Die Hyke F-15 Shuttle ist 15 Meter lang und 5,7 Meter breit. Sie bietet Platz für 50 Passagiere und wiegt elf Tonnen. Der Rumpf besteht aus einem speziellen Verbundstoff, der das Gewicht niedrig hält. Die Fähre erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 15 Knoten (28 km/h). Bei sechs Knoten Fahrtgeschwindigkeit verbraucht sie zwischen zehn und zwölf Kilowattstunden pro Stunde. Das entspricht nach Angaben des Herstellers etwa dem Energiebedarf von fünf Haartrocknern.
Das Boot ist ausschließlich für geschützte Gewässer konzipiert. Es eignet sich nicht für schnelle Fahrten oder das offene Meer. Die Entwickler haben bewusst auf große Batterien verzichtet. Stattdessen lädt die Fähre bei jedem Halt an den Anlegestellen automatisch und kabellos nach. Dieses Konzept ermöglicht den Einsatz kleinerer Batterien und reduziert das Gesamtgewicht.
Der Hersteller gibt an, die Fähre verbrauche achtmal weniger Energie als vergleichbare Dieselfähren. Während des Pilotprojekts entstanden keine Sicherheitsvorfälle. Die Passagiere bewerteten den Service mit 4,72 von 5,00 Punkten. Alle befragten Nutzer gaben an, die Fähre wieder verwenden zu wollen. Die niedrigen Betriebskosten und der geringe Energieverbrauch stärken laut Fredrikstad die Wirtschaftlichkeit elektrischer Stadtfähren.
Die Fähre verfügt über Solarpanele auf dem Dach, die zusätzlich Energie liefern. Je nach Ausführung leistet der Antrieb zwischen 60 und 150 Kilowatt. Die Batteriekapazität liegt zwischen 95 und 285 Kilowattstunden brutto. Das automatische Ladesystem an den Anlegestellen ermöglicht einen durchgehenden Betrieb ohne längere Ladepausen.
Alle Fähren werden mit einer autonomen Navigationstechnologie ausgestattet. Diese entwickelt Hyke selbst. Künftig sollen die Boote auch ohne Kapitän fahren können. Die Technik befindet sich noch in der Entwicklung. Wann der autonome Betrieb zugelassen wird, steht noch nicht fest.
Das Pilotprojekt in Fredrikstad war Teil der städtischen Strategie für nachhaltige Mobilität. Die Finanzierung erfolgte über das Urban Growth Agreement (Bypakke Nedre Glomma) und das EU-Programm Horizon Europe SUM (Seamless Urban Mobility). Als sogenanntes Living Lab trägt das Projekt zur Entwicklung nachhaltiger Mobilitätslösungen in Europa bei.
Tom Mauno von der Stadtverwaltung Fredrikstad bezeichnet den Test als klaren Erfolg für nachhaltige Stadtmobilität. Die niedrigen Energiekosten und die hohe Nachfrage der Passagiere hätten die Erwartungen übertroffen. Die Stadt prüft nun, ob die Fähre dauerhaft im Nahverkehr eingesetzt werden kann.
Der Investor Ocean Zero, gegründet von TED-Sprecher Chris Anderson, ist sowohl an Hyke als auch am schwedischen Elektroboot-Hersteller Candela beteiligt. Candela baut schnelle Elektroboote mit Tragflügeln für längere Strecken. Hyke konzentriert sich auf kurze Distanzen mit hoher Taktfrequenz. Die beiden Unternehmen ergänzen sich in ihren Einsatzgebieten. Gemeinsam decken sie verschiedene Anwendungsfälle im elektrischen Wassertransport ab.
Hyke plant weitere Ankündigungen in den kommenden Monaten. Dabei geht es um zusätzliche Schiffsbauten und ein Joint Venture mit einem der größten Fährbetreiber Norwegens. Details dazu stehen noch aus.

Redakteur Test & Technik