Gewitter auf dem Bodensee65-Jährige geht über Bord und stirbt

Antonia von Lamezan

 · 07.08.2026

Der Sturz einer 65-Jährigen vom Boot  löste am Mittwochabend einen internationalen Seenotfall auf dem Bodensee aus. Am Donnerstag wurde die Frau tot aufgefunden.
Foto: dpa/picture alliance
Eine 65-jährige Frau ist am Mittwochabend auf dem Bodensee während eines Unwetters über Bord gegangen und erst am nächsten Tag tot aufgefunden worden. Die Frau war gemeinsam mit ihrem Ehemann auf dem Rückweg in den Heimathafen, als das Paar in eine Gewitterzelle geriet.

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Nach Angaben der Polizei befand sich das Ehepaar am Mittwochabend (05.08.2026) mit einem Motorboot auf dem Bodensee. Wegen eines aufziehenden Gewitters machten sich die beiden auf den Rückweg in ihren Heimathafen. Noch bevor sie ihn erreichten, verschlechterten sich die Bedingungen jedoch dramatisch.

Starkregen und hoher Wellengang erschwerten die Situation. In diesem Moment ging die 65-Jährige über Bord. Ihr 68-jähriger Ehemann verlor sie in den Wellen aus den Augen und setzte umgehend einen Notruf ab.

Internationale Suchaktion mit rund 200 Einsatzkräften

Wegen des großen Suchgebiets vor Kressbronn lösten die Behörden einen internationalen Seenotalarm aus. An der Suche beteiligten sich rund 200 Einsatzkräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Einsatz waren unter anderem Wasserschutzpolizei, Wasserpolizei Österreich, Seepolizei Schweiz, Feuerwehr, DLRG und SLRG. Auch ein Hubschrauber sowie eine Suchhundestaffel unterstützten die Rettungsmaßnahmen.

Die aktive Suche wurde am Mittwochabend gegen 21.45 Uhr eingestellt. Am Donnerstagmorgen entdeckten zwei Zeugen vor Langenargen eine leblose Person im Wasser. Einsatzkräfte bargen die Frau, ein Notarzt konnte jedoch nur noch ihren Tod feststellen. Die Identifizierung bestätigte, dass es sich um die Vermisste handelte.

Wetterumschwünge auf dem Bodensee können binnen Minuten gefährlich werden

Der Unfall ereignete sich während einer Wetterlage, wie sie auf Alpenseen regelmäßig vorkommt. Besonders im Sommer können Gewitterzellen innerhalb kurzer Zeit kräftige Böen, Starkregen und steilen Wellengang erzeugen. Auch Föhnlagen können den Bodensee innerhalb weniger Minuten von ruhigen Bedingungen in ein anspruchsvolles Revier verwandeln.

Für den Bodensee existiert deshalb ein einheitliches Sturmwarnsystem. Entlang des Ufers informieren orangefarbene Warnleuchten über die aktuelle Wetterlage. Sie arbeiten in zwei Stufen: Bei einer Starkwindwarnung blinken die Leuchten 40-mal pro Minute, bei einer Sturmwarnung 90-mal pro Minute. Das Warnsystem deckt die drei Seebereiche West, Mitte und Ost ab und ist während der Wassersportsaison in der Regel zwischen Anfang April und Ende Oktober täglich von 6 bis 22 Uhr in Betrieb.

Warnungen früh ernst nehmen

​Handlungsempfehlungen für den Bodensee:

  • Sturmwarnleuchten konsequent beobachten: nicht nur beim Ablegen, sondern während der gesamten Fahrt. Die Verhältnisse können sich innerhalb von Minuten ändern.
  • Bei Starkwindwarnung sofort abwägen, ob der nächste geschützte Hafen noch sicher erreichbar ist und im Zweifel lieber einlaufen, bevor die Entscheidung durch das Wetter erzwungen wird.
  • Sicherheitsleine einpicken, sobald die Bedingungen rauer werden. Ein Überbordgehen immer unbedingt vermeiden.
  • Den Bodensee nicht unterschätzen: Die kurze, steile Welle des Sees baut sich schnell auf und ist tückischer als vielen bewusst ist. Von Bord aus sieht man einer heranziehenden Gewitterfront oft ihre Gewalt nicht an.
  • Reffen und Kursänderung brauchen Zeit. Wer erst reagiert, wenn die Front direkt über dem Schiff steht, hat diesen Spielraum bereits verloren.

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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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