Die Ladestation im BMK Yachthafen Langenargen markiert einen Wendepunkt für die Elektromobilität auf dem Wasser. Bislang gab es weder in Deutschland noch in Österreich oder der Schweiz eine Stromtankstelle für elektrisch betriebene Boote am See. Die 11-kW-Ladesäule kann zwei Boote gleichzeitig aufladen. Bootsbesitzer aktivieren den Ladevorgang über einen QR-Code, eine App oder eine Ladekarte – ähnlich wie bei Elektroautos an Land. Noch fahren weniger als fünf Prozent der Boote mit Elektromotor. Doch das soll sich möglichst rasch ändern, denn bis 2040 soll die Sportbootschifffahrt am Bodensee klimaneutral werden.
„Wir wollen einen Impuls setzen für die Elektromobilität auf dem Bodensee", erklärte Angela Mesmer, Betriebsleiterin des BMK Yachthafen Langenargen bei der Eröffnung. Die neue Ladesäule soll einen Teufelskreis durchbrechen: Ohne Ladeinfrastruktur kaufen Bootsbesitzer keine Elektroboote. Doch ohne Elektroboote entsteht auch kein Bedarf für Ladeinfrastruktur. Für vollelektrische Sportboote ist es entscheidend, unterwegs die Batterien aufladen zu können. Die vorhandenen Landstromanschlüsse in den Häfen bieten eine deutlich geringere Leistung. Das Laden dauert entsprechend länger. Die 11-kW-Leistung der neuen Säule ermöglicht schnelleres Laden als über herkömmliche Steckdosen.
Die Internationale Bodensee-Konferenz hat sich das Ziel gesetzt, die Sportbootschifffahrt bis 2040 klimaneutral zu gestalten. Die neue Ladesäule in Langenargen soll ein erster Schritt in diese Richtung sein. Philipp Franke vom Verkehrsministerium Stuttgart betonte bei der Einweihung der Ladesäule die Bedeutung des Projekts für die Energiewende auf dem Wasser. Die Firma Bouillet Energy lieferte die technische Ausstattung. Der Bodensee gilt als wichtiges Testgebiet für nachhaltige Schifffahrt. Verschiedene Initiativen arbeiteten an der Reduzierung von Emissionen auf dem Wasser.
Am Bodensee laufen mehrere Projekte zur klimaneutralen Schifffahrt. Die Elektrofähre „MS Insel Mainau" verkehrt bereits zwischen Konstanz und der Insel Mainau. Beim „E-Mobility Experience Day" in Friedrichshafen im Mai 2025 präsentierten Hersteller und Betreiber verschiedene Konzepte für elektrische Antriebe. Die Gas-Autofähre „Richmond" fährt zwischen Konstanz und Meersburg und nutzt bereits einen alternativen Antrieb. Ein Verein setzt sich für ein verschärftes Tempolimit auf dem Bodensee ein, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Der „Mainauer Klimadialog" bringt regelmäßig Experten zusammen, um über klimaneutrale Schifffahrt zu diskutieren. Baden-Württemberg hat den Vorsitz der Internationalen Bodensee-Konferenz übernommen und will sich verstärkt für Naturschutz und klimaneutrale Schifffahrt einsetzen.
Im Mai 2025 fiel auf der Ultramarin Boatshow in Kressbronn der Startschuss für das Pilotprojekt "Klimafreundlicher Bodensee". Unter dem Motto "Leinen los für die Zukunft" markiert das Vorhaben einen wichtigen Meilenstein für nachhaltige Mobilität auf dem Wasser. Ziel ist es, die privaten Sportboote und Yachten am Bodensee schrittweise auf klimaneutrale Kraftstoffe umzustellen und so einen Beitrag zur Umsetzung der regionalen Klimaziele bis 2040 zu leisten. Das vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg geförderte Projekt setzt gezielt auf den Einsatz alternativer Kraftstoffe in der Freizeitschifffahrt.

Redakteurin Reise