2025 hat das kanadische Unternehmen Central European Petroleum in der Ostsee vor Polen, rund sechs Kilometer vor Swinemünde (Świnoujście), bei einer Probebohrung Öl und Gas gefunden. Nun plant das Unternehmen, Erdöl aus der Lagerstätte „Wolin East“ von einer rund zehn Hektar großen künstlichen Insel aus zu fördern. Vorgesehen sind bis zu 30 Bohrungen sowie eine ausgebaggerte Zufahrt für Tankleichter. Wie der NDR berichtet, laufen inzwischen die Vorbereitungen für eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung. Genehmigt ist die Förderanlage noch nicht. Sie könnte jedoch das Gesicht der Ostsee vor Usedom stark verändern.
Für die geplante Ölförderung „Wolin East“ läuft derzeit ein Verfahren, in dem der Untersuchungsrahmen für die spätere Umweltverträglichkeitsprüfung festgelegt wird. Nach Angaben des NDR können sich dabei auch die Gemeinde Heringsdorf, das Land Mecklenburg-Vorpommern und Umweltorganisationen beteiligen. Das Verfahren soll noch bis Mitte Oktober 2026 laufen.
Eine Umweltverträglichkeitsprüfung untersucht, welche Folgen das Projekt im polnischen Küstengewässer für Menschen, Tiere, Pflanzen, Wasser, Boden und weitere Schutzgüter haben könnte. Da grenzüberschreitende Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden, werden neben Deutschland auch Dänemark und Schweden beteiligt. Die dänische Umweltbehörde hatte die Projektunterlagen bereits im August veröffentlicht und die dänische Öffentlichkeit, dänische Behörden und dänische Interessenverbände um Stellungnahmen zum Umfang des späteren Umweltberichts gebeten.
Ein vollständiger Umweltverträglichkeitsbericht liegt bislang nicht vor. Auch eine Genehmigung für Bau und Betrieb der Förderanlage wurde noch nicht erteilt. Sollte das Projekt zugelassen werden, könnte nach Angaben des NDR frühestens 2028 mit dem Bau begonnen werden.
Der Projektplan sieht eine rund zehn Hektar große künstliche Insel mit Wellenbrecher, Bohrtechnik und Anlagen zur Aufbereitung der geförderten Flüssigkeiten östlich der Hafeneinfahrt von Swinemünde vor. Für den Abtransport sollen beladene Tankleichter eine ausgebaggerte Zufahrt mit 200 Metern Breite nutzen können. Das untersuchte Projektgebiet umfasst etwa 35 Quadratkilometer.
Eine Projektkarte zeigt die künstliche Insel im westlichen Teil des Förderblocks. Von dort soll eine gebogene Baggerrinne zunächst nach Nordwesten und anschließend nach Norden führen. Über mehrere Kilometer würde sie damit annähernd parallel zur Ansteuerung von Swinemünde verlaufen.
Nicht bekannt ist bislang, wie groß eine mögliche Sicherheitszone um die Insel sein könnte. Auch Verkehrsregeln, Änderungen der Betonnung, die nautische Kennzeichnung der Anlage und mögliche Sperrungen während der Bauphase sind noch nicht festgelegt. Gleiches gilt für Zahl, Größe und Frequenz der späteren Öltransporte. Die Unterlagen zur grenzüberschreitenden Beteiligung nennen anfangs rund 4.100 Tonnen Rohöl pro Tag, später bis zu 8.100 Tonnen täglich. Für den Betrieb werden mehr als 30 Jahre erwartet. Die Insel und der Wellenbrecher sollen technisch für 50 Jahre ausgelegt werden.
Der Yachthafen Swinemünde ist für Fahrtensegler sowohl Seehafen als auch Zugang zum Stettiner Haff. Wer aus der Ostsee einläuft, teilt sich die Ansteuerung bereits heute mit der Berufs- und Fährschifffahrt. Bei einer Umsetzung des Förderprojekts käme östlich des vorhandenen Fahrwassers eine weitere Verkehrsachse für Tankleichter, Versorger und Arbeitsschiffe hinzu.
Wie viele zusätzliche Schiffsbewegungen tatsächlich zu erwarten wären, geht aus den bisher veröffentlichten Unterlagen nicht eindeutig hervor. Ebenfalls offen ist, wohin das geförderte Öl transportiert oder wo es umgeschlagen werden soll.
Für den weiteren Kurs ab Swinemünde gen Osten müssten Segler in Zukunft voraussichtlich Umwege in Kauf nehmen.
Umweltorganisationen, Bürgerinitiativen und Vertreter der Gemeinde Heringsdorf lehnen das Vorhaben ab. Sie befürchten Folgen für den ökologischen Zustand der Pommerschen Bucht und für den Tourismus auf Usedom. Im Blick steht dabei unter anderem der Naturpark Insel Usedom mit seinen Naturschutzgebieten. Auch der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft könnte, wennglech weiter westlich im Raum Darß, Zingst, Hiddensee und Westrügen liegend, im Falle einer Havarie Schaden nehmen. Auf polnischer Seite liegt der Wolliner Nationalpark mit seinem geschützten Küstengewässer.
Die Bürgerinitiative „Lebensraum Vorpommern“, die Deutsche Umwelthilfe, der World Wide Fund For Nature und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland haben sich zu einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen. Nach Angaben des NDR wurden im September 2026 mehr als 89.000 Unterschriften gegen die Öl- und Gasförderung vor Usedom an das Bundesumweltministerium übergeben.
Auch auf den Tourismus könnte das Vorhaben Auswirkungen haben. Im November 2024 war eine temporäre Erkundungsplattform vom Strand in Ahlbeck aus sichtbar.
Küstenhandbuch Ostsee behandelt die Segelreviere der Ostsee, darunter auch Polen. Für die Törnplanung enthält der Revierführer Hafenbeschreibungen mit Ansteuerung, Liege- und Versorgungsmöglichkeiten sowie Karten und Pläne. Damit hilft er, die Route über Swinemünde und entlang der polnischen Küste vorzubereiten. Für verbindliche Angaben zu neuen Anlagen, Sperrungen oder Betonnung bleiben allerdings aktuelle Seekarten und amtliche Bekanntmachungen entscheidend.
Mare Balticum zeigt Ostseelandschaften unter Segeln. Der Bildband von Nico Krauss, Uwe C. Beyer und Ursula Meer stellt Küsten, Häfen und Menschen rund um das Binnenmeer in Fotografien und Texten vor. Zum Artikel ergänzt er damit die Frage, wie Segler die Ostsee als Landschaft erleben und was eine Förderanlage im Blickfeld verändern würde. Nautische Angaben zur Ansteuerung von Swinemünde liefert der Bildband nicht.
Was würde Sie als Ostseesegler stärker betreffen: zusätzlicher Schiffsverkehr vor Swinemünde oder eine Förderinsel im Blickfeld?

Redakteurin Panorama und Reise
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