Am Samstag, den 18. April 2026, heißt es wieder “Leinen los" für Kulturbegeisterte in Hamburg: 53 Museen, Ausstellungshäuser und Gedenkorte öffnen von 18 Uhr bis 1 Uhr ihre Türen zur Langen Nacht der Museen. Für maritim Interessierte ist dies eine besondere Gelegenheit, Hamburgs reiche Seefahrtsgeschichte hautnah zu erleben – und das bis in die späten Nachtstunden an der Elbe.
Das Internationale Maritime Museum ist allein schon wegen seiner Lage einen Besuch wert: In einem der ältesten Speicher in der Speicherstadt, am Zusammenfluss von Magdeburger Hafen und Brooktorhafen, führt es auf neun Ausstellungsdecks durch 3.000 Jahre internationale Schifffahrtsgeschichte. Es beherbergt die weltweit größte maritime Privatsammlung mit mehr als 100.000 Exponaten auf 12.000 m².
Auf insgesamt neun Decks widmet sich das Museum der Entdeckung der Welt mittels Navigation und Kommunikation. Es zeigt, wie Schiffe unter Segeln, Dampf und Diesel um die Welt reisten und reisen. Dabei widmet es sich sowohl der Geschichte der Handels- und Passagierschifffahrt wie auch der von Marine und Kriegsschiffen. Seefahrts-Kultur lässt sich in zahlreichen Exponaten der Marinemalerei und einer Schatzkammer mit Schiffen aus Gold, Silber und Bernstein sowie der weltweit einzigartigen Sammlung seltener Knochenschiffe entdecken. Mehr als 50.000 Modelle zeigen kleine Schiffe, dicke Pötte und Luxusyachten aus aller Welt. Eine „Expedition Meer“ befasst sich schließlich mit den letzten Geheimnissen der Erde in der Tiefsee.
Besondere Highlights: An einem High-Tech-Schiffsführungssimulator dürfen Besucher selbst ans Ruder und ein Containerschiff virtuell durch einen belebten Hafen manövrieren. Aus einer Million Legosteinen wurde die Königin der Meere, die „Queen Mary 2“, mit Licht und Klang nachgebildet. Zur Langen Nacht 2026 lautet das Motto “Unheimliches Meer” – mit spannenden Führungen wie "Mystisches Meer – Sagen, Nixen und Seemannsgarn", Fechtschaukämpfen, maritimen Märchen und Musik.
Zur Langen Nacht hat sich die „Cap San Diego“ frisch herausgeputzt: Gerade Ende März ist das größte fahrtüchtige Museumsschiff der Welt von seinem turnusmäßigen "Schiffs-TÜV" bei der der BREDO-Werft in Bremerhaven zurückgekehrt. Rund 200 Werftpunkte wurden abgearbeitet. Das schwimmende Wahrzeichen des Hamburger Hafens ist damit wieder in Topform und Besucher schreiten auf nagelneuen Decksplanken.
Sie ist die letzte Einheit einer Serie von Stückgutfrachtern für den Südamerika-Handel, der sogenannten “Cap-San-Klasse”. Wegen ihrer eleganten Form trugen die von dem bekannten Schiffsdesigner Cäsar Pinnau entworfenen Schiffe auch den Beinamen „Weiße Schwäne des Südatlantiks". Die „Cap San Diego“ wurde 1961/1962 auf einer Werft in Hamburg-Finkenwerder als Frachtschiff für die Reederei Hamburg Süd gebaut. Sie brachte 20 Jahre lang Waren und Passagiere von Europa nach Südamerika und wieder zurück. Dabei transportierte das Schiff etwa Tee, Tabak oder gefrorenes und gekühltes Fleisch. 1986 kehrte sie als Museumsschiff nach Hamburg zurück. Das Besondere: Die „Cap San Diego“ fährt noch heute regelmäßig von ihrem Liegeplatz an der Überseebrücke elbabwärts Richtung Nordsee.
Programm zur Langen Nacht 2026: In den ehemaligen Ladeluken 1 & 2 eröffnet eine neue, multimediale Ausstellung „Cap San Diego und ihre Geschichte". Sie macht eindrucksvoll Vergangenheit und Technik des legendären Stückgutfrachters erlebbar. Die Deutsche Meeresstiftung präsentiert in Luke 5 eine multimediale Ausstellung rund um das Ökosystem „Ozeane".
Mitsing-Fans kommen auf dem Pooldeck der alten Lady auf ihre Kosten. Dort werden von Landratten und Seebären gemeinsam Lieder gesungen, unterstützt vom Chor „Singin‘ San Diego“. Für Familien gibt es eine Speed-Piraten-Rallye, und mutige Besucher können zusammen mit dem Team von Schattenspringer den Mast erklimmen.
In exponierter Lage an den Sankt-Pauli-Landungsbrücken öffnet zur langen Nacht auch die “Rickmer Rickmers” ihre Luken. Der Großsegler lief im August 1896 auf der Werft der Bremerhavener Reederei Rickmer Clasen Rickmers vom Stapel und wurde nach dem Enkel des Werftbesitzers benannt. Das Segelschiff verfügte über gleich drei Antriebsarten: Wind, Dampf und Diesel – eine technische Besonderheit für ihre Zeit.
Unzählige Seemeilen ließ der Dreimaster zwischen Deutschland, dem Fernen Osten, den USA und Südamerika im Kielwasser - nicht ohne Abenteuerfaktor: In einem Orkan im Indischen Ozean verlor das Schiff 1904 seinen Kreuzmast. Es konnte von der Besatzung noch knapp in den Hafen Kapstadts gerettet werden. Dort wurde es aus Kostengründen zur Bark umgetakelt. Im Ersten Weltkrieg wurde das Schiff konfisziert und unter portugiesischer Flagge als Segelschulschiff genutzt. Im Laufe seiner Geschichte trug es vier Namen: Max, Flores, Sagres und Santo André, bevor es in 1983 wieder seinen ursprünglichen Namen “Rickmer Rickmers” bekam.
Das Deutsche Hafenmuseum und die Stiftung Hamburg Maritim bringen Besucher aufs Wasser: Ein Barkassen-Shuttle fährt etwa alle 20 Minuten vom Anleger Sandtorhöft zum Hansahafen – eine kleine Hafenrundfahrt durch die nächtliche Elbe. Das Ziel: Das denkmalgeschützte Ensemble der 50er-Schuppen am Hansahafen, Hamburgs älteste erhaltene Hafenanlagen aus der Kaiserzeit.
Hier befinden sich gleich zwei maritime Attraktionen: Im Schuppen 50A ist das Deutsche Hafenmuseum untergebracht, ein im Aufbau befindliches Museum der Stiftung Historische Museen Hamburg. Auf 2.500 Quadratmetern Schaudepot erwarten die Besucher Tätowierkunst, Tauchvorführungen und spannende Einblicke in die Zusammenhänge des globalen Handels – anhand originaler Exponate aus Hafenumschlag und Schiffbau wird die Geschichte des Stückgutumschlags lebendig.
Direkt am Anleger Bremer Kai liegen die historischen Traditionsschiffe der Stiftung Hamburg Maritim. Die 2001 gegründete Stiftung bewahrt Hamburgs maritimes Erbe: historische Schiffe, die 50er-Schuppen, Hafenkrane und die Historische Hafenbahn. Über 1.700 Ehrenamtliche kümmern sich um den Erhalt und Betrieb dieser schwimmenden Denkmäler. Zur Langen Nacht können Besucher Schiffe wie den Stückgutfrachter „Bleichen“, den Lotsenschoner No. 5 „Elbe“ oder den Dampfschlepper „Fairplay VIII“ erkunden – alle voll funktionsfähig und liebevoll restauriert.
Das Ticket für die Lange Nacht der Museen kostet 18 Euro (ermäßigt 12 Euro), für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Eintritt frei. Tickets beinhalten die kostenfreie Nutzung des hvv (Ringe A–F) am Veranstaltungstag von 16 Uhr bis 6 Uhr am Folgetag sowie des Lange-Nacht-Bus-Shuttles. Zwischen den Museen verkehren extra eingerichtete Busshuttle-Linien, ein Barkassen-Shuttle und die historische S-Bahn Hamburg zwischen Altona und Bergedorf. Erhältlich sind die Tickets hier.
Der Museumshafen Ovelgönne beteiligt sich nicht offiziell an der Langen Nacht, ist aber immer einen Besuch wert. Der Museumshafen liegt malerisch an der Elbe im Stadtteil Othmarschen und beherbergt eine einzigartige Sammlung historischer Arbeitsschiffe, die das maritime Erbe der Hansestadt bewahren.
Hier liegen restaurierte Ewer, Schlepper, Barkassen, Fischereifahrzeuge und andere traditionelle Wasserfahrzeuge vor Anker – authentische Zeitzeugen der Hamburger Hafengeschichte. Die ehrenamtlichen Mitglieder des Museumshafenvereins kümmern sich liebevoll um die Erhaltung dieser schwimmenden Denkmäler. Mit der Hafenfähre 62 ist der Museumshafen vom Anleger Landungsbrücken aus bequem zu erreichen – ideal für einen Hafentag mit maritimem Flair. Im "Lieger", dem Besucherzentrum am Neumühler Kai, gibt es weitere Informationen zur Geschichte der Schiffe und zum Verein.
Der Museumshafen ist täglich von 9 bis 18 Uhr kostenlos zugänglich und besonders bekannt für sein Programm bei großen Events wie dem Hamburger Hafengeburtstag. Ein echter Tipp für alle, die authentisches maritimes Flair und traditionelle Hafenromantik suchen. Bei Sonnenschein lässt sich hier wunderbar am Elbstrand entspannen und den Blick auf die historischen Schiffe genießen.
In Bremen öffnen am 30. Mai 2026 von 18 Uhr bis Mitternacht ebenfalls 31 Museen und Ausstellungshäuser ihre Türen zur Langen Nacht der Bremer Museen. Das Hafenmuseum Bremen nimmt teil und präsentiert die Sonderausstellung "Wir sind der Fluss!", die einlädt, die Weser neu zu betrachten. Dazu gibt es Kurzführungen, ein großes Weser-Quiz sowie Wissenswertes aus der Welt des Tees, eine Museumsrallye und Musik.
Maritim Interessierte aus Kiel müssen sich noch ein wenig länger gedulden. An der Förde findet die nächste Museumsnacht am 28. August 2026 statt. Das detaillierte Programm mit allen teilnehmenden Museen wird im Sommer 2026 veröffentlicht.
Für Bootsfahrer lohnt sich auch außerhalb der Museumsnächte ein Besuch maritimer Schätze entlang der Küsten - ob bei Schietwetter oder als abwechslungsreiches Landgangs-Programm. Hier eine Auswahl:
Deutsches Schifffahrtsmuseum Bremerhaven: Das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven ist eines der bedeutendsten maritimen Museen Europas. Hier erleben Besucher eine maritime Zeitreise von der Antike bis zur Gegenwart.
10 sehenswerte maritime Museen an der Ostsee: Von Flensburg bis Usedom – die Ostseeküste bietet zahlreiche maritime Museen für den perfekten Hafentag. Hafentag-Tipps für die Ostsee.
Museen für Schietwetter: Wenn das Wetter nicht mitspielt – diese maritimen Museen bieten Unterschlupf und spannende Einblicke.
Alle Museumsschiffe und maritimen Museen von A bis Z: Die komplette Übersicht für Ihre Törnplanung – von Ahrenshoop bis Zingst.
Geheimtipp für das Binnenrevier: Das europaweit erste Museum für Spielschiffe in Mutzschen bei Grimma (bei Leipzig) zeigt mehr als 2.000 Exponate aus 40 Jahren Sammelleidenschaft. Der Franzose Claude Bernard, Jahrgang 1956, eröffnete gemeinsam mit seiner Frau dieses einzigartige Museum. Von historischen Blechbooten bis zu modernen RC-Modellen ist alles dabei.

Redakteurin Panorama und Reise