Ein Buckelwal ist an der Ostseeküste in der Lübecker Bucht gestrandet. Das Tier wurde in der Nacht zum Montag (23. März 2026) im Ortsteil Niendorf der Gemeinde Timmendorfer Strand entdeckt, wie die Polizei mitteilte. Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Tier möglicherweise um den Buckelwal, der zuletzt mehrfach in der Ostsee vor der deutschen Küste gesichtet worden war – unter anderem bei Wismar und in der Lübecker Bucht.
Demnach wurde der Buckelwal gegen 1.50 Uhr in der Nacht vor Niendorf gesichtet. Der Wal wurde in der Nacht entdeckt, nachdem ein nahegelegenes Hotel ungewöhnliche Geräusche gemeldet hatte. Seitdem ist der Strandabschnitt in Niendorf in der Gemeinde Timmendorfer Strand großräumig abgesperrt. Polizei und Feuerwehr sind im Dauereinsatz, unterstützt von Fachleuten des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), der Deutschen Meeresstiftung sowie einem Team der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. Auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt machte sich vor Ort ein Bild der Lage.
Helfer versuchten von Mittag bis in die Nacht hinein, den Wal in tieferes Wasser zu bringen – ohne Erfolg. Im Einsatz waren Polizeiboote, Schlauchboote, Drohnen der Feuerwehr sowie Experten des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Tierärztlichen Hochschule Hannover in Büsum.
Am Nachmittag begutachteten Experten des ITAW das Tier. Sie sollen sich dem Wal zusammen mit der Feuerwehr mit Schlauchbooten genähert haben. Der Wal habe sich dabei mit der Schnauze in Richtung der offenen Bucht gedreht. Das sei ein wichtiger Schritt gewesen, um ihn zurück ins Gewässer zu bringen.
Doch kurz darauf sollen kräftige Wellen aufgekommen sein. Sie hätten gegen das Tier gepeitscht und es so wieder ein Stück weiter auf die Sandbank gedrückt. Anschließend seien Boote der Küstenwache etwa 150 Meter entfernt von dem Wal mit hoher Geschwindigkeit gefahren. Sie sollen versucht haben, auf diese Weise Wellen zu erzeugen, damit sich das Tier, das mit Brust und Bauch auf der Sandbank aufliegt, frei schwimmen kann. Doch auch das sei ohne Erfolg geblieben. Den tonnenschweren Wal freizuschleppen ist keine Option; das Verletzungsrisiko ist zu groß.
"Um das Tier jetzt nicht weiter zu stressen, haben wir das abgebrochen und der Wal soll sich jetzt ein bisschen erholen", erklärte Stephanie Groß, Expertin am ITAW, am frühen Montagabend. Man wolle die Hoffnung aber nicht aufgeben und es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen. Wenn das nicht klappe, gebe es noch das Hochwasser gegen Mitternacht. "Vielleicht kann er sich dann auch noch mal selbst befreien." Tatsächlich konnte der Wal ein der Nacht etwas in Richtung Fahrrinne gelangen. Er kehrte aber zurück auf die Sandbank.
Die Situation ist kritisch. Nach Einschätzung der Helfer verschlechtert sich der Zustand des Tieres von Stunde zu Stunde. Immer wieder sind tiefe, dumpfe Laute zu hören. Der Wal wirkt deutlich geschwächt, hebt und senkt seinen massigen Körper nur noch langsam beim Atmen. "Der Buckelwal sieht von der Haut nicht sehr gut aus", führte Groß aus. Der Wal könne krank, verletzt oder erschöpft sein. Es sei aber auch möglich, dass das Tier schlicht unglücklich in den Flachwasserbereich geraten sei. Denkbar sei auch, dass Unterwasserlärm seine Orientierung beeinträchtigt hat. Dennoch sei es einen Versuch wert, das Tier – falls möglich – zu befreien. Das wiederum könne sich erfahrungsgemäß über Tage hinziehen. Starke westliche Winde jedoch lassen Vorhersagen zufolge den Wasserstand bereits heute um bis zu 30 Zentimeter schwinden, bis Donnerstag gar um 60 Zentimeter, was eine Rettung massiv erschweren dürfte.
Um den Wal nicht unnötigem Stress auszusetzen, hat die Polizei den Strandabschnitt sowie den Bereich um den Niendorfer Hafen weiträumig abgesperrt. Die Behörden appellieren eindringlich an Schaulustige, sich dem Tier weder zu Land noch zu Wasser noch aus der Luft - etwa mit Drohnen - zu nähern.
"Wir wissen ziemlich sicher, dass es ein Buckelwal ist, weil wir das Tier jetzt in der Gänze gesehen haben", sagt Sprecher Sven Biertümpfel von Sea Shepherd. Vermutlich handele es sich um einen jungen Walbullen, weil die männlichen Tiere im Gegensatz zu den Kühen auf "Wanderschaft" sind. Die Ostsee ist für Buckelwale kein natürlicher Lebensraum, da der Salzgehalt im Wasser zu gering ist.
Es werde vermutet, dass es sich bei dem Wal um dasselbe Tier handelt, das bereits seit einiger Zeit immer wieder in der Ostsee gesichtet wird. Zuerst sei er Anfang des Monats im Wismarer Hafen entdeckt worden. Damals hatten Einsatzkräfte den Wal weitgehend von einem Netz befreit, in dem er sich zuvor verfangen hatte.
Am vergangenen Freitag ist derselbe Wal vor Travemünde von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd von weiteren Netzresten befreit worden, wie die Organisation mitgeteilt hatte. "Wir konnten tatsächlich einen Teil der Leine noch entfernen mit unserem Spezialwerkzeug", sagte Christin Otto von Sea Shepherd. Die restlichen Leinen konnte am Montag die Feuerwehr Niendorf beseitigen.
Die Strandung des Buckelwals ist nicht die einzige bemerkenswerte Walsichtung in der Ostsee in jüngster Zeit. Im April 2024 verirrte sich ein großer Meeressäuger nach Kiel und Glückstadt. Im Øresund, der Meerenge zwischen Dänemark und Schweden, wurde am 8. September 2024 ebenfalls ein Buckelwal gefilmt. Auch in der Flensburger Förde sorgten am Freitag, den 8. September 2024, zwei Buckelwale für Aufsehen. Sie verirrten sich sogar bis in den Glücksburger Sporthafen, wo Segellehrer Jan Philip Leon von der Hanseatischen Yachtschule Glücksburg die beeindruckende Szene filmte. Experten schätzten, dass es sich um ein Jungtier mit seiner Mutter handelte, wobei das größere Tier über zehn Meter lang gewesen sein soll. Im April letzten Jahres wurde vor Hiddensee ein Buckelwal von einem Angler gesichtet.
Einer Übersicht der Deutschen Stiftung Meeresschutz zufolge wurden in den letzten Jahrzehnten auch Belugas, Narwale und Zwergwale in der Ostsee gesichtet. Zuletzt wurde am 4. Januar in der Flensburger Förde ein Finnwal im Bereich Mürwik von einem Behördenboot entdeckt. Der Wal wird auf eine Größe von rund 17 m geschätzt.
Die Ostsee ist für Buckelwale kein natürlicher Lebensraum. Der Salzgehalt im Wasser ist zu gering und kann die Haut der Tiere schädigen. Zudem gibt es nicht genug Nahrung für die Meeresriesen – es fehlt an ausreichenden Vorkommen von Krill und Schwarmfischen. Auf der Suche nach Futter können die Wale stark abmagern und an Unterernährung leiden. Hinzu kommen Gefahren durch den dichten Schiffsverkehr, Fischernetze und Unterwasserlärm.
Warum die Tiere dennoch ihren Weg in das Binnenmeer finden, ist unklar. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Tiere Fischschwärmen folgen, die aus der Nordsee in die Ostsee gelangen. Dr. Jan Dierking vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung erklärte gegenüber der Deutschen Stiftung Meeresschutz, dass "kleinere Einströme aus der Nordsee mit kurzfristig guter Nahrungsverfügbarkeit" die Meeressäuger anlocken können.
Buckelwale sind im Frühjahr normalerweise auf Wanderung von ihren Überwinterungsgebieten im Süden zu den Nahrungsgründen im hohen Norden. Möglicherweise verirren sich dabei einzelne Tiere und gelangen in die Ostsee. Besonders junge männliche Wale, die auf Erkundungsfahrt sind, können vom Kurs abkommen.
So bleibt nicht nur ungewiss, ob der Buckelwal aus seiner akuten Notlage befreit werden kann. Auch danach wären seine Überlebenschancen eher gering.
Das Deutsche Meeresmuseum bittet um Meldungen, wann immer Skipper Meeressäugern - auch den kleineren Schweinswalen oder Robben - begegnen, und möglichst viele Fotos zu machen. Beides kann wertvolle Daten für Forscher liefern und das Verständnis für die Bewegungen der Meerestiere verbessern. Wer wissen möchte, wo sich Schweinswal, Tümmler & Co bevorzugt tummeln, kann einen Blick in die Sichtungskarte des Meeresmuseums werfen.

Redakteurin Panorama und Reise