Charter-AusrüstungWas alles in die Segeltasche gehört

Andreas Fritsch

, Lars Bolle

, Tina Kielwein

, Michael Rinck

 · 19.11.2019

Charter-Ausrüstung: Was alles in die Segeltasche gehörtFoto: Hersteller
Was alles in die Segeltasche gehört

Häufig sind Charteryachten nur mit dem Notwendigsten versehen. Was an persönlicher Ausrüstung und darüber hinaus mit auf Törn genommen werden sollte

Gerade unerfahrenen Seglern stellt sich die Frage, welche Ausrüstung sich während des Törns als wirklich sinnvoll erweist. Bekleidung, dazu Sicherheitsausrüstung, Werkzeug, Medikamente, Multimedia – was davon auf dem Segeltörn tatsächlich nicht fehlen darf, hängt von mehreren Faktoren ab. Wie lange soll die Reise dauern? Wann und wohin wird gesegelt? Wie werden die Wetterbedingungen?

Hier einige Empfehlungen der Redaktion.

  Beim Packen ist Organisation gefragt. Was muss mit? Was bleibt zu Hause?Foto: YACHT/J. Kubica
Beim Packen ist Organisation gefragt. Was muss mit? Was bleibt zu Hause?
Verlagssonderveröffentlichung

Tests zu einigen erwähnten Ausrüstungsteilen finden Sie unter dem Artikel.

Kurztrip Küste

Um einen Tag lang im Sommer an der Küste zu segeln, braucht es nicht viel: Neben einschichtiger Freizeitbekleidung empfiehlt sich stabiles Schuhwerk. Segelschuhe, die komfortabel zu tragen sind, schnell trocknen und deren Sohle keine Steine sammelt, sind hier gefragt.

Für den Schutz gegen die Sonne sollte auch während Kurztörns gesorgt sein. Eine einfache Schirmmütze schützt den Kopf, Sonnencreme die Haut. Bei der Sonnenbrille haben sich wiederum bestimmte Qualitätsmerkmale bewährt. Sie sollte schwimmfähig und mit einem polarisierenden Filter ausgestattet sein. Es lohnt sich durchaus, für spezielle Segelsport-Brillen etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

Handschuhe gehören ebenfalls zur reduzierten Grundausstattung. Etwa zum Trimmen der Spischot bieten sich einfache und vergleichsweise luftige Jollenhandschuhe an. Wer schnell friert, kann auch auf warme, wasserdichte Neopren- oder gar Winterhandschuhe zurückgreifen.

Unabdingbar ist für jeden Segelschlag die Rettungsweste. Für den einfachen Küstentörn bietet sich eine 150er-Weste mit entsprechend geringerer Auftriebskraft an.

Für die Sicherheit elektronischer Geräte sorgt beispielsweise eine wasserdichte Handyhülle.

Mehrere Tage unterwegs

Für den Wochenend- oder den Urlaubstörn sollte die Ausrüstung erweitert werden. Eine Basisschicht (Baselayer) aus Funktionswäsche speichert die Körperwärme bei kälteren Temperaturen.

Die Mittelschicht (Midlayer) wird über der Basisschicht unter dem Ölzeug getragen. Insbesondere Materialien aus Fleece und wärmespeichernder (Merino-)Wolle haben sich bewährt.

Das passende Ölzeug ist für den mehrtägigen Segeltrip unumgänglich. Doch auch hier hängt die Kaufentscheidung von der Art des Törns ab. Eine leichtere Variante eignet sich für kürzere Segelausflüge. Offshore-Ausrüstung ist dagegen für das Hochseesegeln zweckmäßig.

Wenn nicht gerade karibische Bedingungen herrschen, ist das Schuhwerk entscheidend. Bei widrigen Witterungen eignen sich Gummistiefel. Ob man dabei auf Kurzstiefel oder hohe Segelstiefel setzt, ist Geschmackssache. Für ultimativen Wasserschutz von oben sorgen Segelstiefel mit eingebauter Gamasche. Diese liegen jedoch in einem deutlich höheren Preissegment.

Eine (wenn auch reduzierte) Hygieneausstattung gehört ebenfalls in den Seesack. Ein schnell trocknendes, leichtes Reisehandtuch spart Platz und ist für vergleichsweise wenig Geld in Outdoor-Geschäften erhältlich.

Während für den kürzeren Segeltörn in der Regel die 150er-Rettungsweste mit weniger Auftrieb genügt, ist beim Offshore-Segeln mehr Sicherheit an Bord gefragt. Es empfiehlt sich eine 275er-Automatikweste mit mehr Auftrieb, inklusive Spraycap.

Um ein Mensch-über-Bord-Manöver zu vermeiden, ist bei Wellengang zudem das Einpicken mit der Sicherheitsleine erforderlich. Ein Notfallsender kann im Ernstfall Leben retten.

Gute Sicht ist wichtig. Eine starke Taschenlampe gehört an Bord.

Wichtige Zusätzliche Ausrüstung – Teil 2

Wichtige zusätzliche Ausrüstung

Wer nicht immer bei der gleichen Charterfirma bucht, weiß nie so recht, was ihn an Bord erwartet: Ist der Plotter groß genug und am Steuerstand installiert? Ist die Küchenausstattung mager oder top? Sind vernünftige Revierführer auf dem Schiff? Kann die Stereoanlage Musik vom Smartphone abspielen? Es sind mitunter Kleinigkeiten, die in der Summe aber darüber entscheiden, ob ein Urlaubstörn rundum perfekt ist oder nicht. Über die Jahre hat die YACHT Tipps gesammelt, was man zusätzlich zur persönlichen Ausrüstung sicherheitshalber noch so alles mit auf einen Chartertörn nehmen sollte. Diese Dinge sind in der Galerie gezeigt.

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Foto: Hersteller

Für die Zusatzausrüstung muss der Skipper nicht allein Sorge tragen – einfach vor Törnantritt in der Crew herumfragen, wer was mitbringen kann. Wenn alles auf mehrere Schultern verteilt wird, strapaziert auch niemand über Gebühr das Gewichtslimit fürs Fluggepäck.

Wer regelmäßig auf Chartertörns als Skipper fährt, ist gut beraten, sich einen mit entsprechender Zusatzausrüstung bestückten Grabbag zusammenzustellen, der nach jedem Urlaub daheim im Schrank landet und für den nächsten Törn wieder herausgeholt werden kann. Alternativ lässt sich die Packliste im Smartphone speichern.

Da Charteryachten oft nur eine fest installierte Funkanlage unter Deck haben, muss der Skipper für die Anmeldung im Hafen jedesmal nach unten, wenn kein anderes Crewmitglied funken kann oder will. Daher nehmen viele Schiffsführer ein zusätzliches UKW-Handgerät für den Seefunk mit auf den Törn. Doch Vorsicht, das darf ein deutscher Segler hierzulande nur betreiben, wenn er bei der Bundesnetzagentur eine Zulassung beantragt hat. Die ist als Chartersegler ohne eigenes Boot aber nicht zu bekommen.

Im Ausland wird das teils anders gehandhabt. Auf jeden Fall sollte man sich nach den Regelungen erkundigen. Vorsicht ist etwa insbesondere in den Niederlanden geboten. Da Funkgeräte dort eine regionale ATIS-Kennung brauchen, die beim Senden automatisch mit ausgestrahlt wird, merken es die Behörden, sobald jemand ohne Zulassung funkt. Bei Kontrollen kann es dann saftige Geldbußen geben.

Und ergänzend zum Tipp, ein laminiertes UKW-Funk-Ablaufschema für den Notfall nahe des Funkgeräts mit Tape ans Schott zu kleben: Gleiches gilt für Wachpläne bei geplanten Nachtfahrten oder auch für Notrollen, welche den einzelnen Crewmitgliedern Aufgaben und Abläufe zuordnen. Für den Standard-Chartertörn mag das vielleicht nicht zwingend erforderlich sein. Wer jedoch auf Nummer sicher gehen oder aber für künftige anspruchsvollere Törns trainieren will, kann auf diese Weise üben.

Im Zeitalter von Smartphones und Tablets an Bord gibt es neben praktischer Zusatzausrüstung eine Reihe Apps, die sich auf Chartertörns als nützlich erweisen können. Vorsicht sollte man jedoch bei Navigations-Programmen walten lassen – mittlerweile geben bei Umfragen beinahe die Hälfte der Segler an, eines auf dem Smartphone installiert zu haben. Sie sind nicht immer eine gute Alternative zum Kartenplotter. Der Grund: Die GPS-Empfänger von Tablets oder Handys können je nach Güte der Geräte und unter Deck Fehlermargen von 100 bis 300 Metern aufweisen! Eigner von Premium-Smartphones fahren nach leidiger Erfahrung der Redaktion deutlich sicherer als die von Mittelklasse-Produkten.

Manche Skipper bringen ferner – zumindest wenn sie mit dem Pkw anreisen – eigene Werkzeug-Sets mit. Für versierte Handwerker mag das sinnvoll sein. Die Redaktion hat aber die Erfahrung gemacht, dass bei lückenhaften Werkzeugsätzen die Charterbasis oft akzeptablen Ersatz auf Lager hat. Einfach vor dem Ablegen danach fragen.

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