Nach Ostsee-SturmflutReparatur des Kieler Leuchtturms dauert noch

Andreas Fritsch

 · 12.11.2024

Der Kieler Leuchtturm ist ein Wahrzeichen in der Kieler Bucht
Foto: YACHT/Klaus Andrews
Noch immer ist unklar, wann und wie die Reparatur des seit der Ostsee-Sturmflut nur im Notbetrieb laufenden Leuchtfeuers vor Kiel beginnt. Gutachter sind vor Ort, um den besten Weg zur Reparatur zu finden. Für die Lotsen bedeutet die Situation viel Mehrbelastung

Erst am Mittwoch letzter Woche wurde das Leuchtfeuer in der Kieler Förde von Versorgern des WSA Ostsee angelaufen, damit neuer Brennstoff für die Energieversorgung gebunkert werden konnte. Zugleich stiegen erneut Gutachter auf den noch immer gesperrten Turm über, um die weitere Marschroute zur Reparatur zu erarbeiten. Seit Oktober letzten Jahres, in dem die Fundamente des Turms beschädigt und in der Folge der Technikraum geflutet wurde, ist das Seezeichen nur im Notbetrieb, die Lotsenstation im Turm ist weiter gesperrt. Der Plan zur Reparatur lässt auf sich warten, wohl auch weil eine Begutachtung erst bei ruhigerem Wetter im Frühjahr beginnen konnte.

Herausforderungen für die Lotsen

Für die Lotsen ist die Situation eine Herausforderung. Seit einem Jahr müssen sie nun von Laboe zu den Berufsschiffen herausfahren und dort übersteigen. Das bedeutet eine 25-minütige Anfahrt, statt etwa 5 Minuten, wie früher.

Doch das viel größere Problem sind die Wartezeiten zwischen Einsätzen: Fährt das Übersetzboot von Laboe heraus und wieder zurück, ist es rund 50 Minuten unterwegs. Das ist oft zu lang, was zur Folge hat, dass das Boot samt Lotsen teils viele Stunden auf Standby auf offener See liegen muss. Im Winter ist das bei schlechtem Wetter und Seegang eine Belastung für die Lotsen, aber auch die Schiffsführer, zumal eine Lotsenschicht bis zu 12 Stunden lang ist.

Zurzeit sind in Laboe Ferienwohnungen angemietet, in denen die Lotsen sich zwischen Einsätzen ausruhen können, doch dort haben sie keinen schnellen Zugriff auf Radar und Funk. Die Lotsenbrüderschaft hat deshalb schon angemahnt, dass diese Situation keine dauerhafte Lösung werden dürfte.

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Reparatur womöglich im Millionenbereich

Doch wie lange die Reparatur dauert, ist noch unklar, das zuständige WSA Ostsee hat bislang noch keinen Zeit- und Kostenplan zur Reparatur veröffentlicht. Der aus Aluminium gefertigte Turm steht auf drei riesigen, versenkten Beton-Fundamenten, die aus dem Jahr der Erbauung 1967 stammen. Ob sie reparabel sind oder komplett ersetzt werden müssen, ist noch nicht bekannt. Gemunkelt wird von Kosten im einstelligen Millionenbereich.


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Andreas Fritsch

Andreas Fritsch

Freier Autor

Andreas Fritsch segelte seit Kindesbeinen an, erst mit der Jolle, später mit eigenen Kielschiffen auf der Elbe und der Ostsee. Ab 1997 arbeitete er für die YACHT, ab 2001 schwerpunktmäßig im Bereich Reise und Charter. Er war in fast allen Revieren weltweit unterwegs und gilt als Charter-Experte. Er hat zwei Revierführer für das Mittelmeer geschrieben. Seit einigen Jahren segelt er mit einem GFK-Klassiker vom Typ Grinde auf der Ostsee und arbeitet aktuell als Freier Autor für YACHT und BOOTE.

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