Ratgeber

Saisonbeginn mit Hindernissen: Freie Fahrt? Nicht überall!

Ursula Meer

 · 12.04.2022

Saisonbeginn mit Hindernissen: Freie Fahrt? Nicht überall!Foto: YACHT/N. Krauss

Kaum geht es los, schon stockt es: Zu Ostern bremsen Brücken und Schleusen, Mindertiefen und Schießübungen manchen Törnplan aus. Eine Übersicht

Wer sich die Wochen harter Arbeit im Winterlager mit der Vorstellung vom ersten Törn an Ostern schöngedacht hat, steht jetzt womöglich vor ungeahnten Hindernissen. An Nord- und Ostsee läuft nicht alles reibungslos. Besonders betroffen ist die Schlei, in der Hunderte Yachten hinter Kappeln festsitzen. Doch auch andernorts wollen Schleusen gewartet und Tonnen verlegt werden.

Wartezeiten an Brücken und Schleusen

Die Brücke in Lindaunis, Dauerbrenner unter den Sperrungs-Meldungen, öffnet wegen Bauarbeiten nur sporadisch. Immerhin bleibt sie am Osterwochenende Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr dauerhaft für Boote geöffnet, sofern die Wetterlage dies zulässt. Zweck der Daueröffnung sollte sein, dass Winterlieger aus der inneren Schlei an ihren Sommerliegeplatz fahren können.

Nun kommen sie aber nicht weit, schon in Kappeln ist Schicht: Die dortige Schleibrücke kann mindestens bis zum 22. April nicht gehoben werden. Die Durchfahrt unter der nicht gehobenen Brücke bleibt zwar weiterhin möglich. Allerdings beträgt die lichte Höhe bei mittlerem Wasserstand nur 3,50 Meter, das dürfte für manche Yacht selbst mit gelegtem Mast knapp werden. So kommen Winterlieger nicht hinaus, Sommerlieger nicht hinein. Mit einem "Rückstau" auch in anderen Häfen muss gerechnet werden.

Einmal draußen, geht es nicht unbedingt reibungslos weiter. So bleibt die Klappbrücke Sonderborg in der Zeit vom 25. bis 29. April geschlossen. An ihr wurden Schäden festgestellt, die dringend behoben werden müssen und eine Öffnung zur besonders beliebten Reisezeit rund um Ostern nicht erlauben.

  Ein Bild aus besseren Tagen. Derzeit geht nichts an der Schleibrücke in KappelnFoto: YACHT/N. Krauss
Ein Bild aus besseren Tagen. Derzeit geht nichts an der Schleibrücke in Kappeln

Wer nach Greifswald möchte, muss an einigen Tagen mit einer längeren Mittagspause rechnen. Das Sturmflutsperrwerk an der Mündung des Flüsschens Ryck bleibt das ganze Jahr hindurch immer mal wieder in der Zeit von 11:15 Uhr bis zirka 12:45 Uhr dicht, so auch von Dienstag, dem 26., bis Donnerstag, dem 28. April. Die weiteren Sperrzeiten lesen Sie hier.

Mit immerhin nur einem Tag Pause kommt das Sperrwerk an der Krückau/Elbe aus: Es pausiert am Sonntag, dem 1. Mai, von voraussichtlich 4:45 Uhr bis 17:15 Uhr. Die Krückau soll an diesem Tag aufgestaut werden, damit die Fähre Kronsnest den Saisonbetrieb aufnehmen kann.

Im kleinen Sportboothafen nördlich der Schleuse in Kiel-Holtenau stehen mindestens bis zum 15. April nur wenige Liegeplätze für Sportboote zur Verfügung. Der westliche Teil des Anlegers ist ganz gesperrt, im östlichen gibt es einige wenige Liegeplätze – allerdings ohne Landzugang.

Die Sportbootschleuse zum Nord-Ostsee-Kanal in Holtenau ist weiterhin außer Betrieb. Sportboote teilen sich die große Schleusenkammer mit der Berufsschifffahrt. Die Wartezeiten vor den Schleusen zum und aus dem NOK können sowohl in Kiel als auch in Brunsbüttel variieren. Wie viel Betrieb gerade ist, lässt sich hier immer aktuell sehen. Die Zeiten gelten allerdings für die Berufsschifffahrt, für Sportboote kann es schneller gehen. Die Schleusenmeister geben genaue Auskunft. Sie sind auf UKW-Kanal 4 ("Kiel-Kanal") oder telefonisch zu erreichen, in Kiel unter der Rufnummer 0431/3603-152, in Brunsbüttel unter 04852/885-25.

Auch an der Nordsee wird geschraubt: Die Schleuse Hooksiel wird wegen Wartungsarbeiten bis mindestens Ende Juni nur eingeschränkt bedient. Die Schleusenzeiten richten sich nach den Gezeiten und ändern sich daher nahezu täglich. Wann die Schleuse zwischen Hooksmeer und Jade geöffnet wird, ist hier nachzulesen. Geschleust wird dann jeweils zur vollen Stunde. Auch bei hohem Verkehrsaufkommen soll sichergestellt sein, dass alle Schiffe geschleust werden.

  Dicht  an dicht geht es in der Schleuse Hooksiel in der Saison ohnehin zu. Bei eingeschränkten Schleusenzeiten darf jetzt erst recht kein Meter verschenkt werdenFoto: YACHT/N.Krauss
Dicht an dicht geht es in der Schleuse Hooksiel in der Saison ohnehin zu. Bei eingeschränkten Schleusenzeiten darf jetzt erst recht kein Meter verschenkt werden

Schießübungen auf der Ostsee

Noch bis Ende Juni finden in der Kieler Bucht großflächige Schießübungen statt. Der Übungsbereich erstreckt sich von der Eckernförder Bucht bis nördlich Schleimünde und über die Grenze nach Dänemark bis in die Marstalbucht. Der Bereich ist nicht als Schießgebiet in der Seekarte eingetragen, die BfS geben die Koordinaten aber hier bekannt. Ebenfalls bis Ende Juni finden Übungen in den Schießgebieten Arkona und Pommersche Bucht statt. Diese Schießgebiete sind in der Seekarte eingezeichnet. Alle Übungen finden bei Tag und bei Nacht statt, Absperrungen wird es nicht geben.

Obacht! Wer sich bei Dunkelheit einer Schießscheibe nähert, wird mit Leuchtkugeln mit weißen Sternen darauf aufmerksam gemacht, außerdem wird dann die Schießscheibe angeleuchtet. Die Schiffe, die an der Übung beteiligt sind, geben sich durch das Signal NE 4 nach dem Internationalen Signalbuch zu erkennen und führen ansonsten nur die nach KVR und SeeSchStrO vorgesehenen Lichter und Signalkörper.

Sperrgebiet im Fehmarnbelt

Im Fehmarnbelt wird seit letztem Sommer am Tunnel von Fehmarn nach Lolland gebaut. Dadurch kommt es aktuell und in den nächsten Jahren zu Einschränkungen. Dort werden beiderseits des Belts von der Wasseroberfläche aus Tunnelelemente zum Meeresboden heruntergelassen. Dazu werden jeweils Sperrgebiete eingerichtet, die im Verlauf des Tunnelbaus wandern. Alle Details zu dem Bauvorhaben gibt es hier.

Augen auf: Mindertiefen und Tonnenverlegungen

Die Orkane der letzten Monate haben insbesondere in den Tidenrevieren und den flachen Revieren an der Ostseeküste stellenweise die Wassertiefen verändert. An der Ostsee sind davon besonders die Boddengewässer, die Gewässer rund um Rügen und die Zufahrten nach Kirchdorf und Timmendorf auf Poel betroffen. Selbst in Warnemünde ist im westlichen Bereich die Zufahrt zum Alten Strom versandet. Der zulässige Tiefgang wurde hier bis auf Weiteres von 3,00 auf 2,50 Meter reduziert.

An der Nordsee wird es in der Föhrer Ley, dem Wattfahrwasser östlich der nordfriesischen Insel, nördlich der Tonne 10 flach, teilen die BfS mit und warnen ausdrücklich auch die Sportschifffahrt vor der Mindertiefe. Auch im Wattenmeer hinter den Ostfriesischen Inseln haben sich mancherorts die Wassertiefen geändert. Um die Fahrwasser an die aktuellen Wassertiefen anzupassen, werden allenthalben an Nord- und Ostsee Tonnen verlegt, zudem muss in den Häfen und Zufahrten derzeit zumindest wochentags auch mit Baggerarbeiten gerechnet werden.

  Fahren auf Sicht: Im Winter haben sich in den Boddengewässern und im Wattenmeer Sandbänke verlagert. Pricken, Tonnen und das Echolot weisen den WegFoto: YACHT/N.Krauss
Fahren auf Sicht: Im Winter haben sich in den Boddengewässern und im Wattenmeer Sandbänke verlagert. Pricken, Tonnen und das Echolot weisen den Weg

Aktuelle Infos zu den geloteten Wassertiefen und den Fahrwasserveränderungen gibt es auf den Webseiten der Wattsegler. In den Nachbarländern Dänemark und den Niederlanden sieht es ähnlich aus. Wer sich detailliert infomieren möchte, findet die Links zu den Revierinfo-Seiten unten auf dieser Seite.

War es das? Fast! Eine Warnung aus den BfS haben wir noch: „Vom 16.04.2022 bis zum 18.04.2022 findet das traditionelle Osterfeuer an der gesamten Westküste Schleswig-Holsteins statt. Mit Lichterscheinungen (Feuer) ist zu rechnen.“ Na dann: Frohe Ostern und guten Start in die Saison!

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