”Dampf Rundum”Flensburg heizt die Kessel an

Ursula Meer

 · 09.07.2026

Das Dampfschiff "Alexandra" ist in Flensburg beheimatet und damit auch das Gastgeberschiff  der "Dampf Rundum"
Foto: Helmut Harhaus
​Wenn am kommenden Wochenende über Flensburg dicke Luft herrscht, dann aus gutem Grund: Vom 10. bis 12. Juli 2026 verwandelt das 17. Flensburger Dampf Rundum den Hafen in eine lebendige Zeitmaschine – mit drei historischen Dampfschiffen, einem Rennen auf der Förde und einem Höhenfeuerwerk über dem Wasser. Der Eintritt ist frei.

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Vom 10. bis 12. Juli 2026 findet am Nordertorkai in Flensburg das 17. Dampf Rundum statt. Veranstalter sind die Historischer Hafen Flensburg gGmbH und die Tourismus Agentur Flensburger Förde GmbH im Auftrag des Fördervereins Salondampfer Alexandra. Mit dabei sind drei große Dampfschiffe: die „Alexandra“ als Gastgeberin, der Schlepper „Bjørn“ sowie der kleine dänische Postdampfer „Skjelskør“ – ergänzt durch weitere kleinere Dampfboote. An Land sorgen Lokomobile, Dampfwalzen, eine Modellbauausstellung und ein mehrtägiges Live-Musikprogramm bei freiem Eintritt für Abwechslung. Den Auftakt am Freitagabend bildet das traditionelle Dampferrennen auf der Förde; um 23:00 Uhr endet der erste Veranstaltungstag mit einem Höhenfeuerwerk.

Die große alte Dame: “Alexandra” als Gastgeberin

Sie ist von Anfang an dabei gewesen – und bis heute geblieben: Die „Alexandra“, 1908 in Hamburg vom Stapel gelaufen, gilt als letzter erhaltener Fördedampfer und ist seit 1990 als fahrendes technisches Denkmal eingetragen. In über 100 Jahren hat sie ihren Taufnamen nie geändert. Seit der allerersten Veranstaltung im Jahr 1993 übernimmt sie die Rolle der Gastgeberin und ist das inoffizielle Hauptquartier für alle Teilnehmenden – ob groß oder klein, aus Flensburg oder Skandinavien.

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Wie alles begann: Über 30 Jahre Dampfgeschichte

Das erste Flensburger Dampf Rundum fand vom 16. bis 18. Juli 1993 statt – initiiert von Kapitän Wolfgang Weyhausen und Andreas Westphalen, den man in Flensburg später den „Dampfpapst" taufte. Als Veranstalter wirkten drei Vereine zusammen: der Förderverein Alexandra e.V., der Verein für Technikgeschichte (Dampfclub) Flensburg e.V. sowie der Verein der Freunde des Schienenverkehrs Flensburg e.V. Das Besondere der Premierenveranstaltung: Dampf gab es damals nicht nur auf dem Wasser und an Land, sondern auch auf der Schiene – damals führte noch ein Betriebsgleis bis in den Hafen hinein.

Diese Ära ist längst Geschichte. Bis 2013 war die Angelner Dampfeisenbahn mit historischen Waggons und Lokomotiven vertreten – darunter zeitweise auch die gewaltige Dampflokomotive BR 01 1100 aus dem Jahr 1940, die mit rund 2.500 PS und knapp 180 Tonnen Eigengewicht einst einen Sonderzug von Hamburg-Altona bis ans Hafengleis zog. Das Gleis ist heute nicht mehr betriebstauglich; der Schienendampf gehört somit nicht mehr zum Programm. Manche Teilnehmer der allerersten Veranstaltung sind jedoch nach Angeben der Veranstalter bis heute dabei – allen voran die kleine dänische Skjelskor.

Star aus Dänemark: Die “Skjelskør III”

Kaum ein Schiff hat eine bewegtere Geschichte als die “Skjelskør III”. Der kleine Postdampfer wurde 1915 in Svendborg gebaut und versorgte über 47 Jahre lang die dänischen Inseln Agersø und Omø mit Post, Menschen, Tieren und Autos – gelegentlich stand auf dem Oberdeck sogar ein kompletter Mähdrescher oder ein auf der Insel abgestürztes Flugzeug. Mit gerade einmal 49 Bruttoregistertonnen – einem Maß für den Gesamtrauminhalt eines Schiffes – und 75 PS Maschinenleistung absolvierte die “Skjelskør” schätzungsweise 15.000 Reisen. An Bord galt dabei stets strenge Etikette: Die Insulaner von Agersø und Omø hätten sich niemals an dieselbe Back, also denselben Tisch, gesetzt.

Als neue Fährverbindungen den kleinen Dampfer überflüssig machten, wurde der Betrieb am 31. März 1962 eingestellt. Das Schiff wurde für 12.000 Dänische Kronen an eine Abwrackwerft in Odense verkauft. Auf den letzten Drücker rettete eine eigens gegründete Bewahrungsorganisation die “Skjelskør III” – für 13.500 Kronen löste sie das Schiff aus dem sicheren Untergang. Heute ist die Skjelskor III das letzte kohlebefeuerte Passagierschiff Dänemarks und das älteste noch in Fahrt befindliche Schiff der ehemaligen Bauwerft Svendborg. Ihre Dampfmaschine, 1914 von Steen & Kaufmann in Elmshorn gebaut, läuft bis heute einwandfrei.

Beim Dampf Rundum hat die “Skjelskør” eine unrühmliche, aber herzerwärmende Tradition: Das Rennen hat sie noch nie gewonnen. Mit ihren 75 PS ist sie verlässlich das Schlusslicht des Feldes. Dafür reist sie am weitesten an – vom Heimathafen Frederikssund ist das kleine Schiff je nach Wetter respektable 22 bis 26 Stunden unterwegs, bis es in Flensburg festmacht.

​Der Dritte im Bunde: Schlepper “Bjørn”

Der dänische Dampfschlepper “Bjørn” wurde 1908 von der Werft G. Seebeck A.G. in Geestemünde bei Bremerhaven gebaut und 1909 an die Hafenverwaltung von Randers übergeben. Dort tat er über sieben Jahrzehnte lang als Schlepper und Eisbrecher seinen Dienst, bevor er 1981 zum Traditionsschiff wurde. Heute ist die “Bjørn” in Helsingør beheimatet und wird vom Dansk Veteranskibsklub S/S Bjørn unterhalten. Mit 26,2 Metern Länge, 7,9 Metern Breite und einer Verdrängung von 135 Tonnen ist die “Bjørn” das kompakteste der drei großen Schiffe – angetrieben von einer Dreifachexpansions-Dampfmaschine mit 450 PS. Damit bringt sie immerhin das Sechsfache der “Skjelskør” auf die Förde – und macht das Rennen am Freitagabend zu einem echten Dreikampf.

Das Dampferrennen: Volldampf auf der Förde

Freitagabend gehört die Förde den Dampfern. Um 19:00 Uhr legen die Schiffe vom Nordertorkai ab und dampfen hinaus bis auf Höhe Glücksburg und der Ochseninseln. Dort nehmen sie in einer sogenannten Dwarslinie Aufstellung – das heißt, sie positionieren sich quer nebeneinander wie in einer Startaufstellung. Dann werden die Kessel noch einmal kräftig angeheizt. Wer vom Ufer zuschaut, sieht in der Ferne kaum noch die Schiffe selbst – wohl aber die gewaltigen Rauchfahnen, die aus den Schornsteinen der kohlebefeuerten Dampfer steigen. Nach Freigabe über Funk fällt der Startschuss, und alle Maschinen laufen auf Volllast. Traditionell setzt sich die “Alexandra” mit ihrem schnittigen Rumpf an die Spitze – und die “Skjelskør” trudelt zuverlässig als letzte wieder in den Hafen ein. Nach dem Rennen beschließt um 23:00 Uhr ein Höhenfeuerwerk von einem Ponton im Innenhafen den festlichen ersten Tag.

​Mittendrin statt nur dabei: Mit den Dampfern auf die Förde

Das Dampf Rundum lässt sich nicht nur vom Ufer aus erleben. Am Freitag werden Mitfahrgelegenheiten beim Dampferrennen auf der Skjelskør und dem Bjørn angeboten. Am Samstag und Sonntag stehen Ausflugsfahrten auf allen drei Dampfschiffen auf dem Programm – wobei die Plätze für das Dampferrennen am Freitagabend bereits restlos ausgebucht sind. Wer also noch mitfahren möchte, sollte sich sputen: Tickets für die Schiffstouren können über die Homepage www.dampfrundum.de gebucht werden; während der Veranstaltung sind verbliebene Restkarten am gelben Fahrkartenschalter am Nordertorkai erhältlich.

Technik zum Anfassen: Das Landprogramm

Wer nicht auf dem Wasser ist, hat an Land mehr als genug zu entdecken. Lokomobile – das sind fahrbare Dampfmaschinen, die früher auf Feldern und Baustellen im Einsatz waren –, Dampfwalzen und weitere historische Maschinen rattern über das Pflaster und zeigen, dass sie noch längst nicht zum alten Eisen gehören. Kleine Modellmaschinen zischen über die Promenade und hüllen Besucherinnen und Besucher in Rauch und Qualm. Im Flensburger Schifffahrtsmuseum ist eine große Modellbauausstellung zu sehen. Die sogenannte Dampfermeile sorgt für das kulinarische Wohl. Auf der NOSPA-Bühne am Nordertorkai spielen täglich Live-Bands, am Sonntag etwa die Flensburger Stadtbläser. Für Kinder gibt es am Samstag und Sonntag Puppenbühne und Clownerie.

Offiziell eröffnet wird das Fest am Freitagabend um 18:00 Uhr durch Oberbürgermeister Dr. Fabian Geyer. Besichtigungen der Dampfschiffe sind bereits ab 12:00 Uhr möglich. Das Landprogramm ist an allen drei Tagen kostenlos.

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Ursula Meer

Ursula Meer

Redakteurin Panorama und Reise

Ursula Meer ist Redakteurin für Reisen, News und Panorama. Sie schreibt Segler-Porträts, Reportagen von Booten, Küsten & Meer und berichtet über Seenot und Sicherheit an Bord. Die Schönheit der Ostsee und ihrer Landschaften, erfahren auf langen Sommertörns, beschrieb sie im Bildband „Mare Balticum“. Ihr Fokus liegt jedoch auf Gezeitenrevieren, besonders der Nordsee und dem Wattenmeer, ihrem Heimatrevier.

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