Revier-ReportAktuelles zum Saisonstart in zehn Binnenrevieren

Nils Leiterholt

 · 01.05.2024

Die Müritz ist landschaftlich von kleinen Ortschaften und Waldgebieten geprägt und ein ganz besonderes Segelrevier
Foto: stock.adobe.com/Sina Ettmer
Neue Regeln, überholte Hafenanlagen, Liegeplätze und Wasserstände. Was sich zum Saisonstart auf Deutschlands beliebtesten Binnenrevieren getan hat und was Segler in Vereinen und Ausbildungsstätten dort von der Saison 2024 erwarten dürfen

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Mit den ersten Sonnenstrahlen steigt die Vorfreude auf die beginnende Segelsaison und es geht an die Vorbereitungen, zu denen im Binnenland auch die Information über die aktuellen Wasserstände gehört. Denn die kann darüber Aufschluss geben, ob im Sommer noch genug Wasser da sein wird, um auf dem jeweiligen See zu segeln. Wir haben uns für Sie umgehört und dabei noch viele andere Neuigkeiten erfahren, die für den Segelsport auf den wichtigsten deutschen Binnenrevieren von Bedeutung sind.

Außenalster

  • Wasserfläche: 1,6 km²
  • Wasserinhalt: 3,4 Mio. m³
  • Tiefste Stelle: 4,54 m
  • Bundesland: Hamburg

Die Außenalster liegt mitten im Hamburger Stadtgebiet und ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für den Feierabend oder ganze Wochenenden. Für Segler ist sie ein echtes Mikro-Revier. Hier gibt es viele Möglichkeiten, aufs Wasser zu kommen. Dazu gehören Bootsvermietungen, Segelschulen und -vereine. An der Alster ansässig ist unter anderem der Norddeutsche Regatta Verein (NRV). Er wurde 1868 gegründet und gehört mit etwa 2.200 Mitgliedern zu den größten deutschen Segelvereinen. Das „NRV Olympic Team“ hat schon viele Medaillen in die Hansestadt geholt.

Ein anderer Verein, der an der Alster heimisch ist, ist der Hamburger Segel-Club (HSC). Der steht – wie die anderen Alster-Vereine auch – vor entscheidenden Veränderungen: Seit Anfang November gilt in Hamburg die „Verordnung zur Einführung der emissionsfreien Alsterschifffahrt“. Daniel Hosse, Schatzmeister des HSC, berichtet von den Herausforderungen: „Wir sind sehr gespannt, ob es die batteriebetriebenen Boote wirklich schaffen, unserem Regatta-Alltag und den sonstigen Aufgaben standzuhalten.“ Für Motorboote, die beim HSC vor allem als Begleit- und Absicherungsboote genutzt werden, gibt es jedoch eine Übergangsfrist.

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Wannsee

  • Wasserfläche: 2,82 km²
  • Wasserinhalt: 15,416 m³
  • Tiefste Stelle: 9,79 m
  • Bundesland: Berlin

Der Wannsee liegt im Südwesten Berlins und gehört zweifelsohne zu den bekanntesten Binnengewässern Deutschlands. Aufgrund seiner Lage ist er eines der liebsten Ausflugsziele der Hauptstädter. Auf dem Wannsee kann vor romantischer Kulisse an alten Villen vorbeigesegelt werden. Etwa an jenem historischen Haus, in welchem sich mit der Wannsee-Konferenz ein trauriger Tiefpunkt der Geschichte ereignete. Die seglerische Infrastruktur rund um den Wannsee ist umfassend, außerdem ist mit dem Verein Seglerhaus am Wannsee der nach eigenen Angaben zweitälteste Segelverein Deutschlands hier beheimatet.

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Bodensee

  • Wasserfläche: 536 km²
  • Wasserinhalt: 50 Mio. m³
  • Tiefste Stelle: 254 m
  • Bundesländer: Baden-Württemberg und Bayern

Der Großteil des Bodensees liegt auf deutscher Seite in Baden-Württemberg. Der Teil in Bayern ist deutlich kleiner. Das „Schwäbische Meer“ ist im Durchschnitt 80 Meter tief, die tiefste Stelle liegt zwischen Fischbach und Uttwil. Der See besteht aus zwei Teilen, dem Ober- und dem Untersee, die durch den Seerhein verbunden werden. Vor Ort gibt es einige bekannte Segelvereine, etwa die vier Segel-Bundesliga-Vereine Bodensee-Yacht-Club Überlingen, Konstanzer Yacht Club, Segel- und Motorboot Club Überlingen und Württembergischer Yacht-Club.

Die Seglergemeinschaft Überlingen (SGÜ) hingegen ist ein kleinerer, auf Familien und Breitensport ausgerichteter Verein. Jürgen Eulenpesch von der SGÜ berichtet vom notorischen Liegeplatzmangel am See: „Das ist ein großes Thema, die werden vererbt oder – wie hier im städtischen Hafen von Überlingen – nach einem Punktesystem vergeben.“ In den vergangen Jahren habe es auch Probleme mit dem Wasserstand gegeben. „Wie es diese Saison wird, kann ich noch nicht sagen, der Wasserstand ist hier auch nicht durch einen Staudamm oder Ähnliches zu steuern“, so Eulenpesch.

Chiemsee

  • Wasserfläche: 79,9 km²
  • Wasserinhalt: 2,048 km³
  • Tiefste Stelle: 73 m
  • Bundesland: Bayern

Im Chiemsee liegen drei Inseln: Die Herreninsel ist die größte, auf ihr steht auch das Neue Schloss Herrenchiemsee, das König Ludwig II. ab 1878 erbauen ließ. Die Fraueninsel mit dem historischen Benediktinerinnenkloster ist die zweitgrößte, die unbewohnte Kraut­insel die kleinste. Das „Bayerische Meer“ liegt knapp 90 Kilometer von München und knapp 60 Kilometer von Salzburg entfernt. Am Chiemsee betreibt der Deutsche Hochseesportverband Hansa (DHH) eine Yachtschule in Prien, sie wird von Michael Wimmer geleitet. Der erklärt im Gespräch, dass sich der Wasserpegel bei ihnen schnell verändere: „Bei der Schneeschmelze im Frühjahr, vor allem wenn es dann auch noch regnet, kann es schnell vorkommen, dass unsere Stege im April, Mai oder Juni unter Wasser stehen.“

Mit dem Wassermangel, so Wimmer, hätten sie am Chiemsee weniger Probleme als an anderen Orten. Das führt er auf die Berge zurück, die sogenannte Stauwetterlagen auslösten, sodass bei ihnen die Wolken länger hängen blieben und es auch im Sommer mal mehrere Tage regnete. Wimmer berichtet: „Unsere Buchungen sind auf einem konstant hohen Niveau, dennoch gibt es Restkapazitäten im Sommer.“ Außerdem hätten sie viele Buchungen von ganzen Familien, bei denen Eltern und Kinder getrennte Kurse besuchen und sich zum Essen und nach dem Segelunterricht treffen würden. Die DHH-­Yachtschule bietet auch die Unterkunft an, sodass Familien einen „Rundum-sorg­los-Segel­urlaub“ verbringen können. Außerdem, so Wimmer, hätten sie viele Schulklassen, die sie besuchten. Diese Buchungen seien, so berichtet er, teils über Jahre ausgemacht.

Starnberger See

  • Wasserfläche: 56,36 km²
  • Wasserinhalt: 2,998 km³
  • Tiefste Stelle: 127,8 m
  • Bundesland: Bayern

Die geografische Lage des Starnberger Sees zieht viele Bewohner und Touristen aus dem knapp 40 Kilometer entfernten München an sein Ufer und auf das Wasser. Aufgrund der durchschnittlichen Tiefe von 57 Metern und der großen Fläche des Starnberger Sees ist er nach dem Bodensee der wasserreichste See Deutschlands. Am Starnberger See gibt es verschiedene Segelvereine wie den Bayerischen Yacht-Club (BYC). Der Wasserstand, berichtet Fabian Duttler, Club­manager des BYC, sehe im Moment sehr gut aus. „Das hilft uns auf jeden Fall wegen der Seegras-Problematik“, sagt er. Dabei ist das viele Wasser nützlich, da das Seegras zum Wachsen Fotosynthese betreiben muss, und je mehr Wasser vorhanden ist, desto weniger Tageslicht kommt bis zum Seegras durch.

Duttler beschreibt: „Die Vorfreude bei uns am BYC ist riesig. Wir veranstalten dieses Jahr noch zwei Regatten mehr als vergangenes Jahr und kommen damit jetzt auf 21 Events.“ Die sportlichen Highlights, so führt er aus, seien insbesondere die deutsche Meisterschaft im Drachen, Act 3 der Deutschen Junioren Segel-Liga, die Waszp German Open und das Final-Event der Deutschen Segel-Bundesliga. Als ersten Höhepunkt freue man sich auf das traditionelle Ansegeln.

Dümmer See

  • Wasserfläche: 12 km²
  • Wasserinhalt: 14 Mio. m³
  • Tiefste Stelle: 1,4 m
  • Bundesland: Niedersachsen

Mit seiner durchschnittlichen Wassertiefe von 1,20 Metern ist der Dümmer See weit über die Grenzen Niedersachsens bekannt. In 18 unterschiedlichen Hafenanlagen gibt es Platz für über 2.000 Segelboote. Der Dümmer See wird jedes Jahr zum 15. März aufgestaut. Da auf dem Dümmer von Anfang November bis Ende März nicht gesegelt werden darf, ist das für die Segler auf dem See in der Regel auch stets ausreichend. Für Alexander Friese von der Yachtschule Godewind sehen die Vorzeichen für diese Segelsaison gut aus. „Nachdem zwei Monate lang Hochwasser unsere Stege überflutete, sind wir mit einem äußerst hohen Niveau in die Saison gestartet“, berichtet er. Wegen des Hochwassers hätten sie aber auch erst sehr spät mit den Vorbereitungen auf die neue Saison starten können, so Friese. Dennoch seien sie gut vorbereitet.

Müritz

  • Wasserfläche: 112,6 km²
  • Wasserinhalt: 0,74 km³
  • Tiefste Stelle: 31 m
  • Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern

Die Müritz ist gemessen an ihrer Fläche der größte Binnensee Deutschlands. Sie ist Teil der Mecklenburgischen Seenplatte, die auch das „Land der tausend Seen“ genannt wird. Diese größte zusammenhängende Seenlandschaft Mitteleuropas zeichnet sich vor allem durch die vielen Waldgebiete entlang des Gewässers und die naturbelassene Landschaft aus. An der Müritz gibt es verschiedene Segelangebote, eines davon betreibt Thomas Philipp. Er ist Inhaber des Charteranbieters „Sun Sailing Müritz“ und berichtet von einem hohen Wasserstand, der der „beste seit Jahren“ sei. Außerdem hätten sie im Winter im Hafen viel gearbeitet und umfassend saniert. „Darüber hinaus haben wir vier neue Scandinavia-Yachten in Charter laufen“, sagt Philipp. Allerdings sei das Buchungsverhalten seiner Kunden bisher eher verhalten. Er sei aber optimistisch und erwarte, noch einige kurzfristige Buchungen zu bekommen.

Scharmützelsee

  • Wasserfläche: 12,1 km²
  • Wasserinhalt: 0,108 km³
  • Tiefste Stelle: 29 m
  • Bundesland: Brandenburg

Der Scharmützelsee liegt ungefähr 60 Kilometer südöstlich von Berlin. Auf dem „Märkischen Meer“ befinden sich zwei kleine, unbewohnte Inseln. Sie geben ein markantes Bild ab. Entlang des Ufers gibt es einige verschiedene Steg­anlagen. Die Marina Wendisch Rietz wird von Karina Ring betrieben. Sie beschreibt, dass ihre drei Steganlagen auch in diesem Jahr wieder voll ausgebucht seien und die Leute auf ihrer Warteliste nur sehr langsam vorrücken würden. „Das liegt da­ran, dass kaum einer von einem bestehenden Liegeplatz abrückt und woanders hinwechselt“, erläutert Ring.

Möhnesee

  • Wasserfläche: 10,4 km²
  • Wasserinhalt: 134,5 Mio. m³
  • Tiefste Stelle: 36 m
  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen

„Westfälisches Meer“ wird der Möhnesee auch genannt. Knapp 40 Kilometer von Freienohl, dem Ursprungsort der Dehler-Werft, sind noch heute viele Schiffe aus dem Hause Dehler auf dem Wasser anzutreffen. Kein Zufall also, dass hier viele ambitionierte Varianta-Segler beheimatet sind. Aber auch sonst gibt es auf dem Wasser viel zu entdecken. Das Wameler Vorbecken bildet den östlichsten Bereich der Talsperre. Dann folgen drei nur durch Brücken voneinander getrennte Becken. Aufgestaut wird das Wasser des Sees durch die 650 Meter breite und 40 Meter hohe Sperrmauer in Möhnesee-Günne, die wie viele andere in der Region auch vom Ruhrverband bewirtschaftet wird.

„Die Saison wird für die Segler auf dem Wameler Vorbecken wahrscheinlich leider etwas kürzer sein als sonst“, betont Ludger Harder, der Betriebsleiter des Talsperrenbetriebs Nord, der auch für die Möhnetalsperre zuständig ist. Grund dafür seien Baumaßnahmen am Ufer, die das Absenken des Wasserspiegels um ungefähr 1,5 Meter erfordern. „Sonst läuft uns das Wasser in die Baugruppe, das ist eher ungünstig“, so Harder.

Sorpesee

  • Wasserfläche: 3,38 km²
  • Wasserinhalt: 70,37 Mio. m³
  • Tiefste Stelle: 57 m
  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen

Die Sorpetalsperre ist die fünftgrößte in Nordrhein-Westfalen. Sie staut südwestlich von Arnsberg seit 1935 das Wasser der Sorpe zum Sorpesee, dem tiefsten Stausee im ganzen Sauerland. Segler gehen ihrem Hobby hier inmitten des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge nach. Dementsprechend ist die Landschaft rund um den See sehr naturbelassen und von vielen Bäumen geprägt. Dennoch finden sich vereinzelte Campingplätze und einige Restaurants. Am Sorpesee gibt es verschiedene Segel­angebote von Matthias Liebscher. Infos dazu finden sich auf seiner Internetseite ­segelmitmir.com. Den momentanen Wasserstand beschreibt Liebscher als typisch für diese Jahreszeit. „Die Menschen sind glück­licherweise auch weiterhin interessiert an unserem Angebot“, sagt Liebscher und ergänzt: „Wir sind gerade dabei, unser Programm weiter auszubauen, damit die einzelnen Kurse in entsprechender Qualität durchgeführt werden können.“


Interview: Drei Fragen an Ludger Harder

Ludger HarderFoto: PrivatLudger Harder

Ludger Harder, 59, ist Leiter des Talsperrenbetriebs Nord beim Ruhrverband. Henne-, Möhne-und Sorpetalsperre fallen in seine Zuständigkeit.

Wie schätzen Sie die aktuellen Wasserstände in NRW ein?

Die Talsperren des Ruhrverbandes, auf denen Segeln erlaubt ist, sind jeweils zu über 95 Prozent gefüllt. Insofern spricht einem guten Start der Segelsaison auf Bigge-, Sorpe-, Henne- und Möhnetalsperre nichts entgegen.

Wie funktioniert die Regelung der Wasserstände?

Im Winter stauen wir die drei Talsperren Bigge, Möhne und Henne nicht auf, bis sie komplett voll sind, sondern halten sogenannte Hochwasserschutzräume bereit. Ab Ende April könnten wir die Talsperren ganz vollstauen, das tun wir aber nicht. Wir lassen immer noch ein bisschen Platz, um die ein oder andere Hochwasserwelle abfangen zu können. Die sind später im Jahr meist nicht mehr so ausgeprägt, weil die Vegetation dann mehr Wasser aufnimmt als im Winter.

Und wenn es wieder ein äußerst trockenes Jahr wird?

Wir sind bei allem Hochwasserschutz sehr bedacht, Ressourcen vorzuhalten. Vor dem vergangenen, niederschlagsreichen Jahr hatten wir 13 trockene, teils sehr trockene Jahre. Deshalb ist es unser Anliegen, dass die Talsperren gerade zu Beginn des Jahres gut gefüllt sind.


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