Nordsee ist die Weite der offenen See, die Gezeiten an den Küsten. Wenn der Priel in der Sonne glitzert, Seehunde sich auf der Sandbank räkeln und über dem Wasser aufgeregte Austernfischer flattern. Das Boot gleitet gemächlich hindurch, bis das Wasser weicht und für ein paar Stunden alles stillsteht. Zwischen Borkum, Helgoland und Sylt sorgen Häfen und Vereine dafür, dass Segler dann gut ankommen und bequem an Schwimmstegen festmachen können.
Gleichzeitig werden Fahrwasser gesperrt für die Kabelverlegung zur Offshore-Industrie, Schleusen und Brücken für dringende Sanierungen. Wer in dieser Saison an den Küsten der Nordsee und im Wattenmeer segelt, braucht darum aktuelle Informationen und vielleicht auch mal einen Plan B. Unser Nordsee-Update. Heute: Elbe und Nordfriesland.
Teil 1: Ostfriesland – Von der Ems bis zur Jade mit allen ostfriesischen Inseln (ab 3. April 2026)
Teil 2: Jade und Weser – Von Wilhelmshaven bis Bremerhaven (ab 4. April 2026)
Teil 3: Elbe und Nordfriesland – Von Hamburg bis Sylt (ab 5. April 2026)
Die Tideelbe führt Segler durch jahrhundertealte Hafenstädte wie Hamburg, Stade und Glückstadt bis zur breiten Mündung ins Watt. Nordfriesland empfängt mit einer anderen Welt: weite Horizonte, Halligen und friesische Gelassenheit. Aber Achtung: Nicht gekennzeichnete Sperrgebiete in Cuxhaven, Klappbrücken-Probleme in Stade, und auf Helgoland wird's eng durch die Offshore-Industrie. Im dritten und letzten Teil unseres Nordsee-Updates: Elbe und Nordfriesland.
Wer von der Weser über das Watt in die Elbe einfährt, muss sich auf Erfahrung und Satellitenbilder verlassen; das Elbe-Weser Wattfahrwasser wird größtenteils nicht mehr beprickt. Für die Fahrt kann ein Blick auf die Wattenschipper-Seekarte mit Satelliten-Overlay hilfreich sein.Cuxhaven: Vorsicht Sperrgebiete!
An der Unterelbe wird das Hafengebiet von Cuxhaven erweitert. Die Sportboothäfen sind von den Bauarbeiten nicht direkt betroffen. An den Außenkajen östlich des Amerikahafens ist aber jederzeit mit Sperrgebieten, Ankerketten und Baufahrzeugen zu rechnen. Achtung: Die Sperrgebiete sind nicht extra gekennzeichnet! Ihre jeweilige Lage wird in den Bekanntmachungen für Seefahrer bekanntgegeben.
In Glückstadt ist die Schleuse zum Binnenhafen vom 22. Juni bis 28. August wegen Wartungsarbeiten vollständig gesperrt. Gastlieger können im Außenhafen festmachen.
Auf der Schwinge, etwa auf halber Strecke zwischen dem Sperrwerk und Stade, kann die Eisenbahn-Klappbrücke nur noch eingeschränkt bedient werden. Eine Durchfahrt in den Stadthafen in der Altstadt ist jedoch mit vorheriger Anmeldung beim Brückenwärter möglich. Die Vereinshäfen vor der Brücke sind problemlos erreichbar.
In der begehrten Lage unterhalb der Elbphilharmonie können im City Sporthafen in Hamburg in diesem Jahr keine Boote mit mehr als 20 Meter Länge festmachen.
Auch an der Westküste werden Kabel zu den Offshore-Windparks verlegt. So müssen Segler vor Büsum von Juni bis September mit Einschränkungen im Büsumer Watt, am Tertiussand und in der Norderpiep rechnen; Letztere steht nur eingeschränkt zur Verfügung. Sperrungen werden über die Nachrichten für Seefahrer und mit Aushängen im Hafen von Büsum bekannt gegeben.
Gute Nachrichten aus Husum: Brückenbaustellen haben in der letzten Saison regelmäßig die Zufahrt zum Binnenhafen blockiert. In diesem Jahr wird es besser. Weitere Baumaßnahmen wurden auf Ende Oktober verschoben – der Segelbetrieb sollte 2026 daher reibungslos funktionieren. Segler, die den Hafen mit Altstadt-Atmosphäre anlaufen, sollten südlich an den Schwimmstegen der Sportbootvereinigung festmachen. Die Dalben an Backbord sind für Sportboote nicht zu empfehlen.
Auf Helgoland wird es enger. Große Bereiche des Vorhafens und der Südkaje sind fest für Crew- und Versorgungsschiffe der Windpark-Industrie reserviert. Im Vorhafen, von Seglern gern zum Bergen oder Setzen der Segel genutzt, ist mit mehr Schiffsverkehr zu rechnen. Er dient inzwischen primär als Transitraum, das Ankern ist dort nun überall verboten.
Zusätzlich finden regelmäßig Tauch- und Munitionsbergungsarbeiten statt, die zu temporären Sperrungen einzelner Bereiche führen können.
Auf Nordstrand wurde der Sportboothafen Süderhafen in den letzten Jahren konsequent ausgebaut. Er verfügt nun über mehr als 60 Liegeplätze.
Der Hafen hat eine gute Infrastruktur, eine ruhige Lage und ist über einen Damm mit dem Festland verbunden. Nordstrand ist ein echter Geheimtipp für entspannte Tage abseits der touristischen Hauptströme.
Der Hafen Wittdün/Steenodde auf der Insel Amrum weist dank jährlicher Baggerarbeiten mindestens 1,5 Meter Wassertiefe bei Niedrigwasser auf. Segler machen jetzt an Schwimmstegen fest und können online den Liegeplatz buchen und bezahlen. Reservierungen sind aber nicht möglich.
Der Yachthafen Wyk auf Föhr wird ebenfalls ausgebaggert und hat bei Niedrigwasser mindestens 1,20 Meter Wassertiefe. Auch hier können Gastlieger jetzt jederzeit online einchecken und bekommen dann auch den Zugangscode für die sanitären Anlagen.
Nur wenige Gehminuten entfernt wurde 2024 eine neue, 150 Meter lange Seebrücke eröffnet. Von einer XL-Terrasse im Meer führt eine breite Sitztreppe auf eine untere Ebene. Von dort aus ist Baden auch bei Ebbe möglich.
Abends sticht sie mit einer spektakulären Beleuchtung hervor – ein schönes Fotomotiv und ein Logenplatz für die Beobachtung der Gezeiten im Watt.
Der in die Jahre gekommene Hafen von Hörnum auf Sylt wollte lange so gar nicht in das Bild von einer mondänen Insel passen. Aber nun gibt es Pläne für eine umfassende Sanierung, die auch neue Aufenthaltsbereiche und Gastronomie umfasst. Wann die Arbeiten beginnen, ist derzeit noch offen. Wichtig für Segler: Der Yachthafen des Sylter Yacht Clubs ist von den Planungen nicht betroffen – seine Anlagen sind in gutem Zustand, und besonders die modernen sanitären Anlagen sowie der „sprechende Hafenautomat" – also ein realer Hafenmeister – sorgen für einen angenehmen Aufenthalt in dem Hafen zwischen Dünen und Strand.
Auch die Sperrung der Ost- und Westmolen seitens des Wasser- und Schifffahrtsamts hat keinen Einfluss auf die Liegeplätze im Yachthafen.
Auf WATTSEGLER.DE findet sich von Hafenführern über Lotungen bis hin zu aktuellen Reviermeldungen alles für die sichere Törnplanung.
Ähnlich auch auf WATTENSCHIPPER.DE, jedoch zusätzlich mit einer interaktiven Seekarte. Sie basiert auf der freien Seekarte „free nautical charts“, enthält darüber hinaus unter anderem auch hochauflösende Satellitenbilder, auf denen sich Priele gut erkennen lassen, und ein Overlay mit den Schutzgebieten im Watt inklusive Befahrensregeln.

Redakteurin Panorama und Reise