Christian Tiedt
· 28.08.2026
Die Umbenennung des Sees ist die neueste Eskalation im von den USA begonnenen Zoll- und Handelsstreit zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten. Bei einem offiziellen Akt im Oval Office des Weißen Hauses ersetzte Trump den bislang allgemein akzeptierten Namen durch einen Neuen. Per Verfügung wurde aus dem Lake Ontario der Lake America.
Offiziell begründete der für seine Sprunghaftigkeit bekannte Trump den Schritt mit dem wirtschaftlichen Verhalten Kanadas in der Vergangenheit. Faktisch folgte der Schritt nach Einschätzung zahlreicher Beobachter jedoch als unmittelbare Vergeltung für den Abbruch der aktuellen Verhandlungen im Handelsstreit mit dem bedeutenden Partner – und für die Ablehnung generell, die Trump und seine Politik im nördlichen Nachbarland inzwischen erfahren.
Nach monatelangen Provokationen durch Trump und der Verhängung von 50-Prozent-Zöllen, hatte sich Kanada zu Beginn der Woche schließlich aus den Verhandlungen zurückgezogen, unter anderem, weil die USA Eingriffe in die sprachliche Autonomie der frankophonen kanadischen Provinz Québec forderten und ebenso ein Mitspracherecht bei künftigen Wirtschaftsgesprächen Kanadas mit anderen Staaten.
Trump reagierte umgehend mit der Drohung, den See umzubenennen – wobei von Beginn offensichtlich, dass die Maßnahme für die eigentlichen Auseinandersetzung keinerlei Bedeutung haben würde. Am gestrigen Tag ließ er nun Taten folgen.
Wie bei der bereits im Februar 2025 von Trump einseitig verkündeten Umbenennung des Golfs von Mexiko in Golf von Amerika, sind die Auswirkungen selbst auf nautischer Ebene begrenzt: Zwar muss sich die Schifffahrt auf den Großen Seen im grenzüberschreitenden Verkehr nun sprachlich anpassen, in Kanada wie international bleibt jedoch der bisherige Name gültig.
Der Name Lake Ontario existiert bereits seit mindestens 400 Jahren – und damit länger, als die beiden modernen Staaten an seinen Ufern. In der Name der Ureinwohner bedeutet die Bezeichnung “schöner großer See”.
Für Trump offenbar nicht schön und erst recht nicht groß genug: Bei dem Termin im Weißen Haus war im Hintergrund das Motto zu lesen: “Make the Great Lakes even Greater” – eine klare Anspielung auf das Motto seiner MAGA-Bewegung: “Make America Great Again”.
Bei der Beantwortung einer Pressefrage kokettierte der US-Präsident in für ihn bekannter Weise mit den anwesenden Journalisten: Nachdem man jetzt einen Golf und einen See habe, bräuchte man noch einen Ozean, “den Atlantik oder den Pazifik. Oder beide”.
Von offizieller kanadischer Seite ließ man sich nicht dazu nötigen, in emotional auf die Provokation zu reagieren. Premierminister Mike Carney stellte in einem sachlichen Post lediglich die historischen Zusammenhänge im Hinblick auf den Namen klar. Für die Kanadier würde der See “jetzt und immer” der Lake Ontario sein.

Ressortleiter Reise
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.