ReiseMit Kettentörns entfernte Reviere erkunden: So kann das klappen

Reise: Mit Kettentörns entfernte Reviere erkunden: So kann das klappenFoto: Stefan Schorr

Wer mal woanders als im angestammten Revier segeln möchte, kann einen Kettentörn ins Auge fassen. Damit lassen sich völlig neue Ziele erschließen. Vorausgesetzt, man beachtet einige wichtige Punkte

Zum siebten Mal den Sommer in der Dänischen Südsee verbringen? Oder abermals die deutsche Ostseeküste abklappern? Beides zweifelsohne tolle Reviere, aber in die Vorfreude auf die kommende Saison mischt sich häufig auch der Wunsch nach Neuem. Dann ploppen etwa bei vielen norddeutschen Seglern die klassischen Sehnsuchtsziele im Kopf auf: schwedische Schären, norwegische Küste, baltische Staaten. Wären doch nur mehr Urlaubstage verfügbar.

Wer nicht bis zur Rente warten möchte, auf eigenem Kiel weiter entfernte, neue Ziele zu erreichen, sollte über einen Kettentörn nachdenken. Eine längere Reise also, die in einzelne Etappen unterteilt wird und zwischen denen die Yacht auch mal für eine Weile in einem fremden Hafen liegen bleibt oder gar in fernen Gestaden überwintert. Auch können einzelne Teilstücke von unterschiedlichen Crews gesegelt werden. Mit etwas Organisationstalent lässt sich so der Törnradius beträchtlich vergrößern.

Gute Ideen entstehen ja gern mal beim gemeinsamen Bier im Cockpit oder an langen Winterabenden beim Glühwein. So auch beim traditionellen Adventsumtrunk im Garten des Bremers Frank Müller. Nach Göteborg würde der Eigner der Westerly Berwick „Twee Been“ gern im Sommer segeln, erzählt er dort – und begeistert spontan zwei anwesende Freunde, mit ihm zu segeln. Ein weiterer Bekannter spinnt den Faden weiter: „Von dort aus wäre Oslo auch schon fast um die Ecke ...“

  Wenn mehrere Crews für eine längere Reise abwechselnd auf einem Boot anheuern, wird der Aktionsradius aller ungeahnt großFoto: GfS-Hochseesegeln/Konstantin Reindl
Wenn mehrere Crews für eine längere Reise abwechselnd auf einem Boot anheuern, wird der Aktionsradius aller ungeahnt groß

Der 57-jährige Müller hat bereits 2017 und 2020 den Aktionsradius des Sommertörns erhöht, indem er seine Yacht leihweise Segelfreunden überließ. So konnten er und seine Frau Ute in ihren Urlaubswochen bis zu den Westfriesischen Inseln und ins IJsselmeer segeln. Die dem Ehepaar bereits bestens bekannte Strecke entlang der Ostfriesischen Inseln zurück zum Heimathafen an der Weser wurde zumindest teilweise von einer befreundeten Familie absolviert.

Nachdem sich das Konzept also bewährt hat, wird es in der aktuellen Saison ausgebaut: Von der Weser geht es in zwei Etappen bis nach Oslo. Bevor die Reise im Mai beginnt, werden die Batterien an Bord ebenso wie die Segelgarderobe von „Twee Been“ erneuert. „Ein neues Groß und eine neue Genua waren fällig“, erzählt Müller. „Mit Blick auf den längeren Törn habe ich diese bewusst jetzt geordert und mir auch noch einen Gennaker gegönnt. Und tatsächlich haben wir während der ersten Etappe dank der neuen Segel die Maschine noch seltener genutzt als sonst.“

Vor dem Start wurde „Twee Been“ nach Cuxhaven gesegelt. „Das war ein Sicherheitspuffer. Wenn wir wegen zu viel Wind nicht gleich aus der Weser in die Elbe kommen, wird der Törn nach Göteborg ruckzuck stressig.“ Diese Vorsicht erweist sich als goldrichtig, weht es um Himmelfahrt herum doch wirklich heftig. Von Cuxhaven aus schafft es Frank Müller mit den Freunden André Hilbers und Hardy Schilling am Mittwochabend jedoch problemlos bis Brunsbüttel. Von dort geht es am Feiertag durch den Nord-Ostsee-Kanal und mit bis zu 7,5 Knoten Fahrt weiter nach Maasholm. Gegen 21 Uhr sind die Leinen im Hafen an der Schlei fest.

  Entspanntes Cruisen und eher kurze Etappen oder ambitioniertes Segeln – alles ist möglichFoto: Stefan Schorr
Entspanntes Cruisen und eher kurze Etappen oder ambitioniertes Segeln – alles ist möglich

Ein toller Auftakt der Frühsommerreise, die über Dyvig und die Inseln Samsø und Anholt an die schwedische Küste führt. In Göteborg soll „Twee Been“ zwei Wochen liegen bleiben. „Ich habe mich im Vorfeld nicht um einen Liegeplatz gekümmert“, verrät Müller. „Ich war mir sicher, dass ich mit meiner relativ kleinen Yacht irgendwo unterkomme.“ Was im Gästhamn Långedrag von Göteborgs Kungliga Segel Sällskap auch gelingt: „Da war nach dem Telefonat am Vortag ein Schild mit meinem Namen an der freien Box, der Hafenmeister ist auch während meiner Abwesenheit zu erreichen, es gibt eine Waschmaschine; das ist wirklich perfekt.“

Die 14-tägige Liegezeit kostet für die Neun-Meter-Yacht gut 300 Euro. Am 6. Juni fährt die dreiköpfige Crew mit der Fähre zurück nach Kiel und von dort nach Hause. „Die Fährfahrten für den kompletten Kettentörn habe ich bereits im Januar gebucht. Natürlich mit der Option, flexibel stornieren zu können, falls uns Corona doch noch einen Strich durch die Rechnung macht“, berichtet Müller.

»Von Spitzbergen bis Rio de Janeiro, vom Mittelmeer bis in die Karibik – unsere Club­yachten segeln weite Törns« GfS-Präsident Hans-Martin Hell

Ohne weitreichende pandemiebedingte Einschränkungen können in diesem Sommer auch wieder diverse Vereinsyachten ihre klassischen Kettentörns über die komplette Saison segeln. Zu den wahren Kettentörnprofis gehört der 1970 gegründete Verein „Gemeinschaft für Seefahrt“ (GfS) mit Sitz in Lindau am Bodensee. Seine über 600 Mitglieder eint die Freude am Blauwassersegeln und außergewöhnlichen Fahrtgebieten. „Die meisten unserer Reisen zwischen Spitzbergen als nördlichster Destination und den Traumbuchten von Rio de Janeiro, dem Mittelmeer oder der Karibik sind Oneway-Törns. Das macht unsere Fahrten so abwechslungsreich“, beschreibt GfS-Präsident Hans-Martin Hell das Erfolgsrezept. Knapp 70-mal haben GfS-Yachten den Atlantik überquert.

Die Fachabteilung für Hochseesegeln im Bodensee-Seglerverband betreibt die beiden Vereinsyachten „Bodan V“, eine XC-45, und „Brigantia“, eine Hallberg-Rassy 48. Aufgrund der starken Nachfrage wurde für September zusätzlich eine Garcia 45 gechartert, um noch vier einwöchige Törns in der Bretagne anbieten zu können. Mit „Bodan V“ werden in diesem Jahr jeweils zweiwöchige Törns im östlichen Mittelmeer gesegelt, bis auf wenige Ausnahmen jeweils oneway. Mit „Brigantia“ werden zusätzlich zu den zwei- auch drei- und vierwöchige Törns angeboten.

  Der alte Handelshafen in Bergen. Solch ent­fern­te Ziele werden dank Kettentörn erreichbarFoto: Stefan Schorr
Der alte Handelshafen in Bergen. Solch ent­fern­te Ziele werden dank Kettentörn erreichbar

Die 15-Meter-Yacht segelte Ende Mai vom norwegischen Stavanger ins schottische Inverness. Schottland, Nordirland, Irland, Azoren, Madeira und Kanaren folgen, bevor Mitte November die Atlantiküberquerung von den Kapverden nach Guadeloupe führt. Erst Mitte Oktober 2023 wird die „Brigantia“ wieder in einem deutschen Hafen festmachen. Die letzte im aktuellen Törnplan ausgeschriebene Etappe führt von Amsterdam nach Cuxhaven.

Rund 50 ehrenamtliche Skipper, darunter drei Frauen, führen die GfS- Yachten. Die Törns haben ganz unterschiedlichen Charakter. „Manche Crew möchte auf jeden Fall mindestens eine Nacht durchsegeln, andere legen den Fokus eher darauf, zwei, drei Tage in einem besonders schönen Hafen zu verbringen und sich in Ruhe etwas anzuschauen“, erklärt Harald Weyerich. Er ist für die Öffentlichkeitsarbeit bei der GfS zuständig.

Wichtig sei, dass sich im Vorfeld alle Mit­segler einig sind, ob genussvolles Cruisen oder anspruchsvolles Streckemachen gewünscht ist. Bei den Zwei-Wochen-Törns im Mittelmeer werden durchschnittlich 250 bis 450 Seemeilen zurückgelegt. Da die direkte Distanz zwischen Start- und Zielhafen nicht zu lang gewählt wird, bringt auch ein wetterbedingter Hafentag die Zeitplanung nicht gleich in Gefahr.

Generell ist es von Vorteil, wenn die Crews bei Kettentörns einigermaßen flexibel sind. Liegt der Wechselhafen in Auto­distanz, kann er noch kurzfristig geändert werden, wenn seemännische Sorgfaltspflicht für einen anderen Hafen spricht. Auch dorthin wird die neue Crew mit dem Auto komfortabel anreisen. So kommt das Gepäck – selbst inklusive eigenen Bettdecken oder dem SUP-Board – problemlos bis zur Yacht.

Ersatzteile oder Gasflaschen, die etwa in Norwegen oder Finnland schwer zu kriegen sind, können ebenfalls mitgebracht werden. Die abreisende Crew fährt mit dem Auto bequem zurück. Von Süddeutschland oder Österreich aus können sich Crews auch zu annehmbaren Preisen von Kleinbusunternehmern in Mittelmeerhäfen, etwa an der Adria, chauffieren lassen. Bei ferneren Wechselhäfen wird kaum ein Weg an Flügen vorbeiführen.

  Klarschiff vor dem Crewwechsel. Die nachfol­genden Segler bekommen ein sauberes BootFoto: Stefan Schorr
Klarschiff vor dem Crewwechsel. Die nachfol­genden Segler bekommen ein sauberes Boot

Anreisende und abreisende Crew oder zumindest die Skipper sollten sich zu einer ordentlichen Übergabe an Bord treffen. Liegt die Yacht zwischen zwei Etappen eine Weile in einem fernen Hafen, muss stattdessen der nächste Skipper umfangreich über die Situation an Bord informiert werden. In Übergabelisten werden sinnvollerweise Bestände wie Diesel, Ersatzteile und Proviant sowie Defekte oder auch Details, etwa bis wann das Liegegeld im Hafen bezahlt ist, notiert. Handyfotos können Listen gut ergänzen.

„Bei uns treffen sich die beiden Crews jeweils schon am Vorabend der Übergabe, häufig zu einem Abendessen“, erzählt Harald Weyerich, der bei der GfS auch der Fahrtenkommission angehört, die das Törnprogramm erarbeitet. Jeweils an einem Samstag gehen dann die beiden Skipper etwa eine Stunde lang das standardisierte Übergabeprotokoll durch. „Danach krieche ich als Skipper mit meinen Wachführern noch mal für drei Stunden durchs Schiff, um alles zu überprüfen“, sagt Weyerich. Ist jedes Ausrüstungsteil an der in der Stauliste notierten Stelle zu finden? „Am Ende bestätige ich dem abreisenden Skipper, dass ich die Yacht im tadellosen Zustand übernommen habe.“

In solch versierten Vereinen wie der GfS gibt es einen Bootsmann für jede der beiden Yachten und weitere Ansprechpartner bei technischen Problemen. „Die Bootsmänner sind an den Übergabetagen sicher und auch sonst gut telefonisch zu erreichen“, sagt der 66-jährige Weyerich, der pro Jahr fünf bis sieben Wochen als Skipper segelt, seit er im Ruhestand ist. „Dicke Handbücher zu allen möglichen technischen Problemen, professionelles Werkzeug und viele Ersatzteile bis hin zur Ersatztoilette oder alles für einen Ölwechsel an Bord machen uns maximal unabhängig.“

Für Törns nach Brasilien, Neufundland oder Spitzbergen ist das angebracht. Für private Kettentörns in weniger exotischen Revieren reicht neben den Standardverschleißteilen vielleicht auch die Gewissheit, dass Ersatzteile heutzutage von den Ausrüstungs-Versandhändlern schnell überallhin verschickt werden. Braucht man vor Ort technische Unterstützung, wird ein Mechaniker in Skandinavien meist ein sehr gutes Englisch sprechen. Im Mittelmeerraum kann die Verständigung hingegen problematischer sein.

Frei nach Murphy’s Law: Im Zweifelsfall wird immer das geschehen, was man am wenigsten erwartet hat. Deshalb ist es wichtig, bei Kettentörns Zeitpuffer einzuplanen. Das gilt umso mehr, wenn die Törns in der Vor- oder Nachsaison stattfinden. Sind die Etappen zu eng getaktet, kann eine Verzögerung die An- und Abreise vieler Crewmitglieder auf den Kopf stellen.

  Mit Freunden organisiert Frank Müller auf seinem Schiff einen privaten KettentörnFoto: Frank Müller
Mit Freunden organisiert Frank Müller auf seinem Schiff einen privaten Kettentörn

Selbst die Kettentörn-Profis sind nicht davor gefeit, dass eine interessante Etappe aus irgendwelchen Gründen von den Vereinsmitgliedern nicht so gut angenommen wird, wie erhofft. So gibt es bei der diesjährigen Islandreise des Seekreuzers „Wappen von Bremen“ noch freie Kojen, die mit einer besonderen Hop-on-/Hop-off-Option angeboten werden – sogar für Nicht-SKWB-Mitglieder.

Die Segelkameradschaft Das Wappen von Bremen (SKWB) steht seit 1934 für Hochseesegeln samt der entsprechenden Ausbildung. Die Seekreuzer der SKWB haben weit über eine Million Seemeilen im Kielwasser. Der 2016 fertiggestellte vierte Seekreuzer mit dem Namen „Wappen von Bremen“ ist das aktuelle Flaggschiff. Auf ihm startete Schifferin Henrieke Thomssen mit ihrer Crew am 18. Juni in Bremerhaven die diesjährige Sommerreise mit der Etappe nach Glasgow. Von Schottland segelte „Das Wappen“, wie die Yacht innerhalb des Vereins genannt wird, über die Färöer weiter nach Island, um die Vulkaninsel zu umrunden. Das hat die SKWB-Regattayacht „Bank von Bremen“ bereits Ende Juni getan.

»Ich würde nur die Yacht von jemandem leihen, für den sein Boot ein Gebrauchsgegenstand ist« Klaus Schlösser, Nutzer einer Eigneryacht

Der Kettentörn von Frank Müller führt zu weniger abgelegenen Zielen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Ute kam er am 19. Juni mit der Fähre in Göteborg wieder bei seiner „Twee Been“ an. Drei Wochen hat das Paar für die Strecke durch die westschwedischen Schären und den Oslofjord bis in Norwegens Hauptstadt benötigt. Am 9. Juli ging es mit der Fähre von Oslo wieder zurück nach Deutschland, nachdem vor Ort für „Twee Been“ ein Liegeplatz für zehn Tage gefunden wurde. Am 19. Juli kam dann Freund Klaus Schlösser für vier Wochen mit seiner Familie an Bord, um die Yacht zurück nach Deutschland zu segeln. „Es ist natürlich toll, auf einem Oneway-Törn ein für uns völlig neues Revier erkunden zu können“, sagt der selbstständige EDV-Dienstleister. „Einen Vier-Wochen-Törn auf einer Charteryacht könnte ich mir nicht vorstellen. ‚Twee Been‘ kennen wir aber schon von einem früheren Kettentörn und wissen, dass die Yacht für uns als Familie gut funktioniert.“

Nach Oslo konnte die vierköpfige Familie schon sperriges Gepäck mitgeben, indem es bereits auf „Twee Been“ gestaut wurde. Dazu gehört etwa das familieneigene Schlauchboot, für das ein Außenborder mit dabei ist. Davon profitiert dann wiederum auch der Eigner während seiner Etappen – ein Geben und Nehmen.

Vertrauen ist wichtig, wenn ein Eigner seine Yacht an eine andere Crew weitergibt. Dafür kann diese sich dann vielleicht – nach Rücksprache mit dem Eigner – mit der Anschaffung eines neuen Ausrüstungsgegenstands revanchieren, der noch sinnvoll erscheint.

„Für denjenigen, für den die eigene Yacht das Ein und Alles bedeutet, ist es sicher nicht das Wahre, diese im Rahmen eines Kettentörns auch von anderen Crews segeln zu lassen“, sagt Schlösser. „Ich würde immer nur die Yacht von jemandem leihweise nutzen, der wie ich der Meinung ist, dass ein Boot ein Gebrauchsgegenstand ist, der gesegelt werden soll.“ Dann ist es für alle eine Win-win-Situation.

Tipps für den Kettentörn-Einstieg mit wechselnden Crews

Der Eigner einer Yacht kann junge Segler aus seinem Verein mitsegeln lassen und so zu Skippern „heranziehen“. Als ersten eigenverantwortlichen Törn kann der Nachwuchs dann eine Strecke segeln, die er schon kennt, etwa von der Jade zu den Ostfriesischen Inseln. Der Eigner übernimmt sein Boot im Zielhafen dieser Etappe und schafft es durch den Start in Greetsiel oder Norddeich in seiner Urlaubszeit entspannt bis zu den Westfriesischen Inseln, nach Friesland oder ins IJsselmeer, bevor er wieder die Rückreise antreten muss.

Vielleicht möchte ein Eigner mit seiner Yacht auch oneway von der Nordseeküste über Helgoland und Norddänemark an die norwegische Südküste reisen. Dort übernimmt die Folgecrew das Boot und segelt es zurück: wahlweise über die Nordsee oder durch Skagerrak, Kattegat und die dänische Inselwelt. Bleibt die Yacht vor der Rücktour erst eine Weile im Hafen liegen, ließe sich vor Ort sogar ein zusätzlicher Norwegen-Törn einbauen.

Wichtig ist, dass Eigner und Ausleiher einen möglichst ähnlichen Anspruch an Sauberkeit und Pflege der Yacht haben. Niemand sollte sich darüber ärgern müssen, ein schmutziges Boot vorzufinden, auf dem die Wasserpumpe nicht funktioniert, die Gasflaschen leer sind oder gar sicherheitsrelevante Mängel bestehen.

Wer eine Yacht leihweise nutzt, sollte eine Skipperhaftpflichtversicherung abschließen. Der recht moderate Preis bemisst sich anhand der Nutzungsdauer, der Schiffslänge und der Höhe der Versicherungssumme für Sach- und Personenschäden (siehe dazu auch www.yacht.de/ratgeber/versicherung).

Sollte der Eigner sich sicherer damit fühlen, mit den Skippern einzelner Etappen einen Vertrag abzuschließen, muss er mit seiner Versicherung klären, wie die Yacht für diese Charternutzung nachzuversichern ist. Die Ausrüstungspflicht für Charteryachten ist dann ebenfalls zu berücksichtigen. Die Umlegung der mit einem Kettentörn verbundenen Kosten auf alle Parteien kann im Zweifel bereits als gewerbsmäßige Nutzung ausgelegt werden.

Überwintern

Eigner können sich neue Reviere noch ausgiebiger erschließen, wenn sie ihre Yacht für ein paar Wochen oder gar über Winter im Ausland lassen. Professionelle Yachthäfen sind dafür erste Wahl. Wer in weniger stark frequentierten Gegenden auf Kommunal- oder Vereinshäfen ausweichen muss, wird eventuell Abstriche in der Versorgung hinnehmen müssen. Die Kosten für Überbrückungsliegeplätze können allerdings mitunter erheblich sein, nicht nur im Mittelmeer. Die Kreuzer-Abteilung (www.kreuzer-abteilung.org) stellt ihren Mitgliedern neben Dossiers über die Vorschriften und Besonderheiten verschiedener Segelgebiete auch Informationen zu Liegeplätzen zur Verfügung. In einigen beliebten Überwinterungshäfen am Mittelmeer erhalten Mitglieder Rabatt.

Wer exotischere Ziele ansteuern will, ist beim deutschen Hochsee-Segelclub Trans Ocean (www.trans-ocean.org) gut aufgehoben. Er hat in vielen Ländern einheimische ehrenamtliche Repräsentanten, die den Mitgliedern wertvolle Tipps liefern können.

Ideale Etappenhäfen in Skandinavien und im Baltikum

  Die hier empfohlenen Crewwechselhäfen bieten eine Kombination aus gutem Liegeplatz, reibungsloser Anreise und günstiger Infrastruktur für Einkäufe oder Reparaturen. Da Norwegen nicht in der EU ist, darf das Boot dort allerdings zollfrei nur sechs Monate bleibenFoto: YACHT
Die hier empfohlenen Crewwechselhäfen bieten eine Kombination aus gutem Liegeplatz, reibungsloser Anreise und günstiger Infrastruktur für Einkäufe oder Reparaturen. Da Norwegen nicht in der EU ist, darf das Boot dort allerdings zollfrei nur sechs Monate bleiben
  1. Bergen Mit der Fluggesellschaft Norwegian ab Hamburg, Düsseldorf oder München über Oslo zu erreichen. Ab Hirtshals mit der Fähre (www.fjordline.com). Im Stadthafen sind Plätze jedoch rar und teuer.
  2. Stavanger Mit der Fluggesellschaft Norwegian ab Hamburg, Düsseldorf oder München über Oslo zu erreichen. Ab Hirtshals mit der Fähre (www.fjordline.com). Hafen: Seilforening Stavanger (www.stavangerseil­forening.no).
  3. Kristiansand Geeignet für Törns die norwegische Küste hinauf zu den Fjorden. Gute Fährverbindung ab Hirtshals (www.colorline.de). 20 Minuten zum Flughafen (mit Norwegian über Oslo). Alternative: Larvik.
  4. Oslo Günstige Flüge ab Hamburg, Düsseldorf, München mit Norwegian. Übernachtfähre ab Kiel (www.colorline.de). Die Aker Brygge Marina ist hochpreisig, liegt aber zentral.
  5. Strömstad Parallel zur Küste verläuft eine Bahnlinie von Göteborg bis Strömstad (www.vasttrafik.se/en/). Mit der Fahrkarte können alle Busse und Straßenbahnen in Göteborg benutzt werden. Im Sommer überfüllt.
  6. Göteborg/Långedrag Anreise am besten per Fähre von Kiel oder Dänemark. Alternativ mit dem Auto. Guter Service im Hafen und hervorragende Straßenbahnverbindung ins Zentrum zur Fähre (www.gkss.se/en/hamn/guest-harbour).
  7. Sæby Bequem per Auto erreichbar. Der Ort ist ideal für den Absprung über Læsø nach Schweden. Alternative: Skagen.
  8. Grenå Guter Starthafen für Törns nach Schweden. Gut mit dem Auto zu erreichen.
  9. Kopenhagen/Kastrup Beste Verkehrsanbindung, etwa mit dem FlixBus. Da der Stadthafen meist voll ist und keine optimalen Liegeplätze hat, ist die Marina in Kastrup beim Flughafen für Crewwechsel empfehlenswert.
  10. Karlskrona Alternative zu Kalmar, wenn die Anfahrt mit dem Auto kürzer sein soll.
  11. Kalmar Ideal für Stopps auf dem Weg nach Stockholm. Guter Service, selten überfüllt. Anreise per Fähre Rostock–Trelleborg, per Bahn oder Flugzeug-Bahn-Kombi via Kopenhagen. Günstige Flüge und direkte Zugverbindung zum Yachthafen.
  12. Oxelösund Südlich von Stockholm gelegen und gut erreichbar per Flug (Eurowings, Norwegian oder Lufthansa) nach Skavsta.
  13. Stockholm Per Nachtzug von Hamburg (www.sj.se/sj-euronight-en). Der Wasahafen liegt sehr zentral. In der Hauptsaison sind Liegeplätze allerdings rar.
  14. Mariehamn/Ålands Mitten in den Schären gelegen, aber per Fähre ab Stockholm gut zu erreichen. Flüge gehen mit Stopp über Helsinki.
  15. Kemi Wer in die Bottenwiek will, kann nach Helsinki fliegen und von dort mit dem Nachtzug nach Kemi fahren. Abfahrt abends, Ankunft am nächsten Morgen. Supermarkt direkt am Hafen.
  16. Danzig Tolle Altstadt, sehr zentrale, exzellente Liegeplätze in der Marina Gdansk. Zum Flughafen sind es nur 20 Minuten Autofahrt.
  17. Ventspils Interessante Alternative zu Riga, das wegen der langen Fahrt in den Golf nicht so beliebt ist. Von Riga verkehren günstige Züge nach Ventspils, Fahrtdauer etwas über zwei Stunden.
  18. Tallinn Ideal für Crewwechsel auf dem Weg nach Finnland.

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