David Ingelfinger
· 04.04.2026
Für unseren aktuellen Liegeplatzreport haben wir 83 Marinas entlang der gesamten deutschen Ostseeküste befragt und die Daten ausgewertet. Um ein authentisches Bild von den Herausforderungen der Hafenbetreiber einzuholen, führten wir zusätzlich zwei Interviews. Einer unserer Gesprächspartner war Philipp Mühlenhardt. Als Geschäftsführer der Sporthafen Kiel GmbH ordnet er die aktuelle Lage in der Landeshauptstadt ein.
In Kiel sind die Wartelisten lang. Der Bedarf an Dauerliegeplätzen wächst stetig, doch das Angebot bleibt begrenzt – aus mehreren Gründen: Neue Steganlagen kosten schnell fünfstellige Summen. Allein die Kampfmittelräumung treibt die Kosten für einen einzelnen Pfahl erheblich in die Höhe, erklärt Mühlenhardt. Oft fehlt schlicht der Platz für Erweiterungen. Dazu kommt ein weiteres Problem: Zahlreiche verlassene Boote blockieren seit Jahren die Liegeplätze, ohne dass ihre Besitzer sich darum kümmern.
Den Betreibern bliebe deshalb oft nichts anderes übrig, als die alten Anlagen zu halten oder nur das Nötigste zu reparieren. „In der Konsequenz müssen wir vorerst kleinere Brötchen backen“, sagt Mühlenhardt. Entwarnung gibt er hingegen für Gastlieger. Wenn die Mieter der Dauerliegeplätze auf Törn sind, würden meist neue Kapazitäten frei werden.
„Außer zur Kieler Woche findet bei uns eigentlich jeder Gastlieger einen Platz“.
Mühlenhardt hält die Kostensteigerungen bewusst moderat, um seinen Kunden bezahlbare Liegeplätze zu sichern. Doch die angekündigte Preissteigerung von 12 Prozent deckt nicht einmal die tatsächlichen Kosten. Die Ausgaben für Personal, Reinigung und Instandhaltung sind laut Mühlenhardt um 30 bis 35 Prozent gestiegen.
Besonders der Wasserbau ist zum Kostentreiber geworden. Der reine Betrieb eines Liegeplatzes, inklusive der Pflege von Spundwänden und Steganlagen, ist heute oft ein Defizitgeschäft. „Ohne nachgelagerte Dienstleistungen wie das Winterlager, den Kran oder das Maststellen würden wir vermutlich überhaupt nicht mehr klarkommen", erklärt der Sporthafen-Chef. Die Wirtschaftlichkeit der Häfen hängt an einer Mischkalkulation: Das Geschäft an Land muss das Defizit im Wasser ausgleichen.
Erschwerend zu den steigenden Kosten kommen die Schäden nach der Sturmflut 2023. In Kiel-Schilksee musste beispielsweise ein Großteil der Steganlagen nach der Sturmflut erneuert werden. Um solche Katastrophen künftig zu vermeiden, setzt man beim Hafenschutz auf innovative Technik. Gemeinsam mit dem GEOMAR-Institut baut die Sporthafen Kiel GmbH eine Pegelmessstation in Schilksee, um präzisere Vorhersagen bei Sturmfluten zu ermöglichen.
Auch beim Umweltschutz bleibt der Hafen aktiv: Geplant ist eine spezialisierte Bootswaschanlage gegen die Belastung durch Anti-Fouling-Beschichtungen. Die Technik stößt zwar bei Schiffen über 15 Metern oder Doppelruderanlagen an ihre Grenzen, doch Mühlenhardt betont:
„Wir wollen gucken, was wir tun können und uns neuen Entwicklungen nicht verschließen."

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