Extrem seltenBelugawal vor Holland aufgetaucht

Morten Strauch

 · 21.01.2026

Belugawal in der Nordsee
Foto: Jeroen Hoekendijk/ SOS Dolfijn
Erstmals seit 1966 ist vor der Küste der Niederlande wieder ein Belugawal gesichtet worden. Der Meeressäuger, auch als Weißwal bekannt, wurde unter anderem bei Callantsoog südlich von Den Helder beobachtet. Nach ersten Eindrücken wirkt der seltene Besucher gesund und in guter Verfassung.

Schon am Wochenende entdeckte die niederländische Küstenwache erstmals den weißen Belugawal. Seitdem wird das Tier von der Meeressäugerschutz-Organisation SOS Dolfjin beobachtet. Die Mitarbeitenden stufen Verfassung und Verhalten des Wals als unauffällig ein. Er wirkt zudem nicht abgemagert. Lediglich an einer Flanke ist eine Narbe zu sehen, die jedoch keinen Anlass zur Sorge gibt.

SOS Dolphin weist darauf hin, dass man dem Tier nicht zu nahe kommen sollte. Am sichersten lässt es sich vom Strand aus mit einem Teleobjektiv beobachten, ohne es zu gefährden. Die Organisation überwacht den Beluga aufmerksam, um bei Bedarf über weitere Maßnahmen zu entscheiden.

Seltener Gast aus dem hohen Norden

Einen Belugawal in der Nordsee zu beobachten, ist äußerst selten, denn diese faszinierenden Meeressäuger leben normalerweise in den kalten (sub)arktischen Gewässern der Nordhalbkugel. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt vor allem in küstennahen Regionen rund um Alaska, Kanada, Grönland und Russland.

​Zuletzt war ein solcher Meeressäuger im Jahr 1984 in niederländischen Gewässern gesichtet worden – damals vor der Küste Zeelands, der Provinz im Südwesten des Landes. Berühmt wurde zudem ein Beluga, den vor rund 60 Jahren viele Menschen in Deutschland beobachten konnten: Das Tier schwamm den Rhein hinauf bis nach Bonn und erhielt den Namen Moby Dick. Der verirrte Wal fand schließlich aus eigener Kraft zurück in die offene See, teils eskortiert von Polizeibooten.

Der Belugawal ist ein Kältespezialist

Dank seiner dicken Speckschicht ist der Beluga bestens gegen die extreme Kälte in seinem natürlichen Lebensraum gewappnet: den arktischen und subarktischen Gewässern rund um den Polarkreis. Üblicherweise tauchen die Tiere nicht weiter südlich als im Norden Norwegens auf. Weshalb dieser Beluga nun ausgerechnet Kurs auf die Nordsee genommen hat, bleibt bislang ungeklärt.

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Belugas verdanken ihren Namen ihrer weißen Färbung, die sich im Laufe ihres Lebens ändert. Neugeborene sind schiefergrau bis braun, werden im ersten Jahr blaugrau und erst ab dem fünften Lebensjahr weiß, wobei Weibchen oft einen bläulichen Schimmer behalten. Ihre weiße Farbe dient wahrscheinlich als Tarnung gegen Eisbären, da sie sich häufig an der Packeisgrenze aufhalten. Die Tiere können bis zu sieben Meter lang und 30 bis 40 Jahre alt werden. Charakteristisch ist außerdem der relativ kurze Kopf mit einer nach vorn gewölbten Verdickung, die sich im Laufe des Lebens entwickelt und ein Organ enthält, das als Melone bezeichnet wird. Im Gegensatz zu den meisten anderen Walarten hat der Weißwal keine Rückenfinne.

Sympathische Gesichtszüge

Lächelnder BelugawalFoto: iStock/Primpic (Symbolfoto)Lächelnder Belugawal

Dank einer Reihe physiognomischer Besonderheiten, die der Kommunikation dienen, kann der Belugawal seinen Gesichtsausdruck verändern. So sind sie etwa in der Lage, ihre Mundwinkel nach oben oder unten zu ziehen, was bei vielen Menschen starke emotionale Reaktionen auf die geselligen Tiere auslöst. Das ist jedoch weder ein Zeichen von Freude noch von Missmut.


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