LandgangTipps für den Hafentag

Pascal Schürmann

 · 13.05.2026

Landgang: Tipps für den HafentagFoto: Johannes-Maria Schlorke/Deutsches Meeresmuseum Stralsund
Eindrucksvolle Schau im Stralsunder Ozeaneum

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Wenn am Wochenende Starkwind über die Küsten peitscht, Regen aufs Deck trommelt und selbst eingefleischte Skipper lieber im Hafen bleiben, schlägt die Stunde der maritimen Museen. Statt Auslaufen heißt es dann: eintauchen. Und zwar in die Geschichte der Seefahrt, des Schiffbaus, der Navigation und der großen Expeditionen.

Deutschlands maritime Museumslandschaft bietet dafür gerade jetzt eine ganze Reihe spannender Sonderausstellungen und neuer Präsentationen – von historischen Fähren über spektakuläre Schiffswelten bis hin zu fotografischen Begegnungen mit dem Element Wasser. Wer also wegen des schlechten Wetters auf den Törn verzichten muss, findet zwischen Nordsee, Ostsee und den großen Hafenstädten genügend Alternativen für einen maritimen Wochenendausflug.

Zu den ersten Adressen gehört das Internationale Maritime Museum in Hamburg in der Hafencity. Das Museum gilt ohnehin als Pflichttermin für Menschen mit einem Faible für Schiffe, Navigation und Seefahrtsgeschichte. Derzeit laufen dort gleich mehrere Sonderausstellungen beziehungsweise stehen kurz bevor. Etwa die Schau „Fähr- und Fahrgastschifffahrt an Deutschlands Küsten“, die sich den Schiffen widmet, die über Jahrzehnte Nord- und Ostsee geprägt haben – von klassischen Seebäderschiffen bis zu modernen Fähren.

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Spielerisch die Geschichte der Seefahrt erleben

Ganz neu gestartet ist außerdem eine Playmobil-Ausstellung, die maritime Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch erzählt. Mit detailreichen Dioramen, historischen Szenen und liebevoll aufgebauten Schiffswelten spannt die Schau den Bogen von frühen Entdeckungsreisen bis zur modernen Seefahrt. Gerade Familien, aber auch erwachsene Schiffs- und Modellbaufans dürften daran ihre Freude haben.

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Nur noch an diesem Wochenende zu sehen ist dagegen die Fotoausstellung „Aqua – Begegnungen mit dem Wasser“. Der Fotograf Tom Krausz zeigt darin Wasser in unterschiedlichsten Erscheinungsformen: als Brandung, Eis, Dampf oder stilles Binnengewässer. Die großformatigen Bilder entfalten eine besondere Wirkung, weil sie die Kraft und Stimmung des Wassers oft eindrucksvoller vermitteln als jede Wetter-App. Wer die Schau noch erleben möchte, sollte sich also beeilen.

Auch jenseits Hamburgs lohnt sich derzeit ein Museumsbesuch. Das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven hat seine Ausstellung „Schiffswelten – Der Ozean und wir“ modernisiert und deutlich erweitert. Im Zentrum steht die Beziehung des Menschen zum Meer – von Hansekoggen über Fischerei und Forschung bis zu moderner Schifffahrt. Für Freizeitkapitäne besonders reizvoll: der Museumshafen mit historischen Fahrzeugen, darunter Hochsee-Bergungsschlepper, Feuerschiff und Hafenschlepper.

Bremerhaven eignet sich ohnehin perfekt für einen maritimen Schlechtwettertag. Viele der Ausstellungen sind wetterunabhängig zugänglich, gleichzeitig bleibt das Hafengefühl durch die unmittelbare Lage an der Weser erhalten. Gerade die berühmte Bremer Kogge vermittelt eindrucksvoll, wie anspruchsvoll Seefahrt schon vor Jahrhunderten war – selbst ohne moderne Elektronik, Plotter oder Satellitenwetter.

Handelsschifffahrt, Marine und Freizeitskipper

Wer sich für Marinegeschichte interessiert, findet im Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven eine der spannendsten Sammlungen des Landes. Dort können Besucher nicht nur Ausstellungen besichtigen, sondern echte Großexponate betreten: den Lenkwaffenzerstörer „Mölders“, das U-Boot „U 10“, Schnellboote und Minenjagdboote. Das Museum zeigt die Entwicklung deutscher Marinegeschichte seit dem 19. Jahrhundert und vermittelt zugleich, wie eng Technik, Navigation und Seefahrt miteinander verbunden sind.

Ebenfalls an der Küste lohnt ein Besuch des Ozeaneums in Stralsund. Anders als klassische Schifffahrtsmuseen konzentriert sich das Haus auf die Weltmeere selbst. Riesige Aquarien, Wal-Ausstellungen und moderne Inszenierungen machen das Ozeaneum auch für Familien attraktiv.

Gerade bei schlechtem Wetter entfaltet das Museum seine Stärke: drinnen tief in maritime Lebensräume eintauchen, während draußen der Wind über die Ostsee fegt. Ergänzt wird das Angebot in Stralsund durch das Nautineum und das traditionsreiche Segelschulschiff „Gorch Fock I“.

Technikfans zieht es dagegen oft tief ins Binnenland. Das Technik Museum Speyer verbindet Luftfahrt- und Schifffahrtsgeschichte auf spektakuläre Weise. Zu den Highlights gehören mehrere U-Boote, ein Seenotrettungskreuzer und historische Schlepper.

Mittendrin statt nur davor

Besonders das begehbare U-Boot „U 9“ vermittelt eindrucksvoll, wie eng und technisch anspruchsvoll das Leben unter Wasser war. Für viele Besucher gehören gerade diese begehbaren Exponate zu den faszinierendsten maritimen Museumserlebnissen Deutschlands.

Etwas spezieller, dafür umso atmosphärischer, sind kleinere maritime Museen entlang der Küsten. In Rostock etwa befindet sich ein Schifffahrtsmuseum auf dem Traditionsschiff „MS Dresden“. Dort dreht sich vieles um Schiffbau und Handelsschifffahrt in der DDR. Wer wissen möchte, wie Frachtschiffe früher navigierten oder wie Seeleute auf langen Reisen lebten, bekommt hier einen authentischen Einblick.

Auf Usedom wiederum wartet in Peenemünde ein Kontrastprogramm: Dort können Besucher ein sowjetisches Raketen-U-Boot und eine Raketenkorvette der ehemaligen Volksmarine besichtigen. Die Kombination aus Technikgeschichte, Kaltem Krieg und maritimer Atmosphäre macht das Museum besonders bei technikaffinen Wassersportlern beliebt.

Kleine, aber feine Museen

Wer lieber historische Arbeits- und Küstenschifffahrt erleben möchte, findet entlang der Elbe und Weser zahlreiche kleinere Ziele. In Stade liegt der Küstenfrachter „Greundiek“, in Brake und Elsfleth dokumentiert das Maritime Museum Unterweser die Geschichte der regionalen Schifffahrt.

Solche Häuser erzählen oft die Geschichten der „kleinen“ Seefahrt: Lotsen, Küstenfrachter, Schlepper und Werften – also genau jener maritimen Welt, die vielen heutigen Freizeitseglern besonders nah ist.

Interessant ist dabei, dass maritime Museen längst nicht mehr nur klassische Vitrinenhäuser sind. Viele Einrichtungen setzen heute auf immersive Installationen, interaktive Technik und Erlebnisräume. Besucher können Radar ausprobieren, historische Funktechnik erleben oder digitale Seekarten erkunden. Gerade für moderne Skipper entsteht dadurch eine spannende Verbindung zwischen früherer und heutiger Navigation.

Auch die Atmosphäre spielt eine Rolle. Während draußen Regenfronten durchziehen und Böen die Festmacher knarren lassen, entsteht in vielen Museen genau jenes Gefühl von maritimer Geborgenheit, das Wassersportler so schätzen: Holzdecks, Messinginstrumente, Seekarten, Modellschiffe und Geschichten von langen Reisen. Für viele Segler gehört das inzwischen fast selbstverständlich zur Offseason.

Inspiration für neue Törns

Das schlechte Wochenende muss also keineswegs ein verlorenes Wochenende sein. Im Gegenteil: Wer jetzt statt Auslaufen einen Museumsbesuch plant, kann maritime Geschichte, Technik und Seemannschaft aus völlig neuen Perspektiven entdecken. Und oft entsteht dabei sogar neue Inspiration für die kommende Saison – sei es für den nächsten Törn entlang der Küste, den Besuch eines historischen Hafens oder einfach für die Vorfreude auf den Moment, wenn Wind und Wetter endlich wieder mitspielen.

Pascal Schürmann

Pascal Schürmann

Textchef YACHT

Pascal Schürmann hat 2001 bei der YACHT in Hamburg als Textchef angeheuert. Den Umgang mit Pinne und Schot lernte er als Jugendlicher in der Wanderjolle auf dem Sneeker Meer sowie auf dem Dickschiff auf dem IJsselmeer. Während und nach dem Studium folgten Törns auf der Ostsee und im Mittelmeer. Als gelernter Wirtschaftsjournalist kümmert er sich zudem um Bootsfinanzierungs- und Yachtversicherungsberichte, hegt aber auch ein Faible für Blauwasserthemen.

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