Poeler KoggeZukunft der “Wissemara” wegen Schädlingsbefall ungewiss

Jill Grigoleit

 · 10.03.2026

Ein trauriger Anblick für Fans und Unterstützer der Kogge: Ob die “Wissemara” je wieder in See stechen darf, ist derzeit fraglich.
Foto: picture alliance/ dpa/ Stefan Sauer
Die Poeler Kogge Wissemara darf vorerst nicht mehr auf die Ostsee. Experten haben massiven Befall durch Holzbock, Nagelkäfer und Holzschwamm festgestellt. Eine Sanierung könnte bis zu fünf Millionen Euro kosten – die Zukunft des Wismarer Wahrzeichens ist ungewiss.

Die Hansestadt Wismar verliert möglicherweise eines ihrer maritimen Aushängeschilder. Der Nachbau eines mittelalterlichen Handelsschiffes erhält von der zuständigen Berufsgenossenschaft Verkehr kein neues Zertifikat. Grund sind gravierende Schäden an der Holzkonstruktion. Bei turnusmäßigen Kontrollen im Winterlager haben Fachleute einen erheblichen Befall durch Holzschädlinge festgestellt. Die Berufsgenossenschaft spricht in ihrem Bericht von mangelnder Festigkeit des Schiffes. Betroffen sind zentrale Bauteile des Rumpfes und der Aufbauten.


Im September wurde die Kogge wegen Sicherheitsmängeln aus dem Verkehr gezogen:


Nach Reparaturen in Stralsund über den Winter sollte die Kogge eigentlich wieder in Fahrt kommen. Doch die neue Besichtigung brachte das ganze Ausmaß der Probleme ans Licht.

Schädlinge gefährden die Stabilität

Experten fanden unter anderem Holzbock und Nagelkäfer im Holz der Wissemara. Zusätzlich stellten sie Wurmbefall sowie einen Holzschwamm fest. Der Insektenbefall war bereits im Jahr 2021 entdeckt worden, galt damals aber noch nicht als Gefahr für die Stabilität. Nun haben die Schädlinge offenbar so große Schäden angerichtet, dass die strukturelle Sicherheit des Schiffes nicht mehr gewährleistet ist. Die Ursache des Befalls ist noch unklar. Fachleute vermuten, dass Feuchtigkeit in schwer zugänglichen Bereichen ideale Bedingungen für die Schädlinge geschaffen haben könnte. Nach einer Besichtigung haben Prüfer nun aber Zweifel an der Festigkeit des Schiffes insgesamt. Der Förderverein will sich erst abschließend äußern, wenn das ausführliche Gutachten vorliegt. Auf seiner Homepage bedankt sich der Verein bei allen Unterstützern und bittet um Verständnis, dass vorerst keine weiteren Details bekanntgegeben werden können. “Unser Ziel bleibt es, unsere “Wissemara” auch künftig als lebendiges maritimes Kulturgut zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. [...] Über die nächsten Schritte informieren wir Euch selbstverständlich, sobald uns der Bericht vorliegt.”

Aufwendige Sanierung der Kogge nötig

Um den Befall zu bekämpfen, wären allerdings aufwendige Arbeiten nötig. Eine Stickstoffbehandlung des Holzes müsste durchgeführt werden, damit Insekten und Würmer absterben. Gleichzeitig darf das Schiff nicht austrocknen, weil sich der Rumpf sonst verziehen könnte. Zudem müssten viele Planken und Teile der tragenden Konstruktion ersetzt werden. Selbst dann ist unklar, ob das Schiff langfristig stabil bleibt. Nach ersten Schätzungen der Berufsgenossenschaft könnten die Arbeiten bis zu fünf Millionen Euro kosten. Eine Summe, die weit über das hinausgeht, was der Verein aus eigener Kraft stemmen könnte. Selbst mit Fördermitteln, Spenden und ehrenamtlicher Unterstützung wäre eine Sanierung dieser Größenordnung ein Kraftakt.

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Symbolkraft für Wismar

Die Wissemara erinnert an die lange maritime Tradition der Hansestadt Wismar. Drei historische Schiffe im Hafen stehen für diese Geschichte. Seit ihrer Fertigstellung zieht die Kogge regelmäßig Besucher an, nimmt an maritimen Festen teil und repräsentiert die Hansestadt weit über die Region hinaus. Für viele Wismarer ist sie ein emotionaler Ankerpunkt – ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit der Seefahrtstradition der Stadt. In den sozialen Medien äußern sich zahlreiche Menschen betroffen über die aktuellen Entwicklungen. Viele bieten spontan Hilfe an oder fragen nach Spendenmöglichkeiten. Bis zur Klärung der Situation bleibt die Zukunft der Wissemara ungewiss.


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Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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