Das 49. Wochenende an der Jade vom 2. bis 5. Juli 2026 bietet Schiffsliebhabern und Wassersportlern maritime Highlights. Am Bontekai im Großen Hafen reihen sich moderne Marineschiffe, historische Traditionssegler, Feuerschiffe und Fischkutter zur Besichtigung aneinander. Am Südstrand gewährt erstmals das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Einblicke in seinen Bauhof und seine Spezialschiffe. Dazu gibt es Hafenrundfahrten, ein Drachenbootrennen und über 60 Konzerte auf sechs Bühnen.
Entlang des Bontekais am Großen Hafen liegt keine „Ausstellungsfläche“, sondern ein Stück lebendige Küstengeschichte aus mehreren Epochen.
Mit dem wachsenden Seehandel tauchte Anfang des 18. Jahrhunderts ein neuer Typ entlang der europäischen Küsten auf: die Schmack – seetüchtiger gedacht als viele ihrer Vorgänger. Die „Gesine von Papenburg“ gehört dazu. Und gerade das macht sie so spannend: Sie steht nicht nur am Kai, sie kann (und darf) erlebt werden. Eine Mitfahrt ist weniger „Programm“ als eine seltene Chance, traditionelle Seemannschaft als etwas Greifbares zu verstehen – wie sich ein historisch geprägtes Schiff anfühlt, wie es arbeitet, wie es den Wind „nimmt“.
Dazu kommen weitere Charaktere der Traditionsflotte: die Ketsch „Nordwind“ mit ihrer typischen Zwei-Mast-Takelage und die Tjalk „Wappen von Ihlow“, Anfang des 20. Jahrhunderts in Groningen gebaut: interessant nicht nur als Frachtschiff-Form, sondern auch als Marker eines Materialwechsels – vom Holz hin zum eisernen Rumpf, als sich Handwerk, Industrie und Küstenschifffahrt neu sortierten.
Die „Wilmke“, ein niederländischer Plattbodensegler vom Typ Westerdijk Zeeschouw 900, stammt aus dem Jahr 1981 (Werft Fa. B Westerdijk & Zonen, Eernewoude/Friesland). Ihr flacher Rumpf erzählt von einem Revier, in dem man nicht immer tiefes Wasser hat – und in dem „trockenfallen“ kein Notfall, sondern Teil des Systems ist.
Zwischen all den Segeln liegen am Bontekai außerdem die Fischkutter „Trotz“ und „Hein Godenwind“. Die „Hein Godenwind“ wurde 1974 auf der Bootswerft Bültjer in Ditzum gebaut. Hier geht es weniger um Nostalgie als um Kontinuität: Fischerei als Kulturtechnik, Arbeitsrhythmus, Geruch von Salz und Diesel – und um jene kleinen, echten Momente, die Hafenorte prägen. Wenn es frische Nordseekrabben direkt vom Boot gibt, wirkt das nicht wie „Event“, sondern wie ein kurzer Blick in eine Welt, die sonst oft hinter Hafenzäunen und frühen Arbeitszeiten verschwindet.
Im Großen Hafen machen noch weitere Schiffe fest, denen man ihre Vergangenheit ansieht - Werkzeuge aus einer Zeit, in der Seefahrt und Hafenbetrieb vor allem Arbeit bedeuteten: bei Wind, Kälte, schlechter Sicht und oft mit wenig Spielraum für Fehler.
Das Feuerschiff „Elbe 1“ ist dafür ein guter Einstieg. 1943 auf der Meyer Werft in Papenburg als „Bürgermeister O’Swald“ gebaut, lag es bis 1988 auf seiner Station ELBE 1. Es war ein fester Punkt im Fahrwasser, der nicht ausweichen konnte – und gerade deshalb erzählt es viel über Verantwortung und Risiken: mehr als 50 Kollisionen sind Teil seiner Geschichte.
Nicht weit davon kann man das Feuerschiff „Norderney“ besuchen, das den Alltag an Bord greifbar macht, und den Dampfeisbrecher „Wal“, der für die harte Routine steht, Fahrrinnen im Winter offen zu halten. Zusammen mit der „Argus“, einem Mehrzweckboot aus dem Hafenbetrieb, und weiteren Schiffen wie „MWB Föhr“, „Gebrüder AZ:5“ und der „MS Greundiek“ entsteht bilden sie eine authentische Kulisse der maritimen Arbeitswelt–greifbar, rau und voller Geschichte.
Mit der Fregatte "Sachsen-Anhalt" läuft eines der modernsten Schiffe der Marine ebenfalls den Großen Hafen an. Das 149 Meter lange und 18 Meter breite Schiff der Baden-Württemberg-Klasse verdrängt rund 7.000 Tonnen und ist mit APAR-Radar sowie modernen Waffensystemen ausgestattet. Wer das Marineschiff besichtigen möchte, muss sich auf Taschenkontrollen einstellen – es dürfen nur Taschen und Rucksäcke bis maximal A4-Größe mit an Bord genommen werden.
Nach der Besichtigung können Besucher einen Pendelverkehr mit Pinassen – kleineren Verbindungsbooten der Marine – und Motorkuttern zum Marinearsenal nutzen. Dort können weitere Schiffe, Boote und gepanzerte Fahrzeuge besichtigt werden.
Eine maritime Premiere erwartet Besucher am Bauhof des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA). Erstmals öffnet das WSA zum "Wochenende an der Jade" die Pforten seines Bauhofs. Am Samstag und Sonntag, jeweils von 10 bis 17 Uhr, erhalten Besucherinnen und Besucher Einblicke hinter die Kulissen und können erleben, wie die Behörde für die Unterhaltung der Wasserstraßen sorgt.
Die Spezialschiffe der Behörde "Osteriff" und "Mellum" stehen ebenfalls zur Besichtigung bereit. Auf beiden Schiffen gibt es geführte Rundgänge von der Brücke bis in den Maschinenraum sowie die Möglichkeit, mit der Crew ins Gespräch zu kommen und mehr über die anspruchsvollen Aufgaben in den Bundeswasserstraßen zu erfahren. Der neue Saugbagger "Osteriff" ist mit 133 Metern Länge ein markantes Arbeitsschiff, das für die Unterhaltung der Fahrrinnen in der Jade zuständig ist und mit modernster Technik die Navigation für große Containerschiffe sicherstellt.
Im Bauhof selbst öffnen die Schmiede, E-Werkstatt, Tischlerei und Schlosserei ihre Türen und stellen ihre Aufgaben an kleinen Mitmach-Stationen vor. In der Knotenschule können typische Seemannsknoten erlernt werden, während eine Modellausstellung zahlreiche Modelle von Schleusen, Buhnen und Schiffen im Detail zeigt. Wer möchte, kann sich zudem kreativ auf einer Seezeichen-Tonne verewigen. Für Kinder gibt es eine Hüpfburg, Mal- und Bastelstationen sowie Spiele wie Riesen-Jenga und Cornhole.
Sportlich wird es am Samstag, den 4. Juli 2026 von 11 bis 15 Uhr, wenn nach mehrjähriger Pause erstmals wieder das Drachenbootrennen im Marinearsenal stattfindet. Unabhängig davon präsentiert sich der Wilhelmshavener Ruderclub am Samstag und Sonntag mit einem Achter.
Wer nicht nur schauen, sondern auch einmal mitfahren möchte, hat dazu verschiedene Möglichkeiten: Die Barkasse "Große Freiheit" bietet täglich Hafenrundfahrten an. Die "Gesine von Papenburg" sticht am Samstag zu einer Tagestour unter Segeln in See.
Neben allerhand Maritimen bietet das Fest über 60 Konzerte auf sechs Bühnen mit einem breiten Musikspektrum von Irish Folk, Shantys und Seemannsliedern über Rock, Pop und Singer-Songwriter bis zu Hip-Hop, Soul und Reggae. Headliner sind die Söhne Mannheims, die am Samstagabend auf der Südstrand-Bühne mit der kompletten 10-köpfigen Band auftreten.
Dazu kommen ein Piratendorf am Kulturzentrum Pumpwerk mit mittelalterlichem Markt, Schmieden und Bogenschießen sowie die Südstrand-Kirmes mit Fahrgeschäften und einer Oldtimer-Ausstellung am Fliegerdeich. Schwindelfreie Besucher können aus einem "Ballon am Kran" heraus einen Blick über das Festgelände und den Jadebusen wagen - kostenlos! Am Sonntag, 5. Juli, ab 23 Uhr endet das Fest mit einem Feuerwerk, das von einem Schwimmkran im Großen Hafen gezündet wird.

Redakteurin Panorama und Reise
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