Entlang der Westküste von Lošinj steuern wir südwärts und dann in die Bucht von Mali Lošinj hinein. Der beliebte Kurort Mali Lošinj war einst die Badewanne des Habsburger Hochadels. Die mondäne Bebauung rund um den Stadthafen und die breite Promenade stammen aus dem 19. Jahrhundert. Damals war Mali Lošinj zugleich ein Zentrum des Schiffbaus und des Seehandels. Das milde, sonnenreiche Klima macht die 7.000-Einwohner-Stadt auch heute noch zum beliebtesten Urlaubsort im Kvarner. Mit Booten anreisende Gäste legen mitten im Zentrum des Ortes an. Rund um den Stadthafen laden zig Cafés, Konobas und Bars ein. Hier pulsiert das Leben bis tief in die Nacht. Die Buchten im Süden der Insel Lošinj zählen zu den schönsten im Kvarner. Allein hier könnte man eine ganze Charterwoche verbringen. Die beliebtesten sind die Krivica und die Balvanida.
Während unseres Besuches im Juni gab es keine Bojenfelder mehr. Doch auf dem Grund beider Buchten liegen noch zig Betonblöcke, die mit Ketten verbunden sind. Wer dort ankert, sollte genau wissen, wohin er das Eisen wirft. Zum Glück ist das Wasser so klar, dass man die Reihen der Betonblöcke bei Tageslicht erkennt. Wir entscheiden uns für die Balvanida. Hier ankern vier Segelyachten auf sandigem Grund, um die Seegraswiesen im Flachwasser zu schützen. Und alle Sportboote liegen in sicherem Abstand zum Naturbadestrand – man will ja keinen Ärger wegen eines Verstoßes gegen die neue Verordnung haben. Plötzlich kommt mit lauten Disco-Klängen ein kroatisches Partyboot mit Speed in die Bucht, fährt dicht an den Badestrand heran und lässt den Anker mitten auf der Seegraswiese fallen. In dem Moment wünschte ich mir, die kroatische Wasserschutzpolizei würde die Balvanida besuchen und die neue Verordnung durchsetzen.
Die Blumeninsel Ilovik ist der südlichste Punkt des Kvarner und das Sehnsuchtsziel vieler Charterer. Einhundert Muringbojen liegen heute im Kanal von Ilovik und geben einen Vorgeschmack davon, wie voll es zur Hauptsaison werden kann. Wir haben Glück, dass die meisten Bojen noch frei sind. Selbst an der L-förmigen Hafenmole gibt es welche. Wir legen mit Muring an und liegen im Herzen von Ilovik. Wer lieber an der Boje liegt, kann das Dingi an Deck lassen und sich per Shuttle (Tel. 099/516 23 49, www.ilovik.hr) an Land bringen lassen. Üblicherweise kostet die Fahrt drei Euro. Doch wer in einem der drei Lokale einkehrt, bekommt die Shuttle-Gebühr in der Restaurantrechnung gutgeschrieben.
Das Fischrestaurant „Amigo“ zählt seit Jahrzehnten zu den besten im Kvarner. Die Besitzerin Elza Stojši lädt uns zu frischen Meeresfrüchten aus der Ilovicka vrata ein, serviert mit einem gekühlten Zlahtina. Die atemberaubende Stille, die klare Luft, das saubere Meer und die sensationell gute Gastronomie machen den Reiz von Ilovik aus. Dazu gehört auch das Iloviker Urgestein Senadin Maši, der aus Bosnien stammt und hier am schönen Ende der Welt das Spezialitätenlokal „Porto“ betreibt. Seine Terrasse schwebt über dem Meer. Vor dem Saisonstart sind wir die einzigen Gäste und genießen die gefüllten Paprikaschoten nach bosnischer Art.
Viel zu kurz ist eine Charterwoche. Der Wind hat auf Süd gedreht und ist mit uns, wenn wir am Freitag, unserem letzten Chartertag, die gesamte Strecke von Ilovik bis nach Punat zurück segeln. An Backbord lassen wir die wunderbaren Hafenorte Rovenska und Veli Lošinj links liegen. Dafür wollen wir in der Inselmetropole Rab, die etwa auf halber Strecke zum Heimathafen liegt, für zwei Stunden festmachen. Auf dem gleichnamigen Eiland wurde im Winter 2024/25 viel gebaut. Der Hafen bot früher wenig Schutz vor Jugo und an der städtischen Pier gab es nur wenige Gastliegeplätze. Mittlerweile aber wurde die Hafenmole vor der Altstadtinsel neu gestaltet. Hier gibt es jetzt Gastplätze mit Murings, Strom und Wasser. Um den Jugo auszubremsen, wurde eine neue Mole im Süden der Stadtpier gebaut.
Ein junger, freundlicher Hafenmeister weist uns einen Platz an der neuen Altstadtpier zu und nimmt die Leinen an. „Wie lange wollen Sie bleiben?“, fragt er. „Nur zwei Stunden“, antworte ich. „Das macht fünf Euro pro Stunde.“ Das mehr als 2.000 Jahre alte Rab ist unbedingt einen Besuch wert. Über enge Gassen erreicht man den „Gipfel“ der Altstadt. Entlang der autofreien Bergstraße (Gornija ulica) reihen sich die Türme von fünf Kirchen. Der Glockenturm der ganz oben liegenden Johanniskirche ist stets offen. Von oben hat man den besten Blick: Vor uns liegt die Altstadt in Form eines Schiffsrumpfes, die Kirchtürme sind seine Masten.
Während wir ablegen, schwingt Wehmut mit. Gerne wären wir länger im Kvarner geblieben. Auf den verbleibenden 21 Seemeilen zurück zum Heimathafen schiebt der Jugo von achtern und schenkt uns ein tolles Segelvergnügen. Wir steuern zuerst in die Inselhauptstadt Krk, um das Boot vor der Rückgabe vollzutanken. Da wir eine Woche lang immer guten Segelwind hatten, bleibt die Tankrechnung überschaubar. Inzwischen ist der Jugo eingeschlafen. Wir werfen im flachen Wasser südlich der Hafenmole ein letztes Mal den Anker und genießen den Blick auf die vom Abendlicht angestrahlte Altstadt von Krk.
Seit Jahren mangelt es im Stadthafen an Gastliegeplätzen. Außerdem bietet die zu kurze Hauptmole unzureichenden Schutz, wenn der Jugo Seegang aus Süden anrollen lässt. Jetzt liegen die Genehmigungen vor, um die Molen im Westen und Osten derart zu verlängern, dass ein geschlossenes Hafenbecken entsteht. Die Bauarbeiten sollen nach dem Ende der Saison beginnen. Wenn die Molen fertig sind, werden in der östlichen Hafenbucht zwei neue Schwimmstege ausgebracht, wo dann vorzugsweise die einheimischen Boote liegen sollen. Die dadurch gewonnenen Liegeplätze in der Altstadt werden dann den Transitgästen zur Verfügung stehen. Nach aktueller Planung sollen die Bauarbeiten bis August 2027 abgeschlossen sein.
Es gibt viele gute Gründe, in der nächsten Saison wieder in den Kvarner zu reisen. Mit der untergehenden Sonne im Rücken motoren wir die verbliebenen drei Meilen von Krk bis zur Charterbasis in der Marina Punat. Das Auschecken haben wir für den nächsten Morgen vereinbart. So bleibt noch Gelegenheit, zum Abschied das neue Restaurant „Marina“ auszuprobieren. Das Lokal in dem futuristischen Neubau im Zentrum der Marina wurde im Herbst 2024 eröffnet und schaffte es auf Anhieb in die Top Ten der besten Restaurants in Kroatien. Hier werden ausschließlich Agrarprodukte der Insel Krk sowie Fisch und Meeresfrüchte aus dem Kvarner nach traditionellen Rezepten zubereitet. Wir freuen uns drauf.
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Die Charterbasis „In2theblue“ liegt in der Marina Punat im Süden der Insel Krk. Von München fährt man etwa sieben Stunden bis Punat, von Hamburg aus fliegt Eurowings direkt nach Krk. Vom Airport Rijeka im Norden der Insel sind es 31 Kilometer zur Marina. Alternativ gibt es von Juni bis September den Autoreisezug der ÖBB von Hamburg bis Villach. Von hier sind es 3,5 Stunden Autofahrt zur Charterbasis.
Schwerpunkte bei In2theblue neben Yachtcharter sind Segelausbildung, Skipper- und Regattatraining. Die Charterflotte besteht aus 37 Segelyachten von 34 bis 51 Fuß, darunter fünf Katamarane. Die Standorte sind Punat und Kremik. Die von uns gecharterte Beneteau 41.1 (12,43 x 4,20 x 2,18 m, drei Doppelkabinen, zwei Bäder) ist dank Rollgroß und Elektrowinsch auch von kleiner Crew leicht zu handeln. Je nach Saison kostet das Schiff 1.100 bis 2.400 Euro pro Woche. Extras: Transitlog (290 €), Bettwäsche, Handtücher (10 € p. P.), Außenborder (80 €), Gennaker (500 €), SUP (130 €), Endreinigung (100 €), kroatische Kurtaxe (1,33 € p. P. pro Nacht). Kontakt: In2theblue Charter, Puntica 7, 51521 Punat, Kroatien. Tel. +43/676/898 62 83 04 in2theblue.com/yachtcharter
Die Crew sollte grundlegende Seemannschaft wie Ankern oder Anlegen mit Murings beherrschen. Dazu gehört eine Törnplanung entsprechend der täglichen Wettervorhersage, insbesondere im Hinblick auf Bora. Das Wetter kann leicht umschlagen, die Bora früher oder stärker kommen als prognostiziert.
Deutsche Skipper brauchen zum Chartern mindestens den Sportbootführerschein See. Ein Mitglied der Crew muss über eine Funklizenz verfügen.
In der Kvarner Bucht dominiert während der Saison mildes und sonnenreiches Klima. Der Schönwetterwind Maestral weht vormittags bis nachmittags aus Nordwest und schläft abends ein. Die Bora (aus Nordost) entwickelt ihre größte Stärke im Vinodolski-Kanal, in der Senjska vrata und im Velebit-Kanal. In anderen Teilen des Kvarner kann sie auch auftreten, jedoch deutlich schwächer. Starkwind und Seegang können auch der Jugo (aus Südost) oder ein Gewittersturm (aus westlichen Richtungen) verursachen. Von Mai bis Oktober liegen die Tagestemperaturen zwischen 21 bis 30 Grad. meteo.hr / windfinder.com / windguru.cz

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