Deutschland

Tunnelbau im Fehmarnbelt: Wandernde Baustellen

Ursula Meer

 · 01.12.2021

Tunnelbau im Fehmarnbelt: Wandernde BaustellenFoto: Femern A/S

Im Fehmarnbelt wird es auf Jahre eng. Wie sich derTunnelbau für Segler auswirkt

Seit Anfang Juli gibt es zwischen Fehmarn und Lolland neue Sperrgebiete: Der Bau des Fehmarnbelt-Tunnels nimmt Fahrt auf, die Aushubarbeiten haben begonnen. Am Montag begannen auch auf deutscher Seite offiziell die Bauarbeiten mit dem ersten Spatenstich.

Segler haben in den kommenden Jahren im Belt einiges zu beachten. Denn der Tunnel wird nicht unterirdisch gebohrt, sondern von der Meeresoberfläche aus gebaut.

Dazu wird erst ein etwa zwölf Meter tiefer Graben am Grund der Ostsee ausgehoben, in den danach 89 Tunnelelemente von je 217 Meter Länge abgesenkt werden. Anschließend wird der Tunnel mit einer Steinschicht bedeckt. Er soll bis 2029 fertiggestellt sein, die Offshore-Arbeiten dauern bis 2027.

Was Segler beachten müssen

  Aufmerksamkeit ist gefragt: Von Schuten über Sperrgebiete bis zum Revierfunk ist vieles neu im BeltFoto: YACHT
Aufmerksamkeit ist gefragt: Von Schuten über Sperrgebiete bis zum Revierfunk ist vieles neu im Belt
Foto: Femern A/S

1 Derzeit wird der Graben zum Absenken der Elemente ausgehoben. Dazu wurden Sperrgebiete eingerichtet, die im Zug der Baumaßnahmen wandern werden. Achtung: Die Sperrgebiete gibt es erst seit Juli, sie erscheinen nur in aktualisierten Seekarten.

Foto: Femern A/S

2 Mit Schuten wird der ausgehobene Meeresgrund nach Lolland zu dortigen Landgewinnungsflächen transportiert. Es ist mit durchschnittlich vier Schiffen (Schuten, Schleppern, Vermessungsfahrzeugen) pro Stunde zu rechnen. Auch östlich von Puttgarden wird Land aufgeschüttet. Der Querschnitt des Sundes wird sich an diesen Stellen ändern.

Foto: Femern A/S

3 Vor Rødbyhavn wurden zwei neue Sperrgebiete eingerichtet, in denen die Offshore-Bauarbeiten ausgeführt werden. Nur am Bau beteiligte Fahrzeuge dürfen einfahren.

4 Voraussichtlich von 2024 bis 2026 werden ein bis zwei Tunnelelemente pro Woche abgesenkt. Dazu wird ein Vorhaltebereich eingerichtet, also ein weiteres Sperrgebiet. Die Tunnelelemente selbst werden östlich von Rødbyhavn produziert und über den Arbeitshafen abtransportiert.

5 Rund um Rødbyhavn ist neben regem Fährbetrieb nun auch mit reichlich Baustellenverkehr zu rechnen. Der Arbeitshafen soll bis Ende 2021 fertiggestellt sein. Von hier aus werden die Tunnelelemente-Fabrik versorgt und später auch die Tunnelelemente abtransportiert. Die Arbeitsfahrzeuge bewegen sich östlich der Tunneltrasse.

Foto: Femern A/S

6 Der Verlauf des Tunnels wird – wie Pipelines und Kabeltrassen – in den Seekarten markiert und mit einem Ankerverbot versehen. Der Meeresboden soll nach Abschluss des Tunnelbaus ebenso tief sein wie bisher.

7 Die Schifffahrtsroute soll während der Bauzeit zu keiner Zeit vollständig gesperrt werden. Der Verkehr wird jeweils um die Bauarbeiten herumgeleitet.

Foto: Femern A/S

8 Der Bau eines Arbeitshafens in Puttgarden soll noch 2021 beginnen.

9 Auch im Fehmarnsund ist ein Tunnel geplant. Die Fehmarnsundbrücke bleibt für langsamen Autoverkehr, Fußgänger und Radfahrer erhalten.

So navigieren Sie sicher:

Eigens für die Sicherung des Verkehrs im Zuge der Baumaßnahmen wurde eine deutsch-dänische Verkehrsleitzentrale mit dem Rufnamen „Fehmarnbelt Traffic“ auf Kanal 68 eingerichtet. Skipper werden gebeten, sich bei der Einfahrt in den Belt dort anzumelden und Hörwache in Dual Watch mit Kanal 16 zu halten.

In der Nähe der Arbeitsbereiche ist rund um die Uhr der Assistenzschlepper „Fairplay 31“ stationiert. Fahrzeuge, die einen technischen Defekt erleiden, der die Manövrierfähigkeit innerhalb des Bereichs behindert, können ihn über „Fehmarnbelt Traffic“ anfordern. Der Abschleppdienst ist laut Angaben des Bauträgers kostenlos.

Die Aushubarbeiten erfolgen stets in zwei Arbeitsbereichen entlang der Tunneltrasse. Es wird also nicht fortlaufend in eine Richtung, etwa von Nord nach Süd, gegraben. Die Lage der jeweils aktuellen Sperrzonen wird in den „Bekanntmachungen für Seefahrer“ und bei der „Danish Maritime Authority“ veröffentlicht. Vor jeder Fahrt müssen nautische Informationen eingeholt und Karten aktualisiert werden.

Akuelle Infos unter: www.elwis.de und www.dma.dk.

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