Fabian Boerger
· 03.04.2026
Die ist grundsätzlich gut. Was wir sowohl Binnen als auch Buten hören: Es gibt mittlerweile wieder freie Liegeplätze. Klar, es gibt noch Wartelisten. Mit einem 15-Meter-Boot in die Ancora Marina (Neustadt in Holstein, Red.) wird sicherlich schwierig. Anders sieht es bei sechs Metern aus. Ein ähnliches Bild am Bodensee – und das ist besonders. Dort gab es seit 50 Jahren keine Plätze, und wenn, wurden sie vererbt. Heißt: Der Druck, der sich während Corona aufbaute, lässt mittlerweile nach. Wenn man ein wenig sucht und nicht auf einen Standort fixiert ist, findet man etwas.
Auf jeden Fall. Sowohl die Kosten für Sommerliege- als auch für Winterlagerplätze sind in den letzten Jahren gestiegen. Perspektivisch gesehen könnte sich das aber wieder verschieben und Preise fallen, verbunden mit einer höheren Verfügbarkeit.
In den nächsten 10 bis 15 Jahren werden voraussichtlich viele Menschen aus dem Wassersport aussteigen. Das können wir leider nicht verhindern, zumal wir auf der anderen Seite nicht genug Neueinsteiger finden, die direkt Boote kaufen wollen.
Wir werden uns von dem demografischen Wandel im Wassersport nicht befreien können.
Das Durchschnittsalter liegt laut unseren Umfragen mittlerweile bei 62 Jahren, mit etwa 75 steigen die Bootsbesitzer aus. In den nächsten Jahren haben wir es daher mit großen strukturellen Änderungen zu tun, die wir bestenfalls durch Neueinsteiger kompensieren können. Betrachtet man allerdings die Geburtenzahlen, wird das nicht aufgehen.
Das Bewusstsein dafür ist noch nicht in der gesamten Branche angekommen. Im Rahmen der boot 2026 war das Thema. Konkrete Ideen gibt es allerdings noch nicht. Wir stehen erst am Anfang des Prozesses. Wir müssen uns als Branche Folgendes vor Augen führen: Das Potenzial hat sich halbiert. Anders formuliert müssten – angesichts alternder Bevölkerung und damit schrumpfender Zielgruppe – in Zukunft zwei oder besser drei Prozent der Bevölkerung ein Boot kaufen, um den Markt stabil zu halten. Das ist nicht jedem bewusst.
Der Zeitpunkt, damit anzufangen, ist nicht zu spät, aber viel später darf es auch nicht werden. Wir reden über ein Zeitfenster von 10 bis 15 Jahren.
Deshalb geht es darum, genügend Neueinsteiger zu generieren.
Das sind etwa jene, die um die 20 Jahre alt sind. Von denen sagen die wenigsten, dass sie ein Boot besitzen möchten. Dort geht es eher um Sharing-Modelle wie das Chartern. Auch das Thema Kosten spielt hier eine Rolle: Besitzt man ein Boot, kommen schnell 3.000 Euro Liegeplatzgebühren, 3.000 Euro Winterlager, Reparatur- und Wartungskosten zusammen. Da steigen viele aus.
Die letzten Jahre waren die Marinas voll gebucht, und dieser Effekt wurde in Corona noch mal verstärkt. Da ist es ganz normal in einer Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Lässt der Druck auf die Marinas nach, dann wird sich das sicherlich nach unten regulieren. Andererseits sind bei den Marinas gewisse Kosten gestiegen, etwa bei der Energie.
Doch auch da gibt es Strategien. Zum Beispiel dass man die Dächer mit Solarpaneelen bedeckt. Man könnte auch die Stege überdachen. Allerdings kenne ich die genauen Kalkulationen einer Marina in Deutschland nicht. Im Binnenbereich sind die Wasserpachten des Bundes um 10 bis 15 Prozent leicht angestiegen. Dazu ist der Bund verpflichtet. Das hat haushälterische Gründe.
Da ist sicherlich noch Luft nach oben. In Dänemark sieht man, dass dort vieles mittlerweile vollautomatisiert ist. Maximal kommt da abends noch mal der Hafenmeister und fragt, ob alles okay ist. Es kommt allerdings auch darauf an, was man will – und das ist eine Frage des Generationenwechsels: Die Generation meiner Eltern hat sich noch stets über einen Klönschnack mit dem Hafenmeister gefreut.
Die jüngere Generation kommt gut damit zurecht, ihre Liegeplätze mobil per App zu bezahlen.
Aus der Sicht der Marinas ist das natürlich auch eine Frage der Kosten. Eine gewisse Anzahl Marinas wird gewerblich betrieben, der größere Teil wird wiederum von Vereinen unterhalten. Die sind oft kleiner, da lohnen sich große Infrastrukturinvestitionen einfach nicht.
Darauf werden sich die Marinas einstellen müssen. Die haben ihre Steganlagen in einer Zeit entworfen, als die Boote noch etwa 3,50 Meter breit waren. Wenn in Zukunft die Boote vier oder mehr Meter breit werden, aber nicht länger als zehn Meter sind, wird es spannend sein, was passiert.

Redakteur News & Panorama