Steinhuder Meer1,5 Millionen Kubikmeter mehr Schlamm

Jill Grigoleit

 · 11.08.2026

Steinhuder Meer: 1,5 Millionen Kubikmeter mehr SchlammFoto: VESM, Verein zum Erhalt des Steinhuder Meeres
Neue Messungen zeigen, dass die Verlandung am Steinhuder Meer weiter voran schreitet.
Das Steinhuder Meer, Niedersachsens größtes Binnengewässer, verschlammt zunehmend. Das zeigen neuste Messungen des Vereins zum Erhalt des Steinhuder Meeres (VESM), der sich für die Entnahme größerer Mengen Schlamm einsetzt. Der neue Seeentwicklungsplan des Landes setzt auf eine Kombination aus Baggern und weniger Nährstoffeinträgen.

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Die Verschlammung des niedersächsischen Segelreviers schreitet weiter voran. Das belegen nun neue Messungen des Vereins zum Erhalt des Steinhuder Meeres (VESM): Danach liegen inzwischen 15 bis 16 Millionen Kubikmeter Schlamm auf dem Grund des Sees. Bei der letzten vergleichbaren Messung 2019 waren es 14,4 Millionen Kubikmeter. Damit hätte sich die Schlammmenge innerhalb von sieben Jahren um rund eine bis 1,5 Millionen Kubikmeter erhöht.


Vor einem Jahr hatten wir über die Ursachen der Verschlammung des Reviers und die Bemühungen des Vereins berichtet:


​1000 Kilometer Messstrecke

Die Messungen wurden von Ende März bis Anfang Juli 2026 durchgeführt. Nach Angaben des Vereins wurden in ca. 1.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden knapp 1.000 Kilometer Messstrecke mit Echolot und GPS erfasst. Mehr als 1.100 zusätzliche Kontrolllotungen per Hand sollten die Ergebnisse absichern. Dabei hätten mehr als 90 Prozent der Kontrollmessungen die Echolotdaten bestätigt. Das Büro SPE Dredging Solution GmbH, das bereits die letzte Messung 2019 durchgeführt hatte, stellte die Messapparatur (die selben wie damals) und wertete die Ergebnisse auf die selbe Art und Weise aus wie vor sieben Jahren um eine direkte Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Das Ergebnis ist laut VESM eindeutig: “die Schlammentnahmen der letzten Jahre waren eindeutig zu wenig. Die Nutzungsprobleme haben sich dadurch verstärkt.”

Parallel dazu haben die zuständigen Behörden im Rahmen des neuen Seeentwicklungsplans ebenfalls eine erneute Tiefenvermessung vorgenommen. Sie kommen zu einem ähnlichen grundsätzlichen Befund: In weiten Bereichen habe die “Mächtigkeit der Schlammschicht” zugenommen. Gleichzeitig gebe es auch Bereiche, in denen weniger Sediment festgestellt wurde. Die Struktur der tieferen Rinnen, der sogenannten Deipen, sei weitgehend unverändert geblieben.

​Jedes Jahr kommt mehr Schlamm hinzu

Das eigentliche Problem aber wird beim Blick auf die jährliche Bilanz deutlich. Nach Angaben des Landes entstehen im Steinhuder Meer derzeit schätzungsweise 52.000 bis 64.000 Kubikmeter neuer Schlamm pro Jahr. Seit 1980 wurden aber durchschnittlich nur rund 30.000 bis 40.000 Kubikmeter jährlich entfernt. Die jetzt festgestellte Zunahme ist also nicht verwunderlich. Der neue Seeentwicklungsplan II will deshalb künftig stärker gegensteuern. Die Entschlammung soll sich zukünftig an der tatsächlichen Neubildung orientieren und gezielt dort erfolgen, wo die Sedimente die Nutzung und Unterhaltung des Sees besonders beeinträchtigen. Das bedeutet allerdings zunächst nur, dass die jährliche Neubildung ausgeglichen werden soll. Der bereits vorhandene Schlammberg von bis zu 16 Millionen Kubikmetern würde dadurch nicht kleiner.

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​Weniger Nährstoffe, weniger neuer Schlamm

Das Land setzt aber nicht allein auf Bagger. Ein wesentlicher Teil des Problems sind nach den Berechnungen des Seeentwicklungsplans die Nährstoffeinträge. Rund 2000 Kilogramm Phosphor gelangen derzeit jedes Jahr in den See. Ziel sind nur noch etwa 520 Kilogramm. Dafür sind verschiedene Maßnahmen an den Zuflüssen geplant. Die Logik dahinter: Weniger Nährstoffe sollen langfristig auch die Bildung neuen Schlamms bremsen. Dem VESM geht das nicht weit genug. Der Verein fordert angesichts der neuen Messwerte eine deutlich intensivere Entschlammung und zusätzliche Möglichkeiten zur Lagerung des Baggerguts.

Wohin mit dem Schlamm?

Der abgebaggerte Schlamm muss im Wassereinzugsgebiet des Meeres verbracht werden, damit eine Entwässerung zurück ins Meer möglich ist. Eine Erweiterung des Polders Kolkdobben würde allerdings laut VESM nicht ausreichen. Schon im vergangenen Jahr schlug der Verein daher eine Fläche im Toten Moor vor. Ein Großteil der Fläche sei bereits vorentwässert und befinde sich in Abtorfung. Laut Verein könne man mit einer kleinen Fläche beginnen, die bis ca. einen Meter mit Schlamm befüllt wird. Nach einigen Jahren des Vegetationswachstums ließen sich dort Moormoose ansiedeln. Der Verein ist sich sicher: Nur mit einer deutlich größeren jährlichen Entschlammung könne das Meer für die nächsten Generationen gerettet werden.

Was bedeutet das für Segler?

Von heute auf morgen wird das Steinhuder Meer wohl nicht unbefahrbar werden. Die Behörden betonen, dass die wichtigen Deipen in ihrer Struktur weitgehend erhalten geblieben sind. Für den Segelsport bleibt die Entwicklung dennoch relevant. Das Steinhuder Meer ist ohnehin extrem flach. Schon vergleichsweise geringe Veränderungen der Wassertiefe können deshalb darüber entscheiden, welche Bereiche mit einem Kielboot noch sicher befahrbar und ob beispielsweise Regatten möglich sind. Ernst Greten, Vorsitzender des Vereins zum Erhalt des Steinhuder Meers (VESM): “Wenn das so weiter geht, können wir hier keine fairen Regatten mehr abhalten. Eine Katastrophe für den Segelsport in der Region.”

Der neue Seeentwicklungsplan berücksichtigt ausdrücklich auch den Wassersport. Ziel sei, das Steinhuder Meer sowohl als wertvollen Naturraum als auch als nutzbares Gewässer zu erhalten. Ob die geplante Kombination aus Entschlammung und Maßnahmen gegen die Nährstoffeinträge dafür ausreicht, muss sich erst zeigen.


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Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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