KroatienGeheimtipp Kvarner - Adria mal anders

Bodo Müller

 · 25.04.2026

Unser Charterboot segelt im Kanal von Ilovik. In der Vorsaison sind im Hafen und im Bojenfeld noch viele Plätze frei.
Foto: Bodo Müller
​Weite Buchten, einsame Ankerplätze und verlässlicher Wind: Der Kvarner verbindet spektakuläre Natur mit entspannten Etappen. Warum der Norden Kroatiens noch immer ein Geheimtipp ist.

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​Der Kvarner ist die größte Bucht an der kroatischen Adriaküste und eine der größten Europas. Die Dimensionen sind gewaltig: Von Opatija im Norden bis zur Insel Ilovik im Süden misst sie stattliche 55 Seemeilen. Und die West-Ost-Ausdehnung der Bucht von der Südspitze Istriens bis zum Velebit-Gebirge beträgt 40 Seemeilen. Der Greifswalder Bodden würde mehr als 17-mal hineinpassen. Eingerahmt wird der Kvarner im Westen von der Halbinsel Istrien, im Norden und Osten vom Velebit-Gebirge und im Süden von der Adria.

Der Kvarner: näher, ruhiger, günstiger

Mehr als 65 Häfen und Buchten zum Liegen gibt es allein auf den Inseln des Kvarner – die Festlandküste nicht mitgezählt. Neben den vier großen Inseln Krk, Rab, Cres und Lošinj gibt es noch mehr als ein Dutzend kleinerer Eilande, also mehr als genug Törnziele für eine Charterwoche. Was unterscheidet den Kvarner von den viel besuchten Törnzielen in Mittel- und Süddalmatien? Bootsfahrer aus Süddeutschland und Österreich schätzen vor allem, dass man den Kvarner in überschaubarer Zeit mit dem Auto erreichen kann. Trotzdem ist es nicht annähernd so voll wie an der südlichen Adria. Das hat zur Folge, dass hier vieles deutlich günstiger ist – vom Bootsliegeplatz bis hin zur Rechnung in einer guten Konoba. Und Segler wissen zu schätzen, dass es im Kvarner während der Saison meist mehr Wind gibt als im Süden.

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Mit Sonne im Gesicht und Spontanität im Gepäck

Also viele gute Gründe, im Kvarner zu chartern und in der größten Adriabucht auf Törn zu gehen. Wir haben in der Marina Punat eine Segelyacht Beneteau 41.1 übernommen, um die schönsten Plätze im Kvarner für uns zu entdecken. Mit der strahlenden Sonne im Gesicht verlassen wir abends die Marina und steuern nach Westen. Wer im Kvarner segelt, sollte nicht mit einem festen Törnplan im Gepäck anreisen, sondern immer flexibel auf die aktuelle Windrichtung reagieren. Am Nachmittag gibt die Bora ein kleines Intermezzo. Wir nutzen den kühlen Schiebewind aus Nordost und steuern nach Südwesten zur unbewohnten Insel Plavnik. An der Südküste des Eilandes liegt die Uvala Krušija, eine kleine und bei Bora gut geschützte Ankerbucht.

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Auf der Suche nach Einsamkeit

Als wir ankommen, liegen dort zwei Segel- und zwei kleinere Motorboote. Auf acht Metern lassen wir das Eisen fallen – alles wunderbar. Etwas nervig ist nur die Beschallung durch das Fisch­pick­nick-Boot, welches an der kurzen Mole längsseits liegt. Als wir schwimmen gehen wollen, wabert ein Teppich aus Fischresten über die Bucht. Offensichtlich wurde eben das Geschirr gespült. Nix wie weg. Wir stoppen kurz an der Blauen Grotte in der benachbarten Bucht. Als auch hier ein Ausflugsschiff kommt und zwischen einer Boje und einem Poller an Land festmacht, suchen wir das Weite. Nur drei Meilen sind es bis zur Bucht Krušcica an der Ostküste der Insel Cres. Hier ankern drei Segel- und drei Motorboote in einsamster Natur. Das kristallklare Wasser lädt zum Schwimmen und Schnorcheln ein. Und den traumhaften Strand haben die wenigen Yachties für sich allein. Es gibt keine Straße ins Innere der Insel, so bleibt die Krušcica hoffentlich noch lange ein Paradies.

Kultadresse im Kvarner

Morgens weckt uns ein frischer Südwind. Wir wollten nach Süden in Richtung Insel Lošinj, müssten also die gesamte Strecke aufkreuzen. Kurz entschlossen ändern wir den Plan und steuern nach Südosten in Richtung Insel Rab. Mit Kurs 128 Grad peilen wir die Bucht Supetarska Draga an und können den Kurs hart am Wind halten. Nach gut zwei Stunden haben wir die Einfahrt in die Bucht erreicht und nehmen aufgrund der Landabdeckung die Segel runter. Wir lassen die zwei Felseninseln an Steuerbord liegen und steuern durch eine ausgebaggerte Rinne direkt auf den Anleger des „Stiegenwirt“ zu. Längsseits am Betonsteg haben wir buchstäblich nur noch eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

Das Res­tau­rant heißt offiziell „Belvedere“, ist jedoch seit Jahrzehnten unter Nautikern nur als „Stiegenwirt“ bekannt, weil man vom Anleger zum Lokal genau 100 Stufen bergauf steigen muss. Seit 1981 betreibt Ivan Lovric das beliebte Lokal. Spezialität sind Fisch und Meeresfrüchte. Inzwischen hat er das Kommando in der Küche an seine charmante Enkelin Marija abgegeben. Wer zum ersten Mal mit einem Tiefgang von zwei Metern oder mehr den Anleger ansteuert, sollte Senior-Chef Ivan anrufen, der die Gäste per Telefon von seiner Terrasse aus zum ausgebaggerten (aber nicht betonnten) Fahrwasser lotst (Tel. +385/51/77 61 62). Das Lokal ist selbst in der Vorsaison abends brechend voll. Hier treffen sich vor allem Bootsfahrer aus Süddeutschland und Österreich. Speisen und Service sowie die Aussicht bei Sonnen­untergang sind sensationell gut.

Im Fahrwasser der Römer

Morgens haben wir wieder eine leichte Bora, wunderbar! Mit dem kalten Wind im Rücken nehmen wir Kurs nach Südwest und steuern entlang der eindrucksvollen Felsküste von Cres nach Süden. Mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von 65 Kilometern ist Cres die längste Insel des Kvarner. Ganz im Süden liegt die weitverzweigte Luka Pod Sv. Križ mit mehr als einem Dutzend Unterbuchten. Wir steuern in die Unterbucht Kolorat und machen an einer Boje fest. Morgens um neun Uhr nehmen wir den Brückenzug von Osor und passieren das historische Fahrwasser zwischen den Inseln Cres und Lošinj. Der elf Meter breite, schiffbare Graben wurde vor mehr als 2.000 Jahren von den Römern erbaut. Der Kanal von Osor ist noch heute eine wichtige Schifffahrtsstraße für kleine Frachtschiffe, Fische­rei­fahrzeuge und Sportboote.


Lesen Sie hier den zweiten Teil der Reportage:


Und: Was gibt es Neues an der Adria? - hier geht es zum Revierupdate:


​Revierinformationen

​Anreise

Die Charterbasis „In2theblue“ liegt in der Marina Punat im Süden der Insel Krk. Von München fährt man etwa sieben Stunden bis Punat, von Hamburg aus fliegt Eurowings direkt nach Krk. Vom Airport Rijeka im Norden der Insel sind es 31 Kilometer zur Marina. Alternativ gibt es von Juni bis September den Autoreisezug der ÖBB von Hamburg bis Villach. Von hier sind es 3,5 Stunden Auto­fahrt zur Charterbasis.

Charter

Schwerpunkte bei In2theblue neben Yachtcharter sind Segelausbildung, Skipper- und Regatta­training. Die Charterflotte besteht aus 37 Segelyachten von 34 bis 51 Fuß, da­runter fünf Katamarane. Die Standorte sind Punat und Kremik. Die von uns gecharterte Beneteau 41.1 (12,43 x 4,20 x 2,18 m, drei Doppelkabinen, zwei Bäder) ist dank Rollgroß und Elektrowinsch auch von kleiner Crew leicht zu handeln. Je nach Saison kostet das Schiff 1.100 bis 2.400 Euro pro Woche. Extras: Transitlog (290 €), Bettwäsche, Handtücher (10 € p. P.), Außenborder (80 €), Gennaker (500 €), SUP (130 €), Endreinigung (100 €), kroatische Kurtaxe (1,33 € p. P. pro Nacht). Kontakt: In2theblue Charter, Puntica 7, 51521 Punat, Kroatien. Tel. +43/676/898 62 83 04 in2theblue.com/yachtcharter

Navigation

Die Crew sollte grundlegende Seemannschaft wie Ankern oder Anlegen mit Murings beherrschen. Dazu gehört eine Törnplanung entsprechend der täglichen Wettervorhersage, insbesondere im Hinblick auf Bora. Das Wetter kann leicht umschlagen, die Bora früher oder stärker kommen als prognostiziert.

Führerscheine

Deutsche Skipper brauchen zum Chartern mindestens den Sportbootführerschein See. Ein Mitglied der Crew muss über eine Funklizenz verfügen.

Wind, Wetter

In der Kvarner Bucht dominiert während der Saison mildes und sonnenreiches Klima. Der Schönwetterwind Maes­tral weht vormittags bis nachmittags aus Nordwest und schläft abends ein. Die Bora (aus Nordost) entwickelt ihre größte Stärke im Vinodolski-Kanal, in der Senjska vrata und im Velebit-Kanal. In anderen Teilen des Kvarner kann sie auch auftreten, jedoch deutlich schwächer. Starkwind und Seegang können auch der Jugo (aus Südost) oder ein Gewittersturm (aus westlichen Richtungen) verursachen. Von Mai bis Oktober liegen die Tages­temperaturen zwischen 21 bis 30 Grad. meteo.hr / windfinder.com / windguru.cz


Bodo Müller

Bodo Müller

Freier Autor

Seit 1987 arbeitete Bodo Müller, damals noch in Rostock lebend, als DDR-Korrespondent des Magazins YACHT. Nach seiner Ausreise im August 1989 berichtet er als Reporter und Fotograf der Magazine YACHT und BOOTE über alle Charterreviere weltweit. Er schrieb 22 Bücher, darunter den bei Delius Klasing erschienenen Bestseller „Über die Ostsee in die Freiheit“, der von der ARD verfilmt wurde. Daneben ist er Drehbuchautor von zeitgeschichtlichen Filmen und arbeitet als Drohnen- und Unterwasser-Kameramann für den TV-Sender ARTE. Bodo Müller lebt heute auf der Halbinsel Priwall in Travemünde.

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