SardinienLa Maddalena – neue Regeln ohne Ankerverbot

Christian Tiedt

 · 14.04.2026

Sardinien: La Maddalena – neue Regeln ohne AnkerverbotFoto: Andreas Fritsch
Ankerplatz bei Passo della Moneta auf der Nordostseite von La Maddalena.
Im vergangenen Jahr sorgte ein nächtliches Ankerverbot im Nationalpark La Maddalena im Nordosten Sardiniens für Aufregung, bis die Regelung angefochten und die Durchsetzung auf Eis gelegt wurde. Jetzt wurde eine neue Verordnung veröffentlicht – ohne direkten Hinweis auf das Ankern bei Nacht.

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Die neue Verordnung 33/2026 wurde am 2. April veröffentlicht und tritt am 2. Juni 2026 offiziell in Kraft. Sie soll “versuchsweise” in den kommenden beiden Jahren (2026 und 2027) mit zusätzlichen Maßnahmen gleich mehrere Ziele erreichen, wobei die folgenden Punkte die größte Bedeutung haben.

  • Die Gewährleistung der Sicherheit auf See im Hinblick auf den nautischen Verkehr, das Festmachen und Ankern, sowie auf maritime Aktivitäten insgesamt.
  • Die Förderung des Meeres- und Küstenschutzes, insbesondere in Bezug auf die Posidonia-Seegraswiesen und weitere sensible Ökosysteme im Bereich des Nationalparks.
  • Die Steuerung des zunehmenden touristischen Bootsverkehrs, besonders im Hinblick auf die Passagier- und Ausflugsschifffahrt. Dazu gehört auch die Einrichtung von freizuhaltenden Korridoren im ufernahen Bereich.

Nächtliches Ankerverbot nicht mehr erwähnt

Interessant: Ein nächtliches Ankerverbot von Sonnenuntergang (spätestens 22 Uhr) bis Sonnenaufgang in den generellen Schutzzonen des Nationalparks (Mb-Zonen) wird in der neuen Verordnung nicht mehr explizit erwähnt. Dieses Verbot hatte zuletzt für großen Unmut bei Seglern, Sportbootfahrern und der Charterindustrie gesorgt, und war nach rechtlicher Anfechtung bislang nicht weiter durchgesetzt worden.

In den betreffenden Artikeln 7, 8 und 9 des Dokuments, die die Beschränkungen beim Ankern und Nutzen von Bojenfeldern zum Inhalt haben, wird lediglich auf die darüber hinaus gültigen Verordnungen des Nationalparks verwiesen. Allerdings ist auch in der für Besucher zusammengefassten Version auf der Internetseite des Parks keine Rede von einem Ankerverbot.

Einzige neue Einschränkung in diesem Zusammenhang ist, dass das Schwimmen von Bord nur noch in einem Umkreis von maximal fünf Metern um das eigene Boot herum erlaubt ist.

Richtungswechsel bei den Behörden?

Es bliebt also abzuwarten, ob die nun erfolgte Auslassung des Ankerverbots an sich tatsächlich ein Anzeichen dafür sein könnte, dass die Behörden bei dem kontroversen Thema einen Richtungswechsel vollziehen. Auch der explizit “experimentelle” Charakter der Maßnahmen könnte darauf hinweisen. Zumal neben dem Schutz der Posidonia-Wiesen nun auch die Verkehrssituation an sich stärker in den Fokus gerückt ist.

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Weitere Änderungen auch für Sportskipper

Eine weitere Änderung, die auch die Freizeitschifffahrt betrifft, bezieht sich auf Höchstgeschwindigkeiten und Abstände in den Mb-Zonen. Während die Trennlinie bislang bei einer Entfernung von 300 Metern vom Ufer lag mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 7 Knoten innerhalb und 15 Knoten außerhalb, gilt nun die folgende Abstufung:

  • 7 Knoten Höchstgeschwindigkeit bis zu einer Entfernung von 500 Metern vom Ufer
  • 10 Knoten Höchstgeschwindigkeit in einer Entfernung zwischen 500 und 1000 Metern vom Ufer.

Zudem wurde im Uferbereich verschiedener Inseln des Archipels Korridore für Einsatzfahrzeuge eingerichtet, in denen nicht geankert werden darf und in denen die Passage dieser Boote nicht behindert oder eingeschränkt werden darf.


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Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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