Der Rhein ist Heimat für Dutzende Wassersportvereine. Sie haben ihre Anlagen in Schutzhäfen, am Ufer oder in den Altarmen. Vielerorts sind die Pegelstände inzwischen so gering, dass die Zufahrten nicht mehr schiffbar sind oder sogar die Stege trocken liegen. Insgesamt melden derzeit bereits knapp die Hälfte der Pegel entlang des Rheins extrem niedrige Wasserstände.
Noch schwerwiegender trifft das Rekordniedrigwasser jedoch die Berufsschifffahrt auf Europas wichtigstes Güterwasserstraße. Statt voll abgeladen mit bis zu 3.000 Tonnen Fracht unterwegs zu sein, können die Schiffe derzeit nur deutlich weniger transportieren und zum Teil gerade mal ein Viertel ihrer Kapazität ausnutzen, um den Tiefgang möglichst gering zu halten.
Der wirtschaftliche Schaden ist schon jetzt immens: Verschiedene Organisationen, wie das Institut der Deutschen Wirtschaft oder das Kiel Institut für Weltwirtschaft, sehen die Verluste im Bereich von 0,1 bis 0,4 Prozent geringeren Wachstums des Bruttoinlandsprodukts – auch deshalb, weil es keinen gleichwertigen Ersatz für den Transportweg auf dem Wasser gibt. Das Minus wäre nach Expertenansicht ein empfindlicher Konjunkturdämpfer angesichts der ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Gesamtsituation.
Aus diesem Grund hat der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) heute zu einem Krisentreffen eingeladen. In Bonn trifft er sich heute zum Austausch mit Vertretern der Schifffahrts- und Hafenindustrie, um die aktuelle Lage gemeinsam zu bewerten – besonders im Hinblick möglicherweise weitere bevorstehende heiße Wochen mit wenig Niederschlag.
Doch auch wenn der bereits 2019 erstellte “Aktionsplan Niedrigwasser Rhein” beschleunigt oder angepasst werden sollte, dürften schnelle Lösungen dürften kaum zu erwarten sein. Parallel beraten auch die Verkehrsminister der Bundesländer auf einer digitalen Konferenz über das Niedrigwasser.

Ressortleiter Reise
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.