SchleifähreStart der Missunde III erneut verschoben

Jill Grigoleit

 · 31.03.2026

Schleifähre: Start der Missunde III erneut verschobenFoto: Paarmann/LKN.SH
Die neue Elektrofähre Missunde III kann nicht wie geplant am 1. April in Betrieb gehen. Bei Testfahrten in der vergangenen Woche zeigten sich erneut Probleme beim Anlegen. Die Landkeile müssen nachgerüstet werden. Einen neuen Starttermin gibt es nicht.

Die Pannen-Serie der neuen Elektrofähre Missunde III auf der Schlei reißt nicht ab. Kurz vor dem geplanten Start am morgigen 1. April teilte der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein gestern (30. März) mit, dass das Zusammenspiel zwischen Fähre und Anlegern noch nicht zuverlässig funktioniere. Bei Testfahrten in der vergangenen Woche habe sich gezeigt, dass insbesondere bei beladener Fähre Nachbesserungen an den sogenannten Landkeilen erforderlich seien. Das Anlegen erzielte bei idealen Witterungsbedingungen und mit einer unbeladenen Fähre zwar gute Ergebnisse. Mit einer Beladung von rund 40 Tonnen zeigten sich jedoch Probleme. Der LKN arbeite daran, das Zeitfenster für die Unterbrechung der Fährlinie so klein wie möglich zu halten. Einen neuen Starttermin nennt das Land derzeit nicht. Seit dem 4. März 2026 ist der Fährbetrieb zwischen Brodersby und Kosel bereits eingestellt. Die Verzögerung reiht sich in eine Serie von Problemen rund um das Projekt ein.


Die Chronologie des Fähr-Fiaskos an der Schlei:


Die Chronik des Fährdebakels an der Schlei

Bereits in der Vergangenheit hatte es mehrfach Verzögerungen gegeben. Bei den ersten Testfahrten hatte sich herausgestellt, dass die Missunde III bereits bei mäßigen Windgeschwindigkeiten nicht sicher anlegen konnte. Daraufhin hatte das Land umfassende Umbauarbeiten in Auftrag gegeben. Die umgebaute Elektrofähre hat laut LKN vier zusätzliche Querstrahlruder erhalten. Auch die Batteriekapazitäten wurden erhöht. Die Umbaukosten betrugen 1,3 Millionen Euro. Im Januar versicherte das Land, die Umbaumaßnahmen mit externen Ingenieuren besprochen zu haben und die richtigen Lösungsansätze gefunden zu haben. Nun aber erklärte LKN-Sprecher Wolf Paarmann in einer Mitteilung: „Die Maßnahmen, die wir an der Fähre durchgeführt haben, sind erfolgreich gewesen. Aber das Zusammenspiel mit den Anlegern funktioniert noch nicht wie gewünscht."

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Anleger müssen nachgerüstet werden

Nach Angaben des LKN müssen die Anleger angepasst werden, da die neue Fähre größer sei als die dieselbetriebene Missunde II. Die neue Schleifähre ist leiser, emissionsfrei und deutlich größer als ihre Vorgängerin, die im Jahr 2003 in Dienst gestellt wurde. Erstmals sollen damit auch Reisebusse und landwirtschaftliche Fahrzeuge über die Schlei übersetzen können. Zwischen Brodersby und Kosel werden pro Jahr rund 120.000 Fahrzeuge und rund 50.000 Fahrräder übergesetzt. Die Fährverbindung ist für die Region von großer Bedeutung. Der Betreiber der Marina in Brodersby, Christian Janik, kündigte bereits an, rechtliche Schritte gegen das Land einleiten zu wollen. Die Verzögerungen hätten katastrophale Auswirkungen auf den Tourismus, gerade jetzt zu Ostern.

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Alte Fähre zurückgekauft

Als Notlösung musste die 23 Jahre alte, dieselbetriebene Missunde II herhalten. Die Fähre war von dem schleswig-holsteinischen Landesbetrieb allerdings schon zuvor für 17.000 Euro nach Dänemark verkauft worden. Im April 2024 kaufte Schleswig-Holstein die altersschwache Fähre für 50.000 Euro notgedrungen wieder zurück – fast das Dreifache des Verkaufserlöses. Im September 2024 bekam der Däne für das Vorkaufsrecht noch einmal 50.000 Euro vom Land Schleswig-Holstein. Janik ist auch Mitglied der Interessengemeinschaft Fähre Missunde. Er fordert: „Unsere Forderung ist, dass schon nächste Woche die Missunde II wieder ins Seil gelegt wird, weil sie die einzige Fähre ist, die betriebsbereit ist." Die gesamten Projektkosten belaufen sich mittlerweile auf mehr als 6,5 Millionen Euro.

Kosten mehr als verdoppelt

Im Jahr 2021 wurde noch mit 2,5 Millionen Euro geplant. Die Umbaukosten an der neuen Fähre betragen laut Land gut 1,3 Millionen Euro. Diese würden aus Rücklagen des Landesbetriebs gedeckt. Ob für die Konstruktionsfehler der LKN oder das damalige Konstruktionsbüro verantwortlich ist, wird nach LKN-Angaben derzeit rechtlich geprüft. Die Missunde III sollte ursprünglich bereits seit Januar 2024 in Betrieb sein. Bei den damaligen Testfahrten stellte sich heraus, dass die 3,3 Millionen Euro teure Hightech-Fähre bei einer Windstärke von mehr als drei Beaufort zu schlingern begann und nicht mehr sicher anlegen konnte. Aus diesem Grund entschied man sich für eine Nachrüstung. Die Frage, was mit den 120.000 Autos und 50.000 Fahrgästen passieren sollte, die die Fährverbindung jährlich nutzen, blieb lange offen.

Testfahrten bei idealen Bedingungen

Seit dem 23. März 2026 war das teure Elektro-Solar-Schiff zu Testzwecken auf der Schlei unterwegs gewesen. Das Anlegen erzielte bei idealen Witterungsbedingungen und mit einer unbeladenen Fähre gute Ergebnisse, teilt der LKN mit. Aber mit einer Beladung von rund 40 Tonnen zeigte sich, dass die Anleger nachgerüstet werden müssen. Der LKN könne aktuell keinen verbindlichen Starttermin benennen, werde aber mit Hochdruck daran arbeiten, das Zeitfenster für die Unterbrechung der Fährlinie so klein wie möglich zu halten. Die Verzögerung bedeutet für die Region eine weitere Belastung. Der Frust in der Bevölkerung sitzt tief. Viele Fragen bleiben offen, wie es mit der Fährverbindung weitergeht.


Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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