Am Montag dem 22. Juni 2026 herrscht schönstes Hochsommerwetter in der ACI Marina Žut. Dazu weht ein schwacher Maestral. In der nach Nordwest sehr gut geschützten Bucht von Žut ist davon nicht viel zu spüren, in der Marina ist das Wasser spiegelglatt.
Am Spätnachmittag ist die beliebte Marina mit 120 Gastplätzen an dem 441 Meter langen Betonsteg nur knapp zur Hälfte gefüllt. Im nördlichen Teil steuern zwei Segelboote die Marina an, drehen ihre Hecks zum Steg und machen sich klar zum Anlegen mit Muringleine und zwei Achterleinen. Ganz im Süden der Marina liegt allein ein 25 Fuß kleines kroatisches Motorboot, auf dem drei Frauen sitzen und die friedliche Stille des Nachmittags genießen, als es um 17.31 Uhr einen dumpfen Knall und dann ein lautes Klatschen gibt. Eine kleine Tsunami-Welle rollt, ausgehend von der Marina, hinaus auf die Bucht. Das Boot mit den drei Frauen an Bord ist verschwunden. Es treibt jetzt kieloben und beginnt zu sinken.
Die Crews stürzen aus ihren Booten und trauen ihren Augen kaum: Der südliche Teil des Betonsteges der Marina ist verschwunden und liegt jetzt auf dem Meeresgrund. Aus dem gekenterten Motorboot tauchen zwei Frauen auf, schwimmen um das Boot und schreien um Hilfe: Die dritte Frau ist noch im Boot und droht zu ertrinken. Mehrere Männer springen sofort ins Wasser. Die dritte Frau ist im Motorboot eingeklemmt. Glücklicherweise stecht ihr Kopf in einer Luftblase. Doch das Boot droht mit der eingeklemmten Frau zu sinken. Nach bangen Minuten gelingt es, die Frau aus der lebensbedrohlichen Situation zu befreien.
Aus Angst, dass auch die restlichen Teile der Steganlage zusammenbrechen könnten, starten die Gastlieger die Motoren, werfen Achterleinen und Murings los und verschwinden. Binnen einer Stunde ist die gesamte ACI Marina verwaist. Die meisten Boote finden einen Liegeplatz entweder im Bojenfeld der Marina oder in der benachbarten Marina Fešta. Am folgenden Dienstag trifft das Dienstboot der Lučka kapetanija Šibenik (Hafenamt Šibenik) an der Unfallstelle ein. Alle noch verbliebenen Betonstege der ACI Marina Žut werden komplett für den Bootsverkehr gesperrt. Anlegen und Betreten verboten!
Das Drama in der ACI Marina Žut spricht sich wie ein Lauffeuer herum. Der Marinaverbund ACI verkündet auf seiner Webseite unmittelbar nach dem Unfall lediglich unter der Rubrik Neuigkeiten und Veranstaltungen: Aufgrund „technischer Inspektionen und Infrastrukturprüfungen“ bleibt die „ACI Marina Žut bis auf Weiteres geschlossen“. Heute ist dieser Hinweis von der Webseite gelöscht. Wer sich jedoch bis zur Seite der ACI Marina Žut durchklickt, findet dort den Hinweis: „Die Stege in der ACI Marina Žut und auch das Restaurant sind bis auf weiteres gesperrt.“ Die Ankerplätze und alle anderen Dienstleistungen der Marina stehen regulär zur Verfügung.
Der massive Betonsteg der ACI Marina Žut wurde Mitte der 1980er Jahre im sozialistischen Jugoslawien zusammen mit 15 weiteren Marinas gebaut. Insider weisen schon seit Jahren auf die marode Infrastruktur in vielen ACI Marinas hin und befürchten, dass sich das Drama von Žut auch andernorts wiederholen könnte. Auf Anfrage der YACHT teilte ACI dazu mit: „Vorfälle an verschiedenen Standorten sollten nicht miteinander in Verbindung gebracht oder direkt verglichen werden.“ Doch bereits seit 2021 sind in der ACI Marina Palmižana (sie wurde zeitgleich mit der ACI Marina Žut gebaut) Teile der Stege gesperrt. Auf deren Webseite findet diesen Sommer den Hinweis, dass der Yachthafen “dieses Jahr aufgrund der Sanierung mit reduzierter Kapazität” arbeite.
In der ACI Marina Žut darf man vermutlich davon ausgehen, dass der marode Steg aus über 40 Jahre altem Stahlbeton mit durchgerosteten Stahlträgern abgerissen und entsorgt werden muss. Bei einer Gesamtlänge von 441 Metern dürfte das nicht ganz preiswert sein. Fragt sich nur, was danach kommt? Denn nach derzeit gültigem Konzessionsvertrag endet die Konzession (Lizenz) für die ACI Marina Žut bereits am 31. Dezember 2030, so wie für 19 weitere der insgesamt 22 ACI Marinas in Kroatien.
Böse Zungen behaupten, dass der Reparatur- und Renovierungsstau, der in manchen ACI Marinas offensichtlich ist, im Zusammenhang mit dem baldigen Ablauf der Konzessionen zu sehen ist. Denn in einem EU-Land dürfen die Konzessionen nicht mehr automatisch einem staatsnahen Unternehmen zugeschoben werden, sie müssen ausgeschrieben werden. Und es gibt Interessenten, die einen Blick auf die an attraktiven Standorten gelegenen Marinas geworfen haben.
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