Liparische InselnKurs Stromboli - Dolce Vita und Vulkanspektakel

Jan Jepsen

 · 28.06.2026

Liparische Inseln: Kurs Stromboli - Dolce Vita und VulkanspektakelFoto: Jan Jepsen
Die Insel Vulcano ist Namensgeberin aller Vulkane. In der römischen Mythologie galt sie als Schmiede des Feuergottes Vulcanos.
Tagsüber türkisblaues Wasser, nachts glühende Lava: Die Liparischen Inseln nördlich von Sizilien gehören zu den spektakulärsten​ Segelrevieren des Mittelmeers. Eine Woche, sieben Inseln, aktive Vulkane, traumhafte Ankerplätze und italienische Lebensart – ein Törn zwischen Dolce Vita und Erdgeschichte live in drei Teilen. Teil 1: Von Kalabrien nach Stromboli.

Themen in diesem Artikel

Start in Kalabrien - Erstmal ankommen

Die Crew sieht mitgenommen aus – am Tag der Ankunft. Die frühen, günstigen Flüge sind schuld. An Auslaufen ist nicht zu denken. Um die gut 40 Meilen nach Stromboli bei Tageslicht rüberzumachen, ist es ohnehin zu spät. „Wozu brauchen wir Tageslicht?“ fragt das jüngste und motivierteste Crewmitglied. Soll heißen: Wollen wir nicht nach Stromboli? Der Vulkan gilt doch als das älteste Seezeichen der Welt? Den will man doch nachts sehen! Das ist allerdings wahr. Wie die Tatsache, dass morgen auch noch ein Tag bzw. eine Nacht sei. Außerdem muss erst noch proviantiert werden. Und überhaupt: Warum hetzen? Unser Ausgangshafen, Vibo Marina, bietet fußläufig alles, was man zum Ankommen braucht: Bar, Restaurant, Supermarkt, Eisdiele, kleiner Strand neben dem Hafen. Allemal genug Zutaten für ein bisschen dolce vita an Tag eins.

​Kurs Liparische Inseln

Früh am Sonntagmorgen laufen wir aus. Sonne und Glockengeläut im Nacken. Vor uns das Meer. Feinstes Azzurro, leider noch wie glattgebügelt. Suboptimal, um segelnd auf die Liparischen Inseln rüber zu machen. Erst später steht eine segelbare Brise, die dafür sorgt, dass wir unseren Törn nicht gleich in Gänze mit einem langen Tag unter Motor beginnen müssen. Gut vierzig Seemeilen, wie gesagt. Mit einem großen Schiff kein Problem, wenn sich die Brise erstmal durchsetzt: Länge läuft bekanntermaßen. Das gilt auch für unsere Dufour 520.

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Wenn’s geht, wollen wir in einer Woche alle Inseln des Archipels anlaufen. Inklusive Alicudi, der kleinsten ganz im Westen. Sieben Tage – sieben Inseln sozusagen. Das ist sportlich aber machbar. Vor allem aber ist es eins: wetterabhängig. Mit dem Ankern ist das oft so eine Sache auf den Liparischen Inseln. Bei viel Wind kann das sehr unangenehm sein. Oft ist es bis dicht unter Land sehr tief. Die wenigen sicheren Buchten sind dann sehr gut besucht. Und Marinas allgemein Mangelware oder wie auf Salina hoffnungslos überteuert. Insofern sollte niemand traurig sein, wenn die nach dem griechischen Windgott Äolus benannten Inseln ihrem Namen nicht alle Ehre erweisen.

​Das älteste Seezeichen der Welt

Erstmal ankommen. Die Passage zieht sich – wenn man das Ziel seit Stunden vor Augen hat. Gegen nachmittag wird vor dem Bugkorb ein blasser, perfekt konischer Kegel sichtbar. Tagsüber genauso markant, wie nachts, wenn der Vulkan auf Stromboli Feuer speit. Und das tut er, fast mit beamtischer Regelmäßigkeit. Vor dem Strand des Hauptorts herrscht neuerdings Ankerverbot. Das war beim letzten Besuch noch nicht so. Ein paar Badende winken uns vom Ufer aus zu. Uns bleibt nur etwas weiter nördlich ein mittelruhiger Platz in Lee des Wassertankers. Das Muringfeld dicht belegt. Die Zahl der Yachten vor Stromboli ist beachtlich.

​Sundowner im Schatten des Vulkans

Während die Tagesgäste auf ihre Fähren zurück zum Festland warten, bummeln wir durch den Ort. Nahe des Kirchplatzes kehren wir auf einen Sundowner ein. Die Terrasse des “Ritrovo Ingrid”, benannt nach Ingrid Bergmann im Film “Stromboli”, hat es in sich: Vor und unter uns das Feld der Yachten, im Nacken der Vulkan. Man fragt sich, ob die Pizza hier mit frischer Lava gebacken wird. Böte sich eigentlich an. Archäologische und geologische Studien belegen, dass der Stromboli seit mindestens 1.400 Jahren nahezu kontinuierlich aktiv ist. Alle 15-20 Minuten wird verlässlich nachgeheizt.

​Rendezvous mit der Unterwelt

Um 4 Uhr unchristlicher Zeit klingelt tags drauf an Bord der Wecker. Anker auf und in die restliche Nacht motoren. Nicht, dass uns sonst der Sonnenaufgang die Show stiehlt. Es gehört zu den Highlights dieses Törns, im Dunkeln vor der Sciara del Fuoco, der Feuerrutsche im Westen der Insel rumzudümpeln, dem Fauchen der Unterwelt zu lauschen und einem der beeindruckendsten Feuerwerke der Welt zuzuschauen. Aber Vorsicht: Abstand halten ist angesagt. Da in der Dunkelheit jede Orientierung fehlt, helfen am Ziel zwei befeuerte Tonnen. Nicht, weil es am Fuße des Vulkans flach wäre, sondern weil die Felsen bei einer größeren Eruption sonst von oben kommen könnten!

​Feuerwerk der Erdgeschichte

Erdgeschichte und Weltentstehung live in Farbe und 3D. Ganz offensichtlich und gut hörbar noch nicht abgeschlossen. Es ist spektakulär: Erst speit der Vulkan seine Glut, etwas zeitversetzt erreicht dann das Grollen das Schiff. Begleitet von Ah und Oh’s der Crew. Wer erst beim Sound zur Explosion aufschaut oder womöglich das Handy holt, hat das Beste schon verpasst. Man muss sich schon die Mühe machen, beharrlich in die Nacht zu starren und einen steifen Nacken zu riskieren. Aber keine Sorge, wer einen Ausbruch verpasst: Die nächste Eruption kommt bestimmt. Und das, wie gesagt, schon seit Jahrhunderten.


Praktische Tipps für einen gelungenen Törn im Segelparadies nördlich von Sizilien finden Sie in unseren Artikeln über Törnführer, Seekarten und Informationen zum Revier:


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Jan Jepsen

Jan Jepsen

Freier Autor

Jan Jepsen, freier Autor, Fotograf, Schriftsteller, Krimiautor - in Hamburg Övelgönne (schon mit Gummistiefeln) auf die Welt gekommen. Er hat das Reisen früh zu seinem Beruf gemacht. Seitdem schreibt und segelt er sich durch die Welt. Am liebsten und längsten für die YACHT - mit über 100 Reportagen in knapp 40 Jahren. Sein ewiges Motto: „Hier bin ich ja sowieso – schön ist es auch anderswo.“

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