Hurrikan “Ian”Spur der Verwüstung in Marinas – wie können Blauwasser-Crews ihre Yachten schützen?

Andreas Fritsch

 · 04.10.2022

Hurrikan “Ian”: Spur der Verwüstung in Marinas – wie können Blauwasser-Crews ihre Yachten schützen?Foto: U.S. Customs and Border Protection/Ozzy Trevino
Luftfoto der US Küstenwache von den Schäden. Photo by Ozzy Trevino Copyright: Public Domain

Ganze Häfen fortgespült, Hunderte Boote gesunken oder gestrandet. Wie schwierig es sein kann, ein Boot durch die Hurrikan-Season zu bekommen.

Die Spuren der Verwüstung besonders in Fort Myers sind verheerend. “Ian” hat ganze Steganlagen aus der Verankerung gerissen und teils tief ins Inland gespült, wo die Boote zerschlagen wurden, sanken oder strandeten, nachdem das Wasser zurückgegangen war. In Außenlagern wurden an Land abgestellte und vermeintlich hurrikansicher vertäute Yachten durcheinandergewirbelt. Der Hurrikan der Kategorie 4 (von 5) hatte den US-Staat mit voller Wucht getroffen, und besonders die schweren Überflutungen haben gigantische Schäden angerichtet, mehr als 100 Menschen starben.

Verlagssonderveröffentlichung

Die Bilder der verlorenen Boote lässt wohl jeden Eigner mit Langfahrt- oder zumindest Karibik-Ambitionen aufhorchen. Wie bekommt man eigentlich sein eigenes Boot sicher durch die Hurrikan-Season, wenn keine Zeit bleibt, es vor deren Beginn wieder nach Europa zu segeln? Viele Crews träumen von der großen “Atlantik-Runde”, also erst mit der ARC im November über den Atlantik, dann eine Saison in der Karibik und vor der Hurrikan-Season via Nordamerika und Azoren zurück. Was viele unterschätzen: Die Rückfahrt ist deutlich länger als die südliche Atlantik-Querung und wettermäßig oft fordernder. Zudem muss das Boot nach einer Atlantik-Überquerung und einer ganzen Karibik-Saison vor der nächsten Atlantik-Überquerung sorgfältig komplett gewartet werden. Dabei finden sich oft Probleme, die in der Karibik nicht so einfach zu beheben sind. Oder die Crews starten zu spät.

Die YACHT fragte bei Holger Flindt, Leiter der Schadensabteilung beim deutschen Versicherer Pantaenius nach, wie sich Crews, die in der Karibik bleiben wollen oder müssen, vorbereiten.

“Wer mit der eigenen Yacht in die Karibik will, muss dem Versicherer erst einmal mitteilen, dass das Fahrtrevier erweitert wird. Die meisten Schiffe sind ja nur für Europa versichert, weltweite Fahrt muss extra abgeschlossen werden.” Das ist deutlich teurer, die Police dafür ist rund dreimal so hoch. Aber das heißt noch lange nicht, dass damit ohne größere weitere Vorkehrungen das Boot während der Hurrikan-Saison in der Karibik bleiben kann.

An Air and Marine Operations UH-60 air crew flew along the Florida coast to assess damage after Hurricane Ian made landfall on September 29, 2022
Foto: U.S. Customs and Border Protection/Ozzy Trevino

Kats sind im Wasser nicht mehr versicherbar während der Hurrikan-Saison

“Leider haben die großen Schadensereignisse der letzten Jahre gezeigt, dass das Risiko noch gestiegen ist. Daher müssen wir den Eignern Auflagen machen, wollen sie ihr Boot in der Zeit in der Karibik zurücklassen.” Das überraschende dabei: Katamarane können im Wasser liegend in der Hurrikan-Season gar nicht mehr versichert werden. “Es hat sich einfach gezeigt, dass die Boote wegen der großen Windangriffsfläche schwimmend keinen Hurrikan überstehen. Deshalb können Kats nur noch an Land stehend versichert werden und wenn sie in einem Gestell fest am Borden verankert werden.

“Das Problem sind die Riggs”, so Flindt. “Die meisten Boote werden mit stehendem Mast abgestellt. In den Stürmen sorgt der dann für derart viele Vibrationen, dass die Erdbefestigungen herausgerüttelt werden und das Boot umstürzt”, so der Schadensexperte. Bei den Kategorie-4- oder -5-Stürmen kommen oft noch umherfliegende oder wie jetzt in Florida schwimmende Trümmer dazu.

Monohulls könnten noch im Wasser liegend versichert werden, aber nur wenn auch sie nach ganz speziellen Vorgaben vertäut werden. Die Boote müssen allein in einer Doppel-Box liegen, doppelt vertäut und komplett abgefendert sein. Auch der räumliche Standort des Bootes muss zuvor mit dem Versicherer abgeklärt und die Sicherung dokumentiert werden, bevor der Eigner das Wagnis eingehen kann, denn längst nicht alle Karibik-Bereiche sind gleich gefährdet.

In Florida kam Pantaenius diesmal glimpflich davon, ganz anders als 2017 beim Hurrikan “Irma”, der St. Martin und die BVIs schwer verwüstete. “Wir haben bislang keine gemeldeten Schäden von deutschen Eignern, der Teil des Landes, der am stärksten betroffen war, war die Westseite Floridas, dort segeln Europäer nur selten.”

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