Leuchtturm Roter SandPetition gescheitert - neuer Standort Fedderwardersiel?

Ursula Meer

 · 23.03.2026

Leuchtturm Roter Sand: Petition gescheitert - neuer Standort Fedderwardersiel?Foto: YACHT/Stefan Schorr
Der Leuchtturm Roter Sand in der Wesermündung von Deck des Heringsloggers "BV2 Vegesack"
​Das zähe Ringen um die Zukunft des Leuchtturms Roter Sand geht in die nächste Runde. Nach monatelanger Standortsuche und gescheiterter Erhaltungs-Petition konkretisieren sich nun die Umzugspläne für das maritime Wahrzeichen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fokussiert sich nun auf Fedderwardersiel als künftigen Standort. Der nächste Meilenstein: die Baugenehmigung.

​Die Standortsuche für den historischen Leuchtturm Roter Sand geht in die nächste Phase. Als aussichtsreichster Standort hat sich Fedderwardersiel in der Gemeinde Butjadingen herauskristallisiert. Dies gab die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) am heutigen Montag (23. März 2026) bekannt. Nun müssen baurechtliche Anträge vorbereitet werden – ein komplexer Prozess, von dem zusammen mit der noch zu sichernden Finanzierung abhängt, wann der Umzug konkret umgesetzt werden kann.

Vier Küstenorte hatten sich um das maritime Erbe beworben: Bremerhaven, Fedderwardersiel, Wilhelmshaven und Hooksiel. Nach sorgfältiger Prüfung anhand denkmalpflegerischer, infrastruktureller und technischer Kriterien erwiesen sich nur zwei Standorte als grundsätzlich genehmigungsfähig: Fedderwardersiel und Wilhelmshaven.

​Warum Bremerhaven und Hooksiel ausschieden

Bremerhaven, eigentlich prädestiniert durch seine historische Verbindung zum Leuchtturm, schied aus dem Rennen aus. Die zuständigen Wasserstraßen- und Naturschutzbehörden kamen zu der Einschätzung, dass eine Genehmigungsfähigkeit nicht gegeben sei – insbesondere wegen der Verwechslungsgefahr mit aktiven Seezeichen. Der charakteristische rot-weiße Anstrich des Leuchtturms könnte den Schiffsführer irreleiten. Für Hooksiel äußerte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt ähnliche Bedenken.

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"Der Leuchtturm Roter Sand ist ein herausragendes maritimes Denkmal. Daher wollen wir dieses Baudenkmal unbedingt für zukünftige Generationen sichern", erklärt Steffen Skudelny, Vorstand der DSD. Er sieht Vorteile im Umzug des Turms: "Dass der Leuchtturm an seinem neuen Standort besser erreichbar sein wird, ermöglicht zudem, dass zahlreiche Besucherinnen und Besucher ihn künftig hautnah erleben können und hat schließlich auch für die Wartung enorme Vorteile."

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Petition für Originalstandort scheiterte im Landtag

Doch nicht alle teilen diese Sichtweise. Eine Petition zum Erhalt des Leuchtturms am Originalstandort hatte im Herbst 2025 mehr als 5.600 Unterschriften gesammelt – deutlich mehr als die erforderlichen 5.000 Stimmen. Der Petitionsausschuss des niedersächsischen Landtags empfahl jedoch im Februar 2026, dem Anliegen zum Erhalt des Leuchtturms an seinem jetzigen Standort nicht zu folgen. Die Begründung: Die Sanierungs- und Folgekosten seien unrealistisch hoch.

Die Petition, initiiert von einem Bremerhavener Rechtsanwalt und unterstützt vom Förderverein Leuchtturm Roter Sand e.V., hatte zwei zentrale Forderungen: den Erhalt am Originalstandort und die Aufnahme in die deutsche Vorschlagsliste für das UNESCO-Weltkulturerbe. Der Förderverein, der sich über Jahrzehnte tatkräftig für den Erhalt an Ort und Stelle einsetzt, argumentierte, dass eine Sanierung vor Ort mit moderner Technik möglich und günstiger sei als eine Versetzung. Zudem würde der Leuchtturm durch den Umzug seine Authentizität als weltweit erstes Offshore-Bauwerk verlieren.

Warum der Umzug als notwendig erachtet wird

Die Entscheidung für eine Versetzung fiel nicht leicht. Seit über 140 Jahren steht der markante rot-weiß gestreifte Turm in der Außenweser, etwa 30 Seemeilen nördlich von Bremerhaven. Als weltweit erstes Offshore-Bauwerk, 1885 in Betrieb genommen, verkörpert er deutsche Ingenieurskunst und Seefahrtsgeschichte.

Doch die DSD sieht nach aktuellen Gutachten keine andere Möglichkeit mehr. Als Gründe für die Versetzung nennt die Stiftung veränderte Strömungs- und Bodenverhältnisse in der Außenweser sowie zunehmende extreme Wetterereignisse infolge des Klimawandels mit höherem Wellenschlag. Hinzu kommen neue Erkenntnisse zur Standsicherheit: Die verwendeten Puddelstähle aus dem 19. Jahrhundert erfüllen nicht mehr die Anforderungen an Offshore-Bauwerke. Außerdem begrenzen erhöhte Umwelt- und Naturschutzanforderungen in unmittelbarer Nähe des Welterbes Wattenmeer die Arbeiten vor Ort zusätzlich.

Im Vorfeld wurden Alternativen diskutiert – von verschiedenen Erhaltungsvarianten vor Ort bis zu stark eingreifenden baulichen Lösungen. Sie bieten nach Einschätzung der Experten der DSD jedoch keine verlässliche Perspektive für einen langfristigen Erhalt.

Der Plan: Ein Millionenprojekt

Geplant ist, nur den oberen Teil des Leuchtturms – das kulturell wertvolle Segment mit den charakteristischen drei Erkern – abzutrennen und per Kranschiff an Land zu transportieren. Der historische Sockel, der sogenannte Caisson (ein mit Beton und Mauerwerk gefüllter Stahlmantel), muss aus technischen Gründen am Originalstandort verbleiben.

Konkrete Angaben zu Kosten und Umsetzungsschritten können erst gemacht werden, wenn das Bauantragsverfahren weiter fortgeschritten und die anschließenden Vergabeschritte abgeschlossen sind. Bereits jetzt ist jedoch absehbar, dass es sich um ein spektakuläres Millionenprojekt handeln wird. Frühere Schätzungen für eine Sanierung vor Ort beliefen sich auf bis zu 12,5 Millionen Euro.

Was passiert als Nächstes?

Die DSD stimmt das weitere Vorgehen eng mit mehreren Partnern ab: dem Bundesministerium für Verkehr als Eigentümer des Turms, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, dem Landesamt für Denkmalpflege Niedersachsen sowie der Gemeinde Butjadingen. Der Zeitplan bleibt offen. Von der Baugenehmigung, den fachlichen Abstimmungen und der Finanzierungssicherung hängt ab, wann die nächsten Schritte konkret umgesetzt werden können.

Fedderwardersiel: Ein authentischer Rahmen

Fedderwardersiel punktet nach Angaben der DSD besonders durch seine Lage und Genehmigungsfähigkeit. Der kleine Krabbenkutterhafen an der Wesermündung bietet eine maritime Atmosphäre und liegt in relativer Nähe zum ursprünglichen Standort. In einer früheren Umfrage der Nordsee-Zeitung hatte sich der Ort bereits als Publikumsliebling erwiesen.

Eine lange Rettungsgeschichte

Es ist nicht das erste Mal, dass der Leuchtturm Roter Sand vor dem Untergang bewahrt werden muss. Nach seiner Außerdienststellung 1964 war er zunächst dem Verfall preisgegeben. Eine massive Protestwelle in der Bevölkerung führte zur Gründung des Fördervereins. 1987 wurde in einer spektakulären Aktion eine neue Stahlmanschette über das Fundament gestülpt. Anschließend ging der Turm in den Besitz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz über.

Eine weitere Sanierung war 2011/12 erforderlich. Nun steht die wohl größte Herausforderung bevor: der Umzug des 53 Meter hohen und 70 Tonnen schweren Bauwerks – eine der komplexesten maritimen Operationen, die je an der deutschen Nordseeküste durchgeführt wurden.

Ein Leuchtfeuer mit Seele

Der Leuchtturm Roter Sand wurde 1885 als weltweit erstes Offshore-Bauwerk errichtet. Doch er ist mehr als nur ein malerisches Motiv: Als weltweit erste Offshore-Konstruktion verkörpert er eine technische Pionierleistung, die damals als unmöglich galt. Ingenieure und Arbeiter des ausgehenden 19. Jahrhunderts schufen hier draußen in der tosenden Außenweser ein Bauwerk, das Generationen überdauern sollte – auf einem gewaltigen Caisson-Fundament, das in den Meeresgrund gerammt wurde.

Der Turm mit seinen drei markanten Erkern, die wie Balkone über dem Meer schweben, ist so etwas wie der Inbegriff eines Leuchtturms schlechthin, seine nun anstehende Versetzung löst Emotionen aus. Mitten in der grauen Nordsee, umtost von Wellen und Wind, trotzt das rot-weiß gestreifte Bauwerk seit über 140 Jahren den Naturgewalten. Für Generationen von Auswanderern, die im 19. und 20. Jahrhundert von Bremerhaven aus ihre Heimat verließen, war er das letzte Stück Deutschland, das sie sahen – ein letzter Gruß, bevor der Horizont sie verschluckte. Für heimkehrende Seeleute bedeutete sein Anblick das Ende einer langen Reise, das erste Zeichen, dass die vertraute Küste wieder nahe war.

Ursula Meer

Ursula Meer

Redakteurin Panorama und Reise

Ursula Meer ist Redakteurin für Reisen, News und Panorama. Sie schreibt Segler-Porträts, Reportagen von Booten, Küsten & Meer und berichtet über Seenot und Sicherheit an Bord. Die Schönheit der Ostsee und ihrer Landschaften, erfahren auf langen Sommertörns, beschrieb sie im Bildband „Mare Balticum“. Ihr Fokus liegt jedoch auf Gezeitenrevieren, besonders der Nordsee und dem Wattenmeer, ihrem Heimatrevier.

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