Christian Tiedt
· 29.01.2026
Das Urteil in Den Haag war eindeutig: der niederländische Staat hat die Rechte der Einwohner der Karibikinsel Bonaire verletzt, indem er bislang keine verbindlichen Klimaschutzziele festgelegt hat. Was bislang an Maßnahmen ergriffen wurde, um die Folgen des Klimawandels zumindest abzumildern, sei zu wenig zu spät. Innerhalb von 18 Monaten muss die Regierung nun ein entsprechendes Konzept vorlegen - nicht nur für Bonaire, sondern für die gesamten Niederlande.
Geklagt hatten Einwohner der Insel gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Bonaire ist Teil der auch bei Seglern beliebten, bis 2010 als Niederländische Antillen bezeichnete Inselgruppe im Südosten der Karibik vor der Küste Venezuelas. Zum Archipel gehören außerdem Aruba und Curaçao, daher auch die umgangssprachliche Bezeichnung ABC-Inseln. Heute haben sie innerhalb der Niederlande den (weitgehend autonomen) Status einer besonderen Gemeinde.
Im Gegensatz zu ihren beiden Nachbarinseln ist Bonaire jedoch deutlich niedriger und flacher – und im weiteren Vergleich mit den Niederlanden selbst auch nicht durch Deiche geschützt, die den erwarteten Veränderungen durch den Anstieg des Meeresspiegels bereits angepasst werden. Mangels des nun vom Gericht angemahnten Schutzkonzeptes für das gesamte Land, fanden auf Bonaire bislang keinerlei Sicherungsmaßnahmen statt.
Dabei könnte die Insel nach aktuellen Prognosen bis zum Ende des Jahrhunderts rund ein fünftel ihrer Fläche an das Meer verlieren. Außerdem hat sie mit extremer Hitze zu kämpfen, was bei der Bevölkerung nachweislich gesundheitliche Probleme verursacht. Zudem erhöht sich die Gefahr schwerer tropischen Stürmen.
All das führte dazu, dass das Gericht in Den Haag entschied, dass Bonaire bereits stärker betroffen sei als die übrigen Niederlande und dass der Staat seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Einwohnern nicht nachgekommen sei. Das soll sich nun ändern.