WasserpestBinnenreviere vor komplettem Stillstand

David Ingelfinger

 · 03.08.2026

Ein Boot mit Sammelkorb hebt gemähte Wasserpest aus dem Wasser. Die Wasserpest ist eine eingeschleppte Art und wächst extrem schnell. Sie verdrängt andere heimische Wasserpflanzen.
Foto: dpa/pa
​Ein massiver Wildwuchs der Wasserpest blockiert in diesem Sommer zahlreiche deutsche Binnenreviere von der Ruhr bis in den Rhein. Wegen der anhaltenden Hitze und extremer Niedrigwasserstände wachsen die Pflanzen rasant bis an die Oberfläche. Für viele Wassersportvereine ist der laufende Betrieb derzeit nicht mehr möglich.

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In den deutschen Binnenrevieren sind vor allem die Kanadische und die Schmalblättrige Wasserpest als invasive Arten verbreitet. Für Skipper wird der dichte Teppich vielerorts zu einem unüberwindbaren Hindernis. Eine nachhaltige Besserung ist momentan nicht in Sicht.

Niedrigwasser beschleunigt den Wildwuchs

Dass die Wasserpflanze namens Elodea in den Sommermonaten wuchert, ist erst mal kein neues Problem der Segelvereine. Bereits im Jahr 2018 sorgten ähnliche Bedingungen für massive Probleme. In diesem Jahr kommt jedoch die extreme und lang anhaltende Hitze hinzu. Ein sehr warmer Frühsommer trifft auf stark sinkende Pegelstände, die am Rhein mancherorts beinahe historische Tiefpunkte erreichen.

Die Sonne gelangt bis auf den Boden der Flüsse, was das Wachstum der Wasserpest massiv beschleunigt. Betroffen sind vor allem strömungsarme Buchten und Häfen. Mittlerweile schlägt das Kraut jedoch selbst in den Flussarmen Wurzeln, in denen durchaus noch eine spürbare Strömung herrscht, die das Anwachsen in den vergangenen Jahren noch verhindert hatte.

Manövrierunfähigkeit für Segler und Motorboote

Die Folgen für den praktischen Betrieb auf dem Wasser am Rhein sind gravierend. Hafenmeister Klaus Dosch vom Segelclub Mainspitze erklärt, dass bei ihnen das Ablegen im Moment nicht mehr möglich sei: „Sobald man ablegt, verfangen sich die Schrauben oder das Ruderblatt im Kraut.“ Wenn im Hafen nicht regelmäßig gerupft werde, komme kein Boot mehr sicher aus der Box.

„Du bist manövrierunfähig. Das ist wirklich eine Katastrophe“, so der Hafenmeister weiter. Aus Sicherheitsgründen bleiben die Yachten momentan deshalb fest an den Stegen vertäut. Der normale Trainingsbetrieb und Regatten fallen vielerorts aus. Das Phänomen betrifft den gesamten Wassersport. Während am Rhein die Antriebe blockieren, musste am Essener Baldeneysee wegen des starken Krautwuchses sogar eine Juniorenmeisterschaft im Rudern verlegt werden.

Wasserpest: Keine Lösung in Sicht

Vielerorts werden nun Mähboote eingesetzt, um der starken Ausbreitung der Wasserpest entgegenzuwirken. Eine nachhaltige Lösung ist das jedoch nicht. Die Pflanze verbreitet sich rasant und wächst schnell wieder nach. Jedes kleinste Stückchen, das abmäht wird und auf dem Grund der Seen und Flüsse zurück bleibt, zieht zudem sofort wieder Wurzeln und wächst an. Wenn also nicht der gesamte Abfall nach einer Mähaktion feinsäuberlich an Land gebracht wird, kann die Pflanze noch stärker zurückkommen als vorher.

Zudem sorgt ein massiver Engpass bei den Geräten für Frust, da die wenigen Spezialboote in dieser Saison, zumindest am Rhein, restlos ausgebucht sind. Ein professioneller Mähgang schlägt mit Kosten von rund 10.000 Euro zu Buche, was für kleinere Vereine kaum bezahlbar ist. Dem Verein an der Mainspitze bleibt also nur die aufwendige Handarbeit mit Grundrechen, um schmale Fahrrinnen manuell freizuhalten. Ein natürliches Ende der Plage ist erst für Ende August absehbar, wenn die Pflanzen im normalen saisonalen Zyklus absterben.


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Weit entfernt von den Küsten im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen, fand David Ingelfinger erst im Alter von elf Jahren auf den niederländischen Gewässern zum Segelsport. Was als Familienurlaub ohne großartige Vorkenntnisse begann, mündete in einer steilen Lernkurve, aus der die dauerhafte Leidenschaft fürs Segeln entsprang. Seine praktischen Erfahrungen festigte er über die Jahre mit dem Erwerb des SKS und zahlreichen Meilen als Skipper auf Charteryachten im Ijsselmeer, der Nordsee sowie im Mittelmeer. Nach seinem Studium der Publizistik schlägt er nun die Brücke zwischen dem journalistischen Handwerk und der Praxis auf dem Wasser und bringt seine Begeisterung für den Sport als Volontär in die Redaktion der YACHT ein.

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