Tiere an BordSegeln mit Hund: 10 Tipps für Törns mit Vierbeinern

Karolina Meyer-Schilf

, Felix Keßler

 · 30.05.2019

Tiere an Bord: Segeln mit Hund: 10 Tipps für Törns mit VierbeinernFoto: YACHT/N. Krauss

Segler und gleichzeitig Hundehalter, geht das? Sehr gut sogar, wenn man einige Vorkehrungen trifft. Mit diesen Vorschlägen gelingt der nächste Törn mit Fiffi

Besonders zur Urlaubszeit stellt sich vielen Seglern die gleiche Frage: Wohin mit dem Hund während des Sommertörns? Mitnehmen bedeutet Kompromisse machen. Gibt man ihn in eine Hundepension, fehlt ein wichtiges Familienmitglied – ausgerechnet im Urlaub. Immer mehr Segler entscheiden sich daher, mit Hund auf Törn zu gehen. Dabei ist die Infrastruktur über die Jahre immer besser geworden: Wassernäpfe, Kotbeutelspender und Haken zum Befestigen der Leine vor dem Sanitärgebäude gehören schon fast zum Standard. Auf den Stegen sind mitunter mehr Hunde als Kinder zu sehen.

Die vielen Vierbeiner rufen aber auch Kritiker auf den Plan: Liegeplatznachbarn fühlen sich möglicherweise gestört vom Bellen und fragen sich, was ein Hund überhaupt an Bord zu suchen hat. Denn vollwertige Mitsegler, die Gefahren frühzeitig einschätzen und Schoten dichtholen können, werden Hunde auch nach dem besten Training nicht. Begeisterte Segler können sie trotzdem werden, wenn sie Spaß an der Sache haben.

Hunde und Menschen haben im Bordalltag eine Menge gemein. Die Tiere sind genauso individuell wie Menschen, sie können seekrank werden, aber auch das Bordleben genießen. Insofern spricht überhaupt nichts dagegen, den Hund auf einen Urlaubstörn mitzunehmen. Eins muss nur klar sein: Man darf nicht unvorbereitet an die Sache herangehen. Man kann alles trainieren, und der Aufwand muss es einem dann auch wert sein! Ohne Vorbereitung wochenlang mit dem Hund an Bord zu gehen ist sonst einfach fahrlässig. Aber wenn die Vorbereitung stimmt und der Hund Spaß hat – dann ist alles gut! – Dr. Adelheid Prüfer, Fachtierärztin für Kleintiere

10 Tipps, wie das Bordleben mit Hund zur Freude wird:

1. Törnplanung
Im Allgemeinen wird man die Törnplanung an den Bedürfnissen des Hundes ausrichten. Viele Segler planen deshalb eher kürzere Schläge von einigen Stunden, damit das Tier genug Auslauf und die Gelegenheit hat, sich zu erleichtern. Wenn es aber daran gewöhnt ist, sein Geschäft auch an Bord zu erledigen (in einem Katzenklo oder auf einem Stück Kunstrasen zum Beispiel), dann sind auch längere Strecken am Stück möglich. Da Hunde sich zumeist in ihrem eigenen Revier nicht ohne weiteres erleichtern, muss das aber im Vorfeld ausgiebig geübt werden. Alles andere wäre Tierquälerei.

2. Sicherheit
Hunde sollten an Bord eine Schwimmweste tragen. Die gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen, Größen und Preisklassen. Fast alle haben einen Tragegriff am Rücken, mit dem sich das Tier einfach aus dem Wasser bergen lässt. Darf der Hund während des Segelns auch an Deck herumlaufen, empfiehlt sich ein Relingsnetz. Bei schwerem Wetter sollte er angeleint im Cockpit bleiben oder gar unter Deck. Dann aber besonders darauf achten, dass in der Kajüte alle Gegenstände gesichert sind, damit der Vierbeiner nicht von einem herumfliegenden Ausrüstungsteil getroffen wird.

  Unbedingt sinnvoll: eine markante Weste mit Griff, um den Hund aus dem Wasser zu bergenFoto: Holger Peterson
Unbedingt sinnvoll: eine markante Weste mit Griff, um den Hund aus dem Wasser zu bergen

3. Impfungen
In den meisten europäischen Ländern gilt: Der Hund muss mit einem Mikrochip versehen und geimpft sein. Das wird mit dem EU-Heimtier­ausweis belegt, der mitzuführen ist. Großbritan­nien verlangt zwar keine Quarantäne mehr, aber eine tierärztlich beglaubigte Wurmkur maximal fünf Tage vor der Einreise. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite www.petsontour.de

4. Reiseapotheke
Hunde-Medikamente gegen Durchfall und Er­brechen gehören ebenso hinein wie Mittel zur Desinfektion von Wunden und Verbandszeug. Dabei kommt es darauf an, wohin der Törn führt: Im südöstlichen Mittelmeer etwa ist der Infektionsdruck durch Parasiten größer als in Nordeuropa. Und: Immer mehr Hunde haben auch Allergien, zum Beispiel gegen Insektenstiche. Daher empfiehlt sich das Mitführen von Cortison.

5. Versicherung
Eine Tierhaftpflicht sollte ohnehin jeder Hunde­besitzer abschließen. Segler mit Hund sollten vor dem Törn individuell abklären, ob die Versicherung auch bei Schäden im Ausland haftet und was sonst zu beachten ist.

  Seekrank oder einfach nur hundemüde? Ob es Vierbeinern an Bord gefällt, muss über einen längeren Zeitraum getestet werdenFoto: Holger Peterson
Seekrank oder einfach nur hundemüde? Ob es Vierbeinern an Bord gefällt, muss über einen längeren Zeitraum getestet werden

6. Seekrankheit
Hunde können genauso seekrank werden wie Menschen. Beim Tierarzt gibt es entsprechende Medikamente, die man guten Gewissens verab­reichen kann. Oft lohnt es sich jedoch, einfach ein paar Tage abzuwarten: Wie beim Menschen setzt auch bei den Hunden nach einiger Zeit an Bord eine Gewöhnung ein. Zudem können auch die Tiere lernen, dass es hilfreich ist, den Blick auf den Horizont zu richten.

7. Ausrüstung
Auch wenn Hunde ein Fell haben, heißt das nicht, dass sie unempfindlich gegen Sonnenbrände sind. Und da eincremen nicht in Frage kommt, kann eine Kühl- oder Sonnenschutzweste aus dem Outdoor-Bedarf durchaus hilfreich sein. Eine Weste schützt außerdem vor Auskühlen, falls das Segeln mal etwas nasser wird und der Vierbeiner in Gischt und Wind an Deck sitzt.

8. An Bord kommen
Einen Hund an Bord zu wuchten ist nicht immer ganz einfach. Kleine Exemplare können am Griff der Rettungsweste über den Bugkorb gehoben werden, bei größeren geht das nicht. Hier kommen zusammenklappbare Holz- oder Kunststofframpen zum Einsatz, die während des Segelns platzsparend verstaut werden können. Anlegen sollte man dann besser mit dem Heck zum Steg oder gleich längsseits. Fürs Ankern ist ein Beiboot wichtig.

9. Leben an Bord
Hunde schlafen bis zu 18 Stunden am Tag. Daher ist es wichtig, dass sie auch an Bord eine ruhige Ecke für sich haben, in der sie nicht gestört werden und auch niemanden stören. Da sie ihre Körpertemperatur kaum durch Schwitzen regulieren können, muss immer frisches Wasser bereitstehen.

  Wachsamer Wau-Wau: Hier spielt der Hund den ersten OffizierFoto: Holger Peterson
Wachsamer Wau-Wau: Hier spielt der Hund den ersten Offizier

10. Leben im Hafen
Nicht alle Segler sind Hundefans. Für die Besitzer sollte es selbstverständlich sein, alle Hinterlassenschaften des Tieres umgehend zu entfernen. Auch ist es nicht unbedingt ratsam, mit einem Hund an Bord außen an einem Siebener-Päckchen an­zulegen. Davon abgesehen, hilft auf beiden Seiten ein wenig Toleranz: Nicht jedes "Wuff" ist böse gemeint.

Wer nun immer noch skeptisch ist, schaue sich dieses Video der Kat-Abenteuerseglerin Kathrin Szasz an. Sie ging 2010 mit einem Sportkatamaran, einem Nacra 5.0, auf Langfahrt – und nahm auf dem äußerst engen Raum sogar noch ihre Hündin Lotte mit (die YACHT berichtete ausführlich in Ausgabe 09/2011). Den beiden hat es offenbar prächtig gefallen.

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