Ostsee-Häfen 2026Hier finden Segler jetzt noch freie Liegeplätze

David Ingelfinger

 · 02.04.2026

Ostsee-Häfen 2026: Hier finden Segler jetzt noch freie LiegeplätzeFoto: dpa; pa
Der Sonnenuntergang bringt Ruhe in die Häfen, wie hier an der Kieler Förde. Doch entspannt sich auch die angespannte Situation um Liegeplätze entlang der Ostseeküste? Eine exklusive YACHT-Umfrage liefert Antworten.
Mithilfe einer Online-Umfrage haben wir die Belegung und Preise in 83 Marinas an der deutschen Ostsee abgefragt. Das Ergebnis überrascht: Trotz mehr freier Kapazitäten bleibt die Situation regional angespannt.

Themen in diesem Artikel

Als Basis für diesen Liegeplatzreport dient eine Online-Umfrage, bei der wir gezielt mehr als 200 Häfen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern angeschrieben haben. Insgesamt 83 Betreiber, vom kleinen Segelverein bis zur kommerziellen Marina, lieferten detaillierte Rückmeldungen zur Situation an ihren Stegen.

​Statistischer Zuwachs vs. gefühlte Realität

Das Gesamtergebnis deutet auf eine Zunahme der freien Dauerliegeplätze entlang der Küste hin. Innerhalb der Stichprobe stieg die Zahl von 2025 auf 2026 von 419 auf 486 Plätze. Ein Ergebnis, das der gefühlten Realität vieler Eigner widerspricht, die oft mehrere Monate nach einem passenden Platz für ihre Yacht suchen.

Denn die Auslastung vieler Häfen, insbesondere in der westlichen Ostsee, liegt weiterhin bei 100 Prozent und die Wartelisten sind unverändert lang. Dieser Widerspruch spiegelt sich in der gesamten Erhebung wieder: Insgesamt meldeten mehr als die Hälfte der befragten Marinas für die kommende Saison eine Vollbesetzung, obwohl in der Summe mehr freie Plätze gemeldet wurden als im Vorjahr.

Der Grund dafür ist, dass sich die neuen Kapazitäten auf wenige Häfen beschränken, während in der breiten Masse, vor allem in Schleswig-Holstein, weiterhin vieles restlos belegt ist.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Die Ergebnisse der YACHT-Umfrage im Detail:

Bild 1
Quelle: YACHT-Umfrage
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Regional große Preisunterschiede

Neben der Kapazität zeigt die Umfrage auch, dass die Kosten für einen Liegeplatz regional stark variieren können. So kann ein Liegeplatz in der Marina deutlich teurer sein als ein vergleichbarer Platz in einem nahegelegenen Naturhafen. Die Spanne kann hier mitunter zwischen 20 und 70 Euro pro Quadratmeter liegen. Bei einer 12-Meter-Yacht kann das einen Unterschied von bis zu 1.750 Euro pro Jahr ausmachen. Das gilt auch für Gastliegeplätze. Auch hier herrscht ein hohes Preisgefälle. Die Bandbreite reicht von 14 bis 40 Euro pro Nacht.



Das liegt mitunter daran, dass insbesondere für große Marinas, die tendenziell teurer sind, die Instandhaltungskosten bei den Steg- und Sanitäranlagen ebenfalls höher sind. Der wirtschaftliche Erfolg der Marinas hängt daher immer mehr von einer stabilen Mischkalkulation ab, bei der Dienstleistungen an Land das Defizit im Wasser ausgleichen müssen.

Die Preise für Liegeplätze im Detail:

Bild 1
Quelle: YACHT-Umfrage

​​Infrastruktur- und Service-Check

In der Theorie bieten die Ostseehäfen im Hinblick auf ihre Ausstattung ausreichend Optionen. Mit einer mittleren Boxenbreite von 4,80 Metern und einer durchschnittlichen Wassertiefe von 2,60 Metern sollten die meisten Fahrtenyachten in einem Großteil der Häfen problemlos eine Box finden. Gleiches gilt für die maximale Schiffslänge, die im Mittel bei 16 Metern ausreichend Platz bietet.


Mehr zum Thema:


Auch die Infrastruktur ist laut unseren Daten entlang der kompletten deutschen Ostseeküste gut ausgebaut. So haben fast drei Viertel der Häfen (74,7 %) einen Mastkran und 87 Prozent bieten Essensmöglichkeiten in Reichweite. Anders sieht es in Sachen Digitalisierung aus: Weniger als die Hälfte aller von uns befragten Häfen (41 %) haben einen Kassenautomaten in Betrieb, hier besteht noch Nachhohlbedarf. Auch bei der Kalkulation der Nebenkosten gibt es Unterschiede: Während Frischwasser (81,0 %) und Landstrom (78,5 %) meist im Liegegeld enthalten sind, müssen Segler in fast jedem dritten Hafen (31,6 %) für die Nutzung der Sanitäranlagen zusätzlich in die Bordkasse greifen.

Bild 1
Quelle: YACHT-Umfrage

Weit entfernt von den Küsten im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen, fand David Ingelfinger erst im Alter von elf Jahren auf den niederländischen Gewässern zum Segelsport. Was als Familienurlaub ohne großartige Vorkenntnisse begann, mündete in einer steilen Lernkurve, aus der die dauerhafte Leidenschaft fürs Segeln entsprang. Seine praktischen Erfahrungen festigte er über die Jahre mit dem Erwerb des SKS und zahlreichen Meilen als Skipper auf Charteryachten im Ijsselmeer, der Nordsee sowie im Mittelmeer. Nach seinem Studium der Publizistik schlägt er nun die Brücke zwischen dem journalistischen Handwerk und der Praxis auf dem Wasser und bringt seine Begeisterung für den Sport als Volontär in die Redaktion der YACHT ein.

Meistgelesen in der Rubrik Reisen