Christian Tiedt
· 07.10.2026
31 Jahre lang lag das 56,6 Meter lange Schiff vor dem Museum an seinem Steg im Markermeer. Nun soll das Holz an Land trocknen, geschützt und gezielt instand gehalten werden. Der Umzug war deshalb kein gewöhnlicher Schwertransport: Solange ein Schiff schwimmt, trägt der Auftrieb seinen Rumpf. Auf dem Trockenen muss eine Konstruktion diese Last übernehmen, ohne empfindliche Bereiche zu überfordern. Das Museum Batavialand bestätigt die Ankunft am neuen Standort.
Am 19. September 2026 verließ die „Batavia“ Lelystad im Schlepp zweier Schlepper. Die Masten blieben stehen; die Route führte über das Markermeer und das IJ nach Amsterdam. Für diese Etappe blieb das Schiff bewusst im Wasser. Eine Fahrt auf dem Ponton hätte den noch nicht abgestützten Rumpf Belastungen ausgesetzt, für die er nicht ausgelegt ist. Wetter und Seegang mussten so ruhig sein, dass das Holzschiff nicht stark arbeiten konnte.
Vor dem Schlepp wurden die Geschütze und ein großer Teil des Ballasts entfernt. Provisorische Stahlstützen im Laderaum und an Deck sollten den Rumpf bei der späteren Entlastung vom Wasser stabilisieren. Das geht aus den Angaben zur Vorbereitung bei Damen Shiprepair Amsterdam und den technischen Informationen des Museums hervor.
Im Amsterdamer Trockendock wurde die „Batavia“ auf einer eigens konstruierten Tragstruktur abgesetzt. Sie misst 39,7 mal 15,5 Meter und besteht nach Angaben des Museums aus 87 Tonnen Stahl und 14 Tonnen Holz. Beim Lenzen des Docks verlor der Schiffsrumpf allmählich den Auftrieb; die vorbereiteten Auflager übernahmen seine Last. Erst auf diesen Stützen konnte das Schiff auf dem Schwimmponton nach Lelystad zurückkehren.
Die Rückfahrt begann am 1. Oktober. Am folgenden Tag brachte ein computergesteuertes Schwerlastfahrzeug das Schiff mitsamt Tragkonstruktion vom Ponton auf einer Rampe über den Deich zu seinen neuen Standort. Damit ist zwar der Transport abgeschlossen, der Prozess der dauerhaften Konservierung hat jedoch erst begonnen.
Die „Batavia“ entstand zwischen 1985 und 1995 unter der Leitung des Schiffbauers Willem Vos. Mehr als 600 junge Menschen wirkten am Bau der Rekonstruktion eines Schiffs der Niederländischen Ostindien-Kompanie von 1628 mit. Sie ist eine Rekonstruktion, keine vollständig belegte Kopie des Originals, wie das Museum zur Baugeschichte erläutert.
Das historische Vorbild war ein Handelsschiff der Niederländischen Ostindien-Kompanie mit dramatischer Geschichte:. Im Oktober 1628 brach es von Texel zu seiner ersten Fahrt nach Ostindien auf. Am 4. Juni 1629 lief es vor der Westküste Australiens auf ein Riff der Houtman-Abrolhos-Inseln und ging verloren. Die Schiffbrüchiges retteten sich auf nahe Inseln. Viele von ihnen wurden jedoch in der Folge während des Schreckensregimes Jeronimus Cornelisz ermordet, bevor Hilfe eintraf. Die Täter wurden schließlich von den Behörden gestellt und hingerichtet.
Das Museum hofft, Anfang 2027 wieder Besucher an Bord begrüßen zu können. Einen bestätigten Öffnungstermin gibt es noch nicht. Die umfassende Neugestaltung des Museums soll voraussichtlich Ende 2028 abgeschlossen sein. Für Segler auf dem Markermeer ändert sich damit auch ein vertrauter Anblick: Die „Batavia“ liegt nicht mehr am Steg. Wer die frühere Situation und das Revier einordnen möchte, findet sie in der YACHT-Revierreportage „IJsselmeer und Markermeer: der Süden und Westen“ aus dem Jahr 2025 beschrieben.

Ressortleiter Reise
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