Deutschland

Nordsee: Gebührenkeule im Ems-Jade-Kanal

Ursula Meer

 · 29.04.2022

Nordsee: Gebührenkeule im Ems-Jade-KanalFoto: Peter Kunze

Bootfahrer gehen auf die Barrikaden: die Fahrt zwischen Wilhelmshaven und Emden war bislang für sie kostenlos – jetzt sollen sie bis zu 500 Euro pro Jahr zahlen

Wer binnendurch von der Jade zur Ems fahren wollte, konnte das zwanzig Jahre lang kostenlos tun – für die sechs Schleusen, 15 festen und 27 beweglichen Brücken fiel keine Gebühr an. Damit soll jetzt Schluss sein. Künftig müssen alle Sportboote pro Schleusengang 6 Euro bezahlen - eine Fahrt durch den ganzen Kanal erleichtert die Bordkasse um satte 36 Euro.

Das betrifft auch viele Segler im Urlaub oder bei Überführungsfahrten. Denn gerade bei erwartbar schlechtem Wetter und Sturm sind die 73 Kilometer durch ostfriesische Landschaft mit gelegtem Mast eine sichere Alternative zu gut 100 Seemeilen auf der Nordsee oder durch das Wattenmeer. Viele nutzen ihn auch, um zunächst von der Jade nach Emden zu fahren und mit der von West nach Ost günstiger laufenden Tide die Ostfriesischen Inseln zu besuchen. Jedes Jahr passieren rund 5.000 Boote die Wasserstraße in den grünen Wiesen.

  Den Mast gelegt und durch: viele Segler überführen ihre Boote durch den Ems-Jade-KanalFoto: Peter Kunze
Den Mast gelegt und durch: viele Segler überführen ihre Boote durch den Ems-Jade-Kanal

Für die Segler in der Region bedeutet die neue Tarifordnung des Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) das Ende einer bewährten Praxis: Bisher haben die Segelvereine des Regionalverbands Weser/Ems im Segler-Verband Niedersachsen (SVN) pauschal je 70€ pro Jahr für den Erhalt des Schleusenbetriebs gezahlt. Nun sieht der Landesbetrieb vor, dass die Vereine mindestens 500 Bootfahrer auftreiben, die jeweils 40 Euro bezahlen, um ganzjährig freie Fahrt zu haben. „Das werden wir nicht hinkriegen. Direkt im und um den Kanal sind wir um die 90 Boote“, sagt Gerhard Wulff, Vizevorsitzender des Bootssportsvereins Timmel.

Alternativ ist die ganzjährige freie Fahrt für stattliche 500€ pro Boot zu haben. „Momentan ist der SVN in Verhandlungen mit dem NLWKN. Es sind ja nicht nur wir Bootfahrer hier im Kanal betroffen. Wir werden dann auch weniger Gastlieger haben. Das ist konträr zu den Bemühungen, den Tourismus in Ostfriesland weiter zu beleben“, stellt Wulff weiter fest. Momentan erwägt er eine Bootjefahrer-Demo in Aurich, sollten die Verhandlungen zu keinem guten Ergebnis führen. Hans Hüser, Vorsitzender des Regionalverbands Weser/Ems im SVN, zeigt sich diesbezüglich vorsichtig optimistisch: „Wir haben Tourismus- und Wassersportverbände zusammengetrommelt und versuchen, das Geld zusammenzubekommen.“

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