IkametNeue Regeln für Eigner in der Türkei

Andreas Fritsch

 · 21.04.2015

Ikamet: Neue Regeln für Eigner in der TürkeiFoto: A. Fritsch/YACHT

Wer sein Schiff länger als 90 Tage nutzen will, braucht eine besondere Aufenthaltsgenehmigung. Die Vorschriften dafür wurden nun geändert

Das sogenannte Ikamet ist vor allem pensionierten Seglern, die viel Zeit auf ihrem Boot verbringen, seit Jahren ein Begriff. Es konnte von jedem beantragt werden und ermöglichte dem Eigner einen zeitlich nicht auf das normale Touristen-Visum begrenzten Aufenthalt im Land. Es galt für drei oder fünf Jahre.

Doch seit der Neufassung der türkischen Ausländergesetze 2014 ist viel Unsicherheit in die Thematik gekommen. Das Land am Bosporus erlebt einen starken Andrang von Flüchtlingen, von denen auch viele als Schwarzarbeiter auf dem Arbeitsmarkt tätig sind. Oft wird nämlich von Außenstehenden verkannt, dass die Türkei seit ihrem beispiellosen Wirtschaftsboom der letzten zehn Jahre ebenfalls zu einem begehrten Ziel für Menschen aus Armuts- und Krisenregionen geworden ist.

Die aus diesem Grund verschärften Gesetze treffen damit nun auch Eigner, die vor Ort eine Yacht besitzen. Erstes Problem war unlängst die Einführung der sogenannten 120-Tage-Regelung. Sie besagt, dass ein Ikamet verfällt, sobald der Inhaber des Papiers die Türkei länger als 120 Tage verlässt. Die YACHT hatte darüber berichtet (s. u.). Da viele Eigner im Winter genau das tun, drohte dies die Nutzung ihrer Yacht einzuschränken. Bislang ist allerdings noch kein einziger Fall bekannt geworden, dass einem Eigner dessen Ikamet aufgrund längerer Abwesenheit entzogen worden wäre. Es ist durchaus möglich, dass die Grenzbeamten bei der Einreise entscheiden dürfen, ob ein Verstoß vorliegt oder nicht – damit wäre auch eine großzügige Auslegung möglich.

Doch nun werden weitere Details für die Gewährung des Ikamets in der Praxis bekannt, wie die Bodrumer Agentur Bodrum Consulting nun erklärte, die Eignern bei der Ikamet-Beschaffung behilflich ist. Sie zeigen, dass einige neue bürokratische Hürden zu nehmen sind. Annette Hanisch berichtet über die letzte Entwicklung:

"Die Bestimmungen zum Erlangen eines Ikamets wurden erneut verschärft. Man braucht zwar keine finanziellen Mittel nachzuweisen, aber sonst so ziemlich alles genauso wie alle anderen Antragsteller, unter anderem:
– Einen Marinavertrag für das laufende Jahr.
– Eine notariell beglaubigte Übersetzung des Dokuments, das den Antragsteller als Eigner der Yacht ausweist.
– Das Original-Transitlog der Yacht samt Farbkopie.
– Krankenversicherung für die Dauer des angestrebten Aufenthalts, die stationäre und ambulante Behandlung in der Türkei einschließt."

Personen über 65 brauchen keine Versicherung nachzuweisen. Wer in Deutschland (Österreich, Schweiz) gesetzlich krankenversichert ist, kann sich mit dem entsprechenden Formular bei der lokalen SGK-Stelle melden und sich bestätigen lassen, dass im Rahmen des Sozialabkommens auch in der Türkei Versicherungsschutz besteht (für die Dauer, die auf dem Formular vermerkt ist). Das ist ohne Hilfe eines Türkisch Sprechenden kaum zu schaffen. Ausländische Privatversicherungen werden wohl nur akzeptiert, wenn sie auf dem türkischen Markt eine Repräsentanz haben.

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