Am Dienstagnachmittag sorgte ein Finnwal im Wismarer Hafen für Aufsehen. Passanten entdeckten das Tier gegen Mittag im Hafenbecken, wo es sich in einem Stellnetz verfangen hatte. Experten des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund identifizierten den Meeressäuger als Finnwal mit einer geschätzten Länge von zehn bis zwölf Metern. Etwa 50 Schaulustige beobachteten das Naturschauspiel am Nachmittag. Die Feuerwehr rückte mit einem Boot aus, die Wasserschutzpolizei mit zwei Booten. Sea Shepherd war mit einem Schiff vor Ort, auf dem auch Personal des Deutschen Meeresmuseums vertreten war. Der Wal zog ein etwa hundert Meter langes Stellnetz hinter sich her. Gegen 18 Uhr verließ das Tier den Hafen wieder.
Die Annäherung an den Wal gestaltete sich schwierig. Sea Shepherd versuchte, sich mit einem Taucher zu nähern. „Das Tier ist sehr, sehr stark gestresst", erklärte ein Sprecher der Meeresschutz-Organisation. Grund für den Stress seien das Netz und die Annäherungsversuche gewesen. In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr gelang es, das hundert Meter lange Stellnetz zu entfernen. Allerdings wickelte sich eine Leine um den Körper des Wals, die bis zuletzt nicht entfernt werden konnte. Die Retter gaben dem Tier zunächst Ruhe, um den Stress zu reduzieren. Ein Taucher schaffte es schließlich, dem Finnwal den Weg aus dem Hafenbecken zu zeigen. Augenzeugen berichteten, dass das Tier zunächst immer wieder in den Bereich des Seehafens zurückkehrte, bevor es endgültig in Richtung offene Ostsee schwamm.
Dass sich Schweinswale in der Ostsee in Stellnetzen verheddern, komme sehr häufig vor, sagte der Sea-Shepherd-Sprecher. Diese Kleinen Tümmler werden bis zu 1,80 Meter lang. „Jetzt hat es einen Großwal erwischt", betonte er. Das sei in der Ostsee ein Novum. Die Retter äußerten Sorge über die verbleibende Leine am Körper des Tieres. „Wir hoffen natürlich, dass wir in der Lage sind, das Tier zu befreien – vollständig", so der Sprecher. Man müsse davon ausgehen, dass das Tier noch weiter wächst. „So eine Leine schneidet sich dann einfach noch weiter und weiter ein." Eine spätere Annäherung sei eventuell noch möglich, falls das Tier wieder gesichtet werde.
Derartige Beobachtungen sind in Wismar ungewöhnlich. Es gebe immer mal wieder Schweinswale, aber nicht so große Wale, erklärte Marco Trunk, Sprecher der Stadt Wismar. Seit wann sich das Tier im Hafen befand, konnte er nicht sagen. Finnwale können mehr als 25 Meter lang werden und gehören zu den größten Walarten weltweit. Erst Anfang des Jahres war wiederholt ein Finnwal in der Flensburger Förde in der westlichen Ostsee gesichtet worden. Er lockte Neugierige auf die Spazierwege, Molen und Uferpromenaden in und um Flensburg. Im vergangenen Sommer sorgte ein Buckelwal zuerst vor Rügen, später vor Hidensee für Aufmerksamkeit. Auch vor Travemünde wurde ein Buckelwal gesichtet. Ob es sich bei diesen Fällen und dem jetzigen um dasselbe Tier handelt, ist nicht geklärt.

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