten nicht unbedingt ideal zum Befestigen von Leinen sind. Vielleicht setzt in der Türkei dann dieselbe Entwicklung ein, die es in Skandinavien seit einem halben Jahrhundert gibt: Lokale Segler haben dort an unzähligen Plätzen in den Schären Metallringe in Felsspalten gehämmert oder gar einbetoniert, sodass sich fast immer eine Alternative zum Festmachen am Baum findet.

Meistgelesene Artikel